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Vermögensverwaltung : Der kluge Kopf ist auch viel wert

Investition in Bildung zahlt sich auch finanziell aus. Bild: dpa

Wer in sein kluges Köpfchen investiert, bekommt oft mehr Rendite als mit Aktien oder Anleihen. Denn wenn er viel verdient, kann er mehr zur Seite legen. Auch Risiken für das eigene Vermögen kann er besser erkennen.

          Die Rendite des eigenen Kopfes kann viel höher sein als die Renditen, die aus typischen Kapitalanlagen wie Bankguthaben und Lebensversicherungen oder Aktien, Anleihen und Immobilien entspringen. Denn die wichtigste Einkommensquelle eines Menschen ist - von großen Erbschaften oder Lottogewinnen abgesehen - das Arbeitseinkommen, und dies wiederum hängt stark von der beruflichen Qualifikation eines Menschen ab. Im Laufe eines vier bis fünf Jahrzehnte dauernden Arbeitslebens kann sich zwischen einem hochqualifizierten Berufsteilnehmer und einem ungelernten Arbeiter ein Einkommensunterschied von mehreren Millionen Euro ergeben.

          Dabei ist die Rechnung aus der Sicht der Kapitalanlage ganz einfach: Wer mehr verdient, kann auch mehr sparen. Wer mehr spart, kann eher sein Vermögen auf verschiedene Anlageformen verteilen und so eine günstige Kombination aus Chancen und Risiken anstreben, die mit einer einzigen Form der Kapitalanlage nicht zu erreichen ist. Für die berufliche Qualifikation eines Menschen ist das Wort „Humankapital“ geprägt worden - ein schrecklich klingendes Wort, das aber doch auch verdeutlicht, dass in einer Vermögensverwaltung auch das Potential zur Erzielung ansprechender Arbeitseinkommen berücksichtigt werden muss.

          Dies gilt schon für junge Menschen, die kurz nach einem sehr guten Universitätsabschluss mit guten Einkommen ihr Berufsleben beginnen. Für sie empfiehlt es sich schon früh, eine nennenswerte Quote ihrer Ersparnisse in Aktien oder Aktienfonds anzulegen. Nach einer vor allem in den Vereinigten Staaten verbreiteten Faustformel soll sich der Aktienanteil in einem solchen Vermögen zusammen mit dem Lebensalter zu 100 ergänzen: Für einen 40 Jahre alten Menschen führt dies zu einer Aktienquote von 60 Prozent, bei einem 50 Jahre alten Menschen ist sie 50 Prozent und bei einem 70 Jahre alten Menschen nur noch 30 Prozent. In der Vergangenheit haben sich Aktien auf lange Sicht als eine sehr gute Form der Kapitalanlage erwiesen, während sie auf kurze Frist unter erheblichen Kursschwankungen leiden können.

          Ein kluger Kopf erkennt Risiken der Geldanlage besser

          Für einen jungen Menschen, der wegen seiner hohen beruflichen Qualifikation Aussicht auf dauerhaft hohe Arbeitseinkommen besitzt, sind die kurzfristigen Schwankungen der Aktienkurse kein Problem. Er kann sie in Ruhe aussitzen. Für einen älteren Menschen im Ruhestand, der nicht mehr mit steigenden Arbeitseinkommen rechnen kann, aber zumindest einen Teil des Vermögens für den Konsum verbrauchen will, sieht die Rechnung ganz anders aus. Ihn treffen kurzfristige Kursschwankungen viel ärger, eigentlich besitzt er mehr Interesse an regelmäßigen Auszahlungen aus seinen Kapitalanlagen.

          Der Wert des eigenen Kopfes besteht aber nicht nur darin, hohe Arbeitseinkommen zu ermöglichen. Der kluge Kopf ist idealerweise auch in der Lage, die Risiken für das eigene Vermögen zu erkennen. Dies gilt in erster Linie für das nicht zuletzt auch von den Angehörigen zu tragende Risiko, das hohe Arbeitseinkommen wegen eines frühzeitigen Todes oder wegen einer Berufsunfähigkeit nicht zu erzielen. Wer eine Familie zu versorgen hat, wird auf eine Lebensversicherung nicht verzichten wollen. Ob eine traditionelle Kapitallebensversicherung einer Risikolebensversicherung vorzuziehen ist, sollte gerade angesichts der heute niedrigen Zinsen nicht ohne fachlichen Rat erörtert werden. Ähnliches gilt für eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit, für die es bei absehbar hohen Arbeitseinkommen aber gute Gründe gibt.

          Neben der Finanzierung einer guten Ausbildung für den Nachwuchs will auch die finanzielle Seite des Alters gut vorbereitet sein - das gilt für das eigene Alter wie für Verwandte, die eventuell im letzten Lebensabschnitt finanziell unterstützt werden müssen. Chronisch unterschätzt werden von vielen jüngeren Arbeitnehmern die finanzielle Bedeutung von Altersleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sowie von Betriebsrenten. Der Frankfurter Ökonom Raimond Maurer hat kürzlich in einem in dieser Zeitung veröffentlichten Beitrag gezeigt, wie sehr die Altersvorsorge davon profitiert, wenn der Eintritt in das Rentenalter nur um wenige Jahre nach hinten verschoben wird.

          Aber auch die finanziellen Verpflichtungen können durch das Alter weitaus größer werden als gedacht. Dies gilt nicht zuletzt für hohe Kosten für medizinische Betreuung und Pflegeleistungen, die im Angesicht einer alternden Bevölkerung künftig eine weitaus größere Rolle spielen werden als in der Vergangenheit.

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