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Vermögensverwaltung : Deutsche Bank mit großen Ambitionen

Bild: Sick, Cornelia

Die Vermögensverwaltung verspricht stetigere Geschäft als das Investmentbanking. Auch die Deutsche Bank hat den Trend erkannt und will einer der größten Vermögensverwalter werden.

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          Die Deutsche Bank hegt die Absicht, zu den führenden Vermögensverwaltern der Welt zu gehören. Die Ambition ist nachvollziehbar, weil die Vermögensverwaltung stetigere Geschäfte als das Investmentbanking verspricht und daher gut in das Konzept der Frankfurter passt, zu den wichtigsten internationalen Universalbanken zu zählen. Aber der Weg ist nicht weit. Eine Abteilung des amerikanischen Finanzministeriums hat im vergangenen Herbst eine Aufstellung der größten Vermögensverwalter der Welt auf der Basis der zum Jahresende 2012 verwalteten Vermögen veröffentlicht. Auf Platz eins lag die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock mit 3792 Milliarden Dollar vor der amerikanischen Fondsgesellschaft Vanguard mit 2215 Milliarden Dollar. Die Deutsche Bank befand sich in dieser Liste mit einem verwalteten Vermögen von 1244 Milliarden Dollar, umgerechnet 930 Milliarden Euro, auf Platz acht.

          Das ist sicherlich nicht schlecht, aber es ist auch nur ein Teil der Geschichte. Denn pure Größe ist natürlich nicht unwichtig, aber sie ist auch nicht alles. Zieht man die verwalteten Vermögen als Maßstab heran, war das Jahr 2013 für die Deutsche Bank kein großer Erfolg, denn diese Kenngröße wuchs nur von 930 auf 931 Milliarden Euro, wie auf der Bilanzpressekonferenz bekanntgegeben wurde. Wachsen muss allerdings auch die Ertragskraft.

          Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank war lange Zeit in verschiedene Einheiten zersplittert und, insgesamt gesehen, nicht sehr erfolgreich. Mittlerweile wurden die einzelnen Einheiten in einem gemeinsamen Geschäftsbereich, die Deutsche Asset & Wealth Management, zusammengeführt. Hierfür sind zahlreiche Umbauten notwendig, um Kosten zu sparen und Synergien zu nutzen. Bisher stammt die Ergebnisverbesserung überwiegend aus Kosteneinsparungen. Künftig werden die Gewinnverbesserungen aber überwiegend durch Ertragssteigerungen erzielt werden müssen. Hierfür bedarf es zweifellos weiterer Investitionen.

          Großer Kostendruck führt zu uniformen Anlagestrategien

          Hierfür wird die Bank definieren müssen, was ihr wichtig ist. Der Ko-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain versicherte auf der Bilanzpressekonferenz, die Höhe des verwalteten Vermögens dürfe als Maßstab nicht überschätzt werden. Das ist sicherlich richtig, da die Deutsche Bank darin sowohl Geschäft mit Großkunden wie Versicherern erfasst als auch Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Das Großgeschäft mit Versicherern ist aber bekanntermaßen besonders margenschwach. Andererseits werden aber auch Privatkunden immer kostenbewusster. Das Ziel der Deutschen Bank, mit dem Geschäftsbereich Asset & Wealth Management im Jahre 2015 einen Gewinn vor Steuern von 1,7 Milliarden Euro zu erzielen, erfordert jedenfalls noch einige Anstrengungen.

          In der Vermögensverwaltung fährt die Bank eine Strategie wie für den Gesamtkonzern: entweder ganz groß oder wenig bedeutend. Viele Branchenexperten sind der Auffassung, dass in der Vermögensverwaltung die volumenstarken Marktteilnehmer ebenso eine sehr gute Überlebenschance haben wie spezialisierte Nischenanbieter. Es sind vor allem mittelgroße Teilnehmer mit breitem Produktportfolio, aber wenig spezieller Expertise, die auf mittlere Sicht in Schwierigkeiten geraten dürften. Denn der Druck auf die Margen wird gerade bei Standardprodukten kaum nachlassen. So bekommen immer mehr Kunden mit, dass es wenig Sinn macht, einen teuren, aktiv gemanagten Fonds zu kaufen, der in der Praxis kaum etwas anderes tut, als einen Index nachzubilden. In solchen Fällen ist ein billiger Indexfonds empfehlenswerter.

          Es existiert durchaus ein Bedarf an sehr großen Vermögensverwaltern, die global agieren und Kunden auch komplexe Anlagestrategien anbieten können. Es besteht aber die Gefahr, dass der erhebliche Kostendruck in der Branche dazu führt, dass sich uniforme Anlagestrategien durchsetzen und zu deren Umsetzung vorwiegend hauseigene Produkte eingesetzt werden, auch wenn sie nicht die erfolgreichsten sein sollten. Globale IT-Plattformen werden schnell zu globalen Gleichmachern in der Kundenberatung. Dies zu vermeiden, wird eine vordringliche Aufgabe sein - für die Deutsche Bank wie für ihre Konkurrenten.

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