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Vermögensverwaltung : Deutsche Parkhäuser und afrikanische Kühlschränke

Mikrokredite helfen - und machen auch Renditen möglich Bild: AFP

Das Fehlen von lukrativen Anleihen lässt die Vermögensverwalter neue Wege beschreiten. Von der Heydt etwa setzt auf deutsche Immobilien, asiatische Anleihen und Mikrokredite.

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          Tilo Berlin ist eine umstrittene Persönlichkeit. Der ehemalige Vorstand der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria steht im Mittelpunkt der Affäre und in Klagenfurt abermals vor dem Landgericht. Das blieb nicht ohne Folgen für sein Family Office „Berlin & Co“. 2014 verkaufte er dieses an die Münchener Privatbank von der Heydt.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese hat die Aktivitäten als Family Office aufgegeben und ist unter dem Namen von der Heydt nur noch als Vermögensverwaltung aktiv. Vorstand ist jetzt Michael Gollits, der über Stationen unter anderem bei der britischen Fondsgesellschaft F&C und der Bethmann Bank in diese Position kam. „Zwischen der Aktivität als Family Office und als Vermögensverwalter wird immer wieder ein Interessenkonflikt vermutet“, begründet Gollits die neue Positionierung. Wir haben hier Klarheit geschaffen.“

          Vermögenserhalt plus X

          Klar sind auch die Ziele in der Vermögensverwaltung: Es geht um den Werterhalt des Vermögens nach Inflation und Kosten. Langfristig angestrebt wird eine Wertentwicklung von 1,5 Prozentpunkten oberhalb der deutschen Inflation oder von 3 Prozentpunkten für den, der etwas mehr anstrebt. „Unsere Kunden sind meist Unternehmer, die schon genug Risiken tragen müssen. Sie legen keinen Wert auf noch mehr Unruhe.“

          Deswegen sind Anleihen für Gollits auch immer noch ein Thema, selbst wenn die zehnjährige Bundesanleihe mittlerweile mit minus 0,1 Prozent rentiert. Einfaches Kaufen und Halten ist daher auch eine Sache der Vergangenheit. „Das Investieren in Anleihen hat sich wesentlich verändert“, sagt Gollits und zählt einige neue Schwierigkeiten auf: laufende Renditen, die nicht attraktiv sind, ein erschwerter Zugang aufgrund hoher Mindestanlagen und sehr häufige Kündigungsklauseln.

          Parkhaus-Anleihen bringen Rendite

          Letztere bringen Unsicherheit in die Planung der Mittelflüsse, was für einen Vermögensverwalter keine gute Nachricht ist. „Der Markt ist ein Verkäufermarkt und das Investieren sehr viel unternehmerischer geworden“, sagt Gollits. Aus diesem Grund greift von der Heydt nicht nur sehr viel mehr zu höher verzinslichen Anleihen, sondern legt auch regional breiter an als früher.

          Vor allem asiatische Anleihen haben es Gollits angetan. „Sie bekommen besser Qualität zu höheren Zinsen, da lohnt sich unter dem Strich auch die Währungsabsicherung.“ Und es handele sich keineswegs nur um asiatische Unternehmen. Einer der größten Emittenten von Anleihen in Renminbi sei Bosch-Siemens Haushaltsgeräte.

          Unter höher verzinslichen Anleihen setzt von der Heydt vor allem auf Emissionen aus dem Immobilienbereich. Nachrangige Anleihen böten gute Renditen. Interessant seien dabei vor allem Parkhäuser, die dort Renditen von neun bis zehn Prozent zuließen.

          Gewächshaus- und Kühlschrankfinanzierung

          Eine andere etwas weniger alltägliche Anlage sind währungsgesicherte Mikrokredite. „Wir finanzieren damit dichte Fenster in georgischen Gewächshäusern oder neue Kühlschränke in afrikanischen Imbissständen. Das bringt uns ein bisschen mehr Rendite, und wir tun dabei noch ein gutes Werk“, sagt Gollits. Von der Heydt bedient sich dabei strukturierter Anleihen des Schweizer Mikrofinanzierers Symbiotics.

          Wie die Parkhaus-Anleihen sind aber auch diese für Privatanleger eher weniger geeignet, da sie nur eingeschränkt handelbar sind. Wenngleich beide Strategiefonds derzeit mit fast 10 Prozent in Mikrofinanzkrediten investiert sind, so sind sie grundsätzlich Beimischungen, die die Rendite des Anleiheportfolios aufbessern sollen. Der Hauptbestandteil des Portfolios ist recht konventionell: Substanzaktien und klassische Anleihen, vor allem von Unternehmen.

          Das Umfeld für Kapitalanlagen sieht Gollits im zweiten Halbjahr als genauso durchwachsen wie im ersten an. „Die Entwicklung in Großbritannien wird uns noch lange beschäftigen, und stabile Regierungsmehrheiten gestalten sich in vielen EU-Ländern immer schwieriger.“ Für Störfeuer könnte auch der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten sorgen. Auch die Spannungen in Ostasien machen dem Vermögensverwalter Kummer. „Die Zeiten, in denen politische Börsen „kurze Beine“ hatten, sind vorbei“, sagt er.

          Eher positiv für die Kapitalmärkte seien dagegen die Konjunktur und die Notenbankpolitik einzuschätzen. Unter diesen Umständen sieht Gollits auch weniger Chancen bei Aktien und Anleihen, auch wenn er zu knapp zwei Dritteln weiter darin anlegen will.

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