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Vermögensverwaltung : Eine Alternative zu Hochzinsanleihen

Senior Secured Loans: Burger King gehört in den Vereinigten Staaten zu den größten Kreditnehmern Bild: AP

Senior Secured Loans gewinnen als Anlageklasse an Bedeutung: Versicherer, Pensionskassen und Stiftungen investieren in Unternehmenskredite. Das Zinsniveau ist niedrig und die Ausfallraten sind überschaubar.

          Auf dem amerikanischen Anleihemarkt gewinnt eine Anlageklasse an Bedeutung, die von Fachleuten als sinnvolle Ergänzung zu einer Anlage in Hochzinspapiere betrachtet wird: von Banken und anderen Kreditgebern an Unternehmen vergebene Darlehen - sogenannte Senior Secured Loans, die im Sekundärmarkt gehandelt werden. „Wir beobachten eine massive Veränderung in der Art und Weise, wie Investoren diese Anlageklasse wahrnehmen“, sagt Gregory Stoeckle, der bei der Fondsgesellschaft Invesco in New York die Anlagen in Unternehmenskredite verantwortet.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Früher habe es sich eher um „taktische Anlagen“ gehandelt. „Mittlerweile gehören die Kredite fest zur langfristigen Strategie bei der Verteilung des Vermögens in einem Kreditportfolio.“ Versicherer, Pensionskassen und Stiftungen, die nach Anlagen in amerikanischen Dollar suchen, investieren in diese Kredite. „In Deutschland geht die Nachfrage vor allem von Pensionsfonds aus“, berichtet Stoeckle. Im Gegensatz zu Deutschland können in Amerika auch Privatanleger schon seit Jahren über reguläre Publikumsfonds in diese Papiere investieren.

          Eine durchschnittliche Rendite von 5,6 Prozent

          Rund 30 Prozent des gesamten Marktvolumens entfalle auf Privatanleger. Insgesamt hat sich der Markt im vergangenen Jahrzehnt verfünffacht. Bei der Finanzierung amerikanischer Unternehmen haben Senior Secured Loans einen Anteil von 13 Prozent. Damit sind sie für die Finanzierung bereits wichtiger als Hochzinsanleihen, die auf einen Marktanteil von 12 Prozent kommen. Der Rest des Marktes entfällt auf Anleihen mit guter Bonität (Investment Grade). Zu den größten Kreditnehmern gehören in den Vereinigten Staaten die Schnellrestaurantkette Burger King, der Spielzeugeinzelhändler Toys „R“ Us und der Autohersteller Ford.

          In Europa stechen Adressen wie der Medizinkonzern Fresenius und der Autozulieferer Schaeffler heraus, die wegen ihres internationalen Geschäfts Dollarkredite benötigen. Die Unternehmenskredite eignen sich nach Angaben von Stoeckle gut als Beimischung, weil sie nur gering mit anderen Anlageklassen korrelieren. Zudem haben sie mit einer durchschnittlichen Rendite von 5,6 Prozent im Jahr über die vergangenen zehn Jahre solide abgeschnitten.

          Der wichtigste Grund für die aktuell wachsende Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist das allgemein niedrige Zinsniveau. In allen großen Währungsräumen liegen die Leitzinssätze mittlerweile unter einem Prozent. Für Versorgungswerke und Unternehmen mit Pensionsverpflichtungen wird es schwierig, ihre angestrebten Zielrenditen von 4 bis 6 Prozent pro Jahr zu erreichen. Dazu zeichnet sich in Amerika eine Zinswende ab. Höherverzinsliche Anlagen mit längerer Laufzeit, die sensibel auf Zinsveränderungen reagieren, bringen die Gefahr schmerzlicher Kursverluste mit sich.

          Denn die Preise von Anleihen fallen, wenn die Zinsen steigen und umgekehrt. In einem Markt mit steigenden Zinsen bieten die erstrangig besicherten Unternehmenskredite einen wichtigen Vorteil. Sie sind traditionell mit einem variablen Zinssatz ausgestattet, was Anlegern Schutz vor steigenden Marktzinsen bietet. Die Verzinsung der Kredite setzt sich üblicherweise aus einem Referenzzinssatz wie Libor oder Euribor sowie einer Risikoprämie zusammen.

          Anleger werden im Fall einer Insolvenz vor Anleihebesitzern bedient

          „Wenn die langfristigen Zinsen steigen, kommt es bei Unternehmenskrediten nicht zu einem Preisverfall“, sagt Kevin Petrovcik, der bei Invesco neue Investmentfonds im Bereich alternativer Kreditanlagen entwickelt. Höhere Zinsen gehen in der Regel aber mit einem höheren Ausfallrisiko einher. Wie Hochzinsanleihen, die auch als Ramschanleihen bekannt sind, haben Unternehmenskredite in der Regel eine geringere Bonität. Anleger profitieren aber davon, dass sie im Fall einer Insolvenz vorrangig, noch vor Anleihebesitzern bedient werden.

          Die Ausfallraten sind zudem überschaubar. „Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009 hat sich die Anlageklasse ziemlich gut geschlagen“, sagt Stoeckle. Wegen der erstrangigen Bedienung der Kredite erhielten Investoren in den vergangenen 25 Jahren mehr als 80 Prozent ihrer Anlagen im Insolvenzfall zurück. Bei Ramschanleihen waren es weniger als 50 Prozent. Im langfristigen Durchschnitt liegt die Ausfallrate der Kredite bei 3,4 Prozent.

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