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Vermögensverwaltung : MLP einmal anders

Anlagen in Infrastrukturprojekte wie der Bau von Pipelines fallen unter MLPs Bild: dapd

Als „MLP“ werden in Amerika Anlagen in Infrastrukturprojekte zugunsten der Rohstoffwirtschaft bezeichnet. In einer Zeit, in der Vermögensverwalter nach Infrastrukturanlagen suchen, könnte MLP interessant sein.

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          In Deutschland verbindet sich mit der Bezeichnung MLP ein großer Finanzvertrieb. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist das Kürzel „MLP“ auch an den Finanzmärkten bekannt, aber dort steht es für etwas ganz anderes: Als „Master Limited Partnership“ (MLP) werden dort Anlagen in Infrastrukturprojekte zugunsten der Rohstoffwirtschaft wie Pipelines oder Lagerhallen verstanden. Für amerikanische Anleger ist eine Steuervergünstigung vorgesehen. Diese amerikanischen MLPs existieren seit den achtziger Jahren und sind bis heute eine Spezialität geblieben, in die große Investoren wie auch Privatanleger investieren können. In einer Zeit, in der Vermögensverwalter und Fondsmanager händeringend Anlagen in Infrastruktur suchen, werden sie möglicherweise auf größeres Interesse stoßen. Wegen ihrer komplizierten Konstruktionen sollten sich Anleger allerdings fachkundig beraten lassen, ehe sie in diese amerikanischen MLPs investieren.

          Ein amerikanischer MLP ist eine Konstruktion, in der sich ein sogenannter General Partner um das Geschäftliche kümmert und hierfür eine Vergütung erhält. Außerdem hält er üblicherweise eine kleine Beteiligung an einem MLP; der größere Teil des MLP stammt von außenstehenden Investoren, die ihre Anteile über die Börse handeln können. Ein Beispiel für einen MLP ist das in Houston ansässige Unternehmen Kinder Morgan Energy Partners LP, das mehrere Pipelines betreibt und an der New Yorker Börse notiert ist.

          Viele MLPs haben den Aktienmarkt geschlagen

          Die Idee solcher Anlagen besteht nicht in erster Linie in der langfristigen Maximierung des Unternehmenswertes durch Einbehaltung von Gewinnen, sondern in der Erzielung hoher regelmäßiger Ausschüttungen aus dem Cash flow. Viele MLPs haben in den vergangenen 20 Jahren Ausschüttungsrenditen zwischen 6 und 7 Prozent im Jahr erzielt. Als Folge langfristiger Verträge sind die Betreiber der Pipelines oder Lagerhäuser gegen kurzfristige Schwankungen von Rohstoffpreisen meist gut abgesichert; oft gibt es eine langfristige Absicherung gegenüber moderaten Inflationsraten.

          Mit ihren in den vergangenen zwei Jahrzehnten erzielten Renditen haben viele MLPs den Aktienmarkt, gemessen an einem breiten Index wie dem S&P 500, deutlich geschlagen. Allerdings waren auch sie nicht immun gegenüber der Finanzmarktkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Herbst des Jahres 2008. Und wie für alle Anlageformen gilt auch für die MLPs, dass hohe Renditen in der Vergangenheit keine Gewähr für hohe Renditen in der Zukunft darstellen. Befürworter dieser Anlageform verweisen allerdings darauf, dass im Zuge einer oft prognostizierten Stärkung der amerikanischen Industrie und angesichts der hohen Gasreserven Infrastruktur für Rohstoffe auch in den kommenden Jahren in den Vereinigten Staaten ein gefragtes Gut sein dürfte.

          Die Anlageklasse erfordert sehr gute Kenntnisse

          Da direkte Investitionen in MLPs aus steuerlicher Sicht nicht einfach sind, haben Fondsgesellschaften diesen Markt entdeckt. Es gibt eine ganze Reihe von Indexfonds, die auf der Basis von MLPs gebildete Indizes nachvollziehen. In diesen Fonds befinden sich mehr als 25 Milliarden Dollar. Zu den in den Vereinigten Staaten börsennotierten Indexfonds ist kürzlich ein Fonds des Unternehmens Source gestoßen, der an der Londoner Börse gehandelt wird. Der größte Fonds in dieser kleinen Branche ist der amerikanische Alerian MLP ETF, der bislang rund 7 Milliarden Dollar eingesammelt hat. Alerian hat in knapp 30 einzelne MLPs investiert; keine einzelne Beteiligung hat ein Gewicht von 10 Prozent oder mehr.

          Die amerikanischen MLPs sind ein Versuch, Infrastruktur über den Börsenhandel einer breiten Anlegerschicht schmackhaft zu machen. Der amerikanische Staat hat sich allerdings veranlasst gesehen, diese Anlageform durch Steuervorteile zu fördern. Daneben sammeln Banken wie Macquarie gerade in den Vereinigten Staaten bei Großanlegern Geld für Infrastrukturprojekte, wobei diese Gelder überwiegend nach Europa fließen. Auch deutsche Versicherungen und Pensionskassen versuchen, in Infrastruktur zu investieren. Die Anlageklasse besitzt viele Reize, aber sie ist wie andere Anlagen nicht immun gegen Übertreibungen, und sie erfordert sehr gute Kenntnisse.

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