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Vermögensverwaltung : Auch Stiftungen haben es nicht leicht

Der Campus der Harvard Universtiy: Sie hat das größte Stiftungsvermögen aller amerikanischen Universitäten Bild: dapd

Auch an den großen amerikanischen Universitätsstiftungen ist die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorbei gegangen. Nun haben Unis wie Yale und Harvard ihre Zahlen des vergangenen Geschäftjahres veröffentlicht.

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          Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen zu fallen beginnen, veröffentlichen die großen Universitätsstiftungen in den Vereinigten Staaten ihre Anlageergebnisse für ihr abgeschlossenes Geschäftsjahr, das immer zur Jahresmitte endet. Die bisherigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2011/12 belegen, dass auch die in der Vergangenheit häufig gerühmten Vermögensverwalter an den amerikanischen Eliteuniversitäten in einem sehr volatilen Marktumfeld unter Anpassungsschwierigkeiten leiden.

          Die Ratingagentur Moody’s berichtet, dass die Ansprüche der Verwalter geringer werden: „Viele haben ihre erwarteten jährlichen Renditen auf 7 bis 8 Prozent reduziert im Vergleich mit 9 bis 10 Prozent vor dem Krisenjahr 2009.“ Andererseits lassen sich nach Erkenntnissen der Ratingagentur Fitch nicht alle Stiftungsvermögen großer amerikanischer Universitäten über einen Kamm scheren. Viele kleinere Stiftungsvermögen sind nicht breit diversifiziert, sondern zu rund 70 Prozent in Zinspapieren und zu rund 30 Prozent in Aktien angelegt. Große Universitäten streuen dagegen oft sehr breit.

          Herbe Verluste durch Auslandsaktien

          Das gilt zum Beispiel für die Harvard University, die mit 30,7 Milliarden Dollar das größte Stiftungsvermögen aller amerikanischen Universitäten ausweist. Für das vergangene Geschäftsjahr errechnet sich eine geringfügige negative Rendite von 0,05 Prozent. Das ist etwa ein Prozentpunkt besser als die Orientierungsmarke („Benchmark“), aber ein Verlust bleibt nun einmal ein Verlust. Eine genauere Aufschlüsselung belegt, dass die rentabelsten Anlagen neben Immobilien und amerikanischen Aktien ausgerechnet die von vielen Verwaltern wenig geliebten Anleihen waren, die knapp 8 Prozent brachten. Private Equity und Hedgefonds hielten sich lediglich geringfügig im Plus, während die Auslandsaktien, in denen Harvard im Vergleich zu anderen großen Universitätsstiftungen stark investiert ist, für herbe Verluste sorgten.

          Nun besitzen diese Stiftungen, die jährlich rund 4 Prozent ihres Vermögens für universitäre Zwecke ausschütten, einen sehr langen Anlagehorizont, und die von den Verwaltern gerne präsentierten Resultate für die vergangenen 20 Jahre bleiben denn auch beeindruckend. In Harvard errechnet man für diesen Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 12,29 Prozent, die nicht nur die universitätseigene Benchmark von 9,23 Prozent übertrifft, sondern auch das klassische amerikanische Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. Es brachte in den vergangenen 20 Jahren eine jährliche Rendite von 7,94 Prozent. Zu diesen sehr hohen Renditen hatte nicht zuletzt Private Equity beigetragen; mit Beteiligungskapital ließen sich in den neunziger Jahren Renditen von bis zu 30 Prozent und mehr vereinnahmen.

          Die Vermögensanteile der Yale Universität

          Diese Zeiten sind aber vorüber, und in den vergangenen zehn Jahren brachte Private Equity noch eine jährliche Rendite von rund 8 Prozent. Dagegen waren in den vergangenen zehn Jahren Anleihen die erfolgreichste Anlageklasse mit einer jährlichen Rendite von knapp 11 Prozent.

          Harvard wie andere große Universitätsstiftungen haben nach zwei sehr guten Vorjahren und einem wenig befriedigenden Jahr 2011/2012 ihren Vermögensstand von vor der Krise noch nicht wieder ganz erreicht. Dies zeigt, wie sehr ein ausgesprochen miserables Jahr eine Bilanz längerfristig belasten kann. Die als „Stiftungsmodell“ bekannte Strategie, das Vermögen sehr breit zu streuen und auch wenig liquide Anlagen wegen ihrer Renditechancen zu nutzen, hat die Krise indessen überstanden.

          Der Erfinder des „Stiftungsmodells“, David Swensen, hat das vergangene Geschäftsjahr mit seinem Fonds für die Yale University erfolgreicher abgeschnitten als Harvard. Yale weist für 2011/2012 eine Rendite von 4,7 Prozent aus. Das Stiftungsvermögen beläuft sich auf 19,3 Milliarden Dollar. Jährlich werden an die Universität gut eine Milliarde Dollar ausgeschüttet, die dort gut ein Drittel der Ausgaben bedeuten. Über die vergangenen 20 Jahre war Yale mit einer Rendite von durchschnittlich 13,7 Prozent noch erfolgreicher als Harvard. Die Durchschnittsrendite der Vermögen amerikanischer Colleges und Universitäten beläuft sich für diesen Zeitraum auf 8,7 Prozent.

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