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Vermögensverwalter Sand Schott : Am Aktienmarkt wird es schwieriger

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Max Schott, Vermögensverwalter Sand Schott Bild: Sand Schott

Sand Schott ist ein unabhängiger Vermögensverwalter aus Stuttgart. Max Schott ist einer der beiden Geschäftsführer.

          3 Min.

          Welche Anlageklasse ist 2014 am empfehlenswertesten?

          Unsere größte Sorge ist, dass keiner mehr Sorgen hat. Das gilt zum einen für den starken Anstieg der meisten Aktienindizes. Zum anderen auch für Anleihen, wo die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus Südeuropa wieder deutlich gesunken sind und sogar für Gold. Man sollte nicht alle Eier in den „Aktienkorb“ legen, auch wenn das verlockend erscheint. Eine Beimischung von hochwertigen Industrie- und Wandelanleihen und sogar Gold - als Krisenversicherung - macht weiter Sinn. Neben der breiten Aufteilung des Depots ist eine strenge Risikoabsicherung noch wichtiger als in den Jahren zuvor. Überraschende Ereignisse haben die Eigenschaft, dass man sie nicht vorhersehen kann. Nach 2,5 Jahren Aktienrallye ist rein statistisch die Chance sehr hoch, dass ein zumindest vorübergehender Kurseinbruch kommt.

          Wie werden sich Aktien 2014 entwickeln?

          Aktien dürften auch im Jahr 2014 – zumindest im Vergleich mit festverzinslichen Wertpapieren – attraktive Renditen abwerfen. Das globale Bild ist positiv.  Die tief hängenden Trauben sind aber geerntet, die großen Standardindizes wie der Dax, der S&P-500 oder der Nikkei haben schon einen starken Anstieg hinter sich.
          2014 lohnt es sich daher, wieder risikoreichere Sektoren oder Regionen näher anzusehen, etwa Bank-, Minen- und Immobilienaktien.

          Wie sehen Sie Dividendenaktien?

          Anleger, die bisher aus Rentenpapieren einen regelmäßigen Kapitalstrom erwirtschaftet haben, haben aufgrund der niedrigen Zinsen wenige Alternativen zu  dividendenstarken Aktien als Einkommensquelle. Diese sind aber mittlerweile aufgrund dieser Nachfrage teuer geworden, man muss sich die Bewertung der Unternehmen genau anschauen um nicht zu teuer zu kaufen Ein strenges Risikomanagement ist genauso wichtig wie die Auswahl der richtigen Titel.

          Wie werden sich Anleihen guter Bonität entwickeln?

          Weiter schwach. Die Kurse dürften eher sinken. In Europa könnten die Renditen stabil bleiben oder moderat steigen, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe dürfte aber kaum 2,5 Prozent überschreiten.

          Muss zur Erzielung zufriedenstellender Erträge das Risiko erhöht werden?

          Diese Aussage gilt grundsätzlich immer, mit einem entscheidenden Unterschied. Jahrzehntelang galten Tagesgeld und Bundesanleihen als zufriedenstellend, weil sie zumindest den Geldwert erhalten haben. Das ist seit einigen Jahren anders. Investoren müssen risikoreichere Anlagen beimischen, um zumindest den Verlust der Kaufkraft durch Inflation auszugleichen.

          Welche Anlagen eignen sich zur defensiven Positionierung bzw. Risikosteuerung eines gemischten Portfolios?

          Wir empfehlen den Einsatz von Produkten mit aktivem Risikomanagement wie Absolute-Return-Bausteine, Mischfonds oder vermögensverwaltende Produkte im Aktien- und Rentenbereich, außerdem eine Mischung verschiedener Strategien mit unterschiedlichen Methoden wie fundamentale gegenüber trendfolgenden Ansätzen oder systematische gegenüber diskretionären Ansätzen.

          Sind Anlagen in Schwellenländern noch empfehlenswert?

          Schwellenländer waren die große Enttäuschung 2013. China erlebte schon fast einen Ausverkauf, die Türkei und Brasilien wurden aufgrund ihres Kapitalbedarfs im Ausland abgestraft. Hier ist es für einen Einstieg derzeit noch etwas zu früh, aber hier könnten auch die nächsten Überraschungen liegen. Das macht sie nicht automatisch zu Favoriten für 2014, aber man sollte sie eng beobachten. China könnte dagegen aufgrund der positiv aufgenommenen Reformbemühungen der neuen Regierung zu den Gewinnern gehören. Bemerkenswerte Wirtschaftsreformen gibt es auch in Mexiko, dessen Staatsanleihen zu empfehlen sind.

          Welche Regionen der Industrieländer sind als Anlageregion am attraktivsten?

          Es ist schwer einen absoluten Favoriten auszumachen. Für die Vereinigten Staaten spricht die positive Resonanz auf das geplante schrittweise Rückführen der expansiven Geldpolitik und eine sich weiter erholende Wirtschaft.  Doch die Bewertungen sind hoch. Europa hat sich dank der Lage auf den Peripheriemärkten deutlich verbessert Japan profitiert von der äußerst lockeren Geldpolitik, allerdings müssen Reformen folgen.

          Was ist ihr Worst-Case-Szenario für 2014?

          Das Experiment der Notenbanken geht schief, es kommt zum Vertrauensverlust in die Geldpolitik. Die Zinsen auf Staatsanleihen steigen völlig unabhängig vom Leitzins, es kommt zu Staatspleiten. Möglich ist auch, dass Privatanleger entweder rapide verkaufen oder enteignet werden. Oder die Anleihenblase platzt mit der Folge entweder einer Deflation oder einer ungebremsten Inflation und einem generell unruhigen Klima. Die Wahrscheinlichkeit dieser Szenarien ist aber derzeit mit weniger als 5 Prozent anzugeben.

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