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Vermögensverwaltung : Jetzt in die Schwellenländer!

Schwellenländer bringen Farbe ins Depot Bild: dpa

Schwellenländer sind nichts für Leute, die die Flucht ergreifen, wenn es einmal nicht läuft wie geplant. Für manchen Fondsmanager sind sie weiter das Non-plus-ultra,

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          Anleger sollten sich vor allem auf den langfristigen Aufbau von Vermögen konzentrieren und sich nicht von kurzfristigen, unvorhersehbaren Kursschwankungen in ihrer Strategie beirren lassen. Nach dieser Maxime verfährt Thomas Meléndez, Manager bei der amerikanischen Fondsgesellschaft MFS Investment Management, die Gelder im Wert von rund 300 Milliarden Euro verwaltet. Er plädiert unbeirrt für Anlagen in Schwellenländern, wobei er Aktien gegenüber Anleihen bevorzugt.

          Dafür braucht man in diesen Zeiten Mut! Die Aktienmärkte vieler Schwellenländer laufen seit geraumer Zeit nicht mehr, und viele Währungen aus Asien und Lateinamerika haben seit dem vergangenen Mai erheblich an Wert verloren. Auch wenn in den vergangenen Tagen eine Erholung an den Aktien- und Devisenmärkten in den Schwellenländern beobachtet werden konnte, ist nicht klar, ob es sich nicht nur um einen vorübergehenden Aufschwung in einer lange dauernden Baisse handelt. Viele Anleger aus den Industrienationen und hier nicht zuletzt aus Europa, hatten in den vergangenen zwei Jahren die Schwellenländer als Anlageziel entdeckt und befinden sich nunmehr auf der Verkäuferseite.

          Mittlerweile wieder attraktiv

          Meléndez hat kein Mitleid mit Anlegern, die kurzfristig auf einen fahrenden Zug springen und das Gefährt sofort wieder verlassen, wenn der Motor stottert. Er beobachtet die Finanzmärkte in den Schwellenländern seit rund zwei Jahrzehnten, und sein Blick ruht vor allem auf den langfristigen Perspektiven einzelner Unternehmen. Seine Fonds halten Aktien im Durchschnitt zwischen drei und fünf Jahren. „Die Aktienmärkte in den Schwellenländern haben seit rund fünf Jahren im Vergleich unterdurchschnittlich abgeschnitten“, räumt Meléndez ein.

          Mittlerweile seien die Bewertungen vieler Aktien aus Schwellenländern aber wieder attraktiv. Der Amerikaner wendet sich auch gegen den Eindruck, angesichts vergangener Enttäuschungen existiere kein Interesse mehr an Anlagen in Schwellenländern. Gerade deutsche Großanleger zeigten derzeit Interesse, sagte er am Ende einer Rundreise durch Deutschland.

          Stabilität durch Investitionen

          Dass die Finanzmärkte in vielen Schwellenländern eher klein und daher anfällig für größere Kursschwankungen sind, räumt Meléndez ein. Aber das muss nach seiner Ansicht nicht so bleiben. Als Beispiel nennt er das Wachstum von Pensionsfonds in den Schwellenländern. Deren Volumen hat sich von 860 Milliarden Dollar im Jahre 2006 auf rund 1500 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr erhöht, und viele dieser Fonds müssen überwiegend im eigenen Land oder in der Heimatregion anlegen.

          Diese Fonds, die in der Regel zunächst vor allem Anleihen und erst später Aktien kauften, brächten zunehmende Stabilität in die Finanzmärkte der Schwellenländer. Einen Nachholbedarf sieht er auch in den Industrienationen, wo Pensionsfonds im Durchschnitt rund 6 Prozent ihrer Gelder in Schwellenländern angelegt haben, obgleich das Gewicht der Schwellenländer in globalen Wertpapierindizes bei rund 13 Prozent liegt. Meléndez vermutet, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren auf rund 10 Prozent steigen könnte.

          Nicht für alle Nerven

          Als aktiver Manager, der für die Kombination einzelner Aktien bezahlt werden möchte, äußert sich Meléndez zurückhaltend gegenüber börsennotierten Indexfonds, die es natürlich auch für die Schwellenländer gibt. Als Beispiel nennt er einen verbreiteten Schwellenländerindex, der zu 25 Prozent aus Finanzwerten besteht, von denen wiederum 30 Prozent auf chinesische Banken entfallen. Durchgerechnet wäre ein an diesem Index ausgerichteter Fonds zu rund 7 Prozent in chinesischen Banken investiert, und dies wäre keine geringe Gewichtung.

          Aber bevor es an Einzelwerte geht, muss ein Vermögensverwalter in dieser Zeit seine Kunden erst einmal davon überzeugen, dass die Schwellenländer keine „gefallenen Engel“ sind, sondern Märkte mit einem langfristig intakten Potential. In den vergangenen 25 Jahren haben Schwellenländeraktien nach Angaben von Meléndez im Schnitt 12,8 Prozent gebracht, aber hinter diesem Durchschnitt verbergen sich ganz erhebliche Kursschwankungen. Die hält nicht jeder Anleger aus.

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