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Geldanlage : Viele Vermögensverwalter stehen vor der Existenzfrage

  • -Aktualisiert am

Prunkvoll: Schalterhalle des Hauptsitzes der UBS in Zürich Bild: Keystone Schweiz/laif

Niedrige Zinsen und ein steigender Aufwand für Regulierung setzen bankenunabhängigen Geldverwaltern zu. Wie viele wollen sich das noch länger antun?

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          Eine Rendite von weniger als 1,3 Prozent wirft eine zehnjährige Bundesanleihe derzeit noch ab. Dieses Umfeld extrem niedriger Zinsen zehrt nicht nur an den Nerven der Anleger, die sich in den vergangenen 30 Jahren daran gewöhnt hatten, ihr Vermögen vornehmlich in Anleihen anzulegen. Dieses Marktumfeld überfordert auch viele Vermögensverwalter.

          „In Deutschland sind viele Anleger auf Zinsprodukte fixiert, Anleihen, Sparguthaben, Lebensversicherungen“, sagt Johannes Müller, Leiter Anlagestrategie der Deutschen Asset and Wealth Management (DeAWM) in Deutschland. Er empfiehlt den Kunden, auf das niedrige Zinsumfeld zu reagieren und Aktienanlagen stärker in Betracht zu ziehen. „Mit Sparguthaben lässt sich Kaufkraft nicht mehr erhalten“, meint der Experte der Deutschen Bank. „Diesen Kaufkraftverlust spürt man vielleicht nicht sofort, aber auf längere Zeit betrachtet schon.“

          Dieser Weg steht jedoch nicht allen Vermögensverwaltern offen. „Privatbanken und Vermögensverwalter, die stark zinslastig ausgerichtet waren, haben es jetzt schwer“, sagt ein Branchenvertreter. Viele Vermögensverwalter hätten in den vergangenen Jahren die Strategie verfolgt, 60 oder 70 Prozent eines Vermögens in Anleihen anzulegen. „Das war ja lange Zeit auch vernünftig“, sagt der Vermögensverwalter weiter.

          Ein Generationswechsel steht bevor

          In der Vergangenheit konnten Vermögensverwalter höhere Renditen herausholen, indem sie bei ihren Anleihemandaten die Zinsunterschiede zwischen längeren und kürzeren Laufzeiten ausgenutzt haben. Doch auch diese Unterscheide haben sich eingeebnet. Heute bleibt den Vermögensverwaltern im Anleihebereich hauptsächlich das Management unterschiedlicher Bonitäten: Anleger, die eine höhere Rendite erwarten, müssen größere Adressrisiken eingehen. Wie es Deutsche-Bank-Experte Müller ausdrückte: Anleger, die keine Risiken eingehen, werden ihr Vermögen nicht erhalten können.

          Bild: F.A.Z.

          Nicht nur die niedrigen Zinsen machen den Vermögensverwaltern zu schaffen. Hinzu kommen höhere Anforderungen der Finanzaufsichtsbehörden. „Der Aufwand für Regulierung ist in den vergangenen Jahren enorm geworden“, heißt es bei der V-Bank, einem Finanzdienstleister in München, der bankenunabhängige Vermögensverwalter in der Betreuung ihrer Kundendepots unterstützt. Heute forderten die Aufsichtsbehörden einen internen Revisor, einen Verantwortlichen für die Einhaltung der Verhaltensregeln und einen Beauftragten zur Bekämpfung von Geldwäsche. Am besten sollten dies drei verschiedene Personen sein. Heute mache sich kaum noch ein Vermögensverwalter alleine selbständig, sondern meist nur mit anderen Partnern. „Die Zahl der Vermögensverwaltungen sinkt tendenziell“, heißt es bei der V-Bank weiter. Dafür ginge jedoch das Vermögen hoch, das eine einzelne Verwaltung betreut.

          Auch kommt auf die Branche ein Generationswechsel zu. In 90er Jahren haben sich viele Anlageberater selbständig gemacht. Viele von ihnen nähern sich nun einem Alter, in dem die Frage ansteht, ob sie die Gesellschaft übergeben oder aufgeben wollen. Dies dürfte auch die Konzentration auf dem Markt für Vermögensverwaltung erhöhen.

          Steigende Komplexität überfordert die Kleinen

          Auch die Berater der Boston Consulting Group sehen nicht die Vermögensverwaltung insgesamt in der Krise. „Asset- Management bleibt eine der profitabelsten Branchen“, wird Boston-Partner Ludger Kübel-Sorger in einer Mitteilung vom Mittwoch zitiert. „Die operativen Margen liegen fast schon wieder auf Vorkrisenniveau.“ Die Margen hätten im vergangenen Jahr auf knapp 39 Prozent der Nettoerlöse zugelegt und lägen damit fast schon auf dem Wert von 41 Prozent, den die Branche vor Ausbruch der Finanzkrise erreicht hatte.

          Mit dem Begriff Asset Management sind in der Finanzbranche jedoch nicht in erster Linie klassische Vermögensverwalter gemeint, sondern vornehmlich Fondsgesellschaften, die standardisierte Anlageprodukte – Fonds – anbieten. Doch hier verwischen die Grenzen, weil viele traditionelle Vermögensverwalter heute auch eigene Investmentfonds auflegen.

          Die Boston-Berater streichen allerdings auch heraus, dass den Vermögensverwaltern wenig neues Geld zufließt. „Die Studie belegt, dass das Vermögenswachstum zum großen Teil auf die boomenden Aktienmärkte und nicht auf den Zufluss neuer Mittel zurückzuführen ist.“ Vermögensverwalter müssten sich auf mehr Komplexität, steigende Kosten und weitere Regulierungswellen einstellen. Hinzu kämen die digitale Revolution sowie der Trend der Investoren hin zu nicht-traditionellen Geldanlagen. Mit diesem Wandel werden viele, vor allem kleinere Vermögensverwaltungen, nicht zurecht kommen. Denn nicht alle von ihnen werden in der Lage sein, komplexere Strategien zu entwickeln oder Produkte für junge Finanzmärkte in Asien, dem Nahen Osten oder Afrika anzubieten.

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