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Vermögensverwalter : Blackrock wird weltgrößte Investmentgesellschaft

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Fondsanbieter Blackrock übernimmt von der britischen Großbank Barclays das Fondsgeschäft. I-Shares soll den Einstieg in das Geschäft börsengehandelter Indexfonds (ETF) ermöglichen.

          Blackrock kauft von der britischen Großbank Barclays das Fondsgeschäft. Damit rückt die bankenunabhängige Fondsgesellschaft aus New York vom dritten Rang zum größten Vermögensverwalter der Welt auf, vor State Street und Fidelity. Das Unternehmen soll künftig Blackrock Global Investors heißen. Blackrock verdoppelt so das verwaltete Fondsvermögen auf 2000 Milliarden Euro.

          Die Übernahme von Barclays Global Investors (BGI), die im vierten Quartal vollzogen werden soll, lässt sich Blackrock 13,5 Milliarden Euro kosten. Damit wäre dies auch der teuerste Verkauf einer Fondsgesellschaft, der jemals stattgefunden hat. Eine Hälfte der Kaufsumme überweist Blackrock in bar, die andere Hälfte bezahlt die Fondsgesellschaft mit eigenen Aktien. Dadurch wird Barclays künftig einen Anteil von 19,9 Prozent halten.

          Der Trend geht zu eigenständigen Unternehmen

          Auch an der Börse wird das Unternehmen deutlich an Gewicht gewinnen. Die Marktkapitalisierung von Blackrock werde von aktuell 24 Milliarden Dollar auf mehr als 34 Milliarden Dollar steigen, sagte Blackrock-Chef Laurence Fink, der das Unternehmen 1988 in einem Ein-Zimmer-Büro gegründet hatte. Der Aktienkurs von Blackrock stieg zunächst nach Bekanntgabe der Transaktion. Am Freitag tendierte der Titel in New York knapp 3 Prozent im Minus bei rund 176 Dollar. Auf Sicht von einem Monat verteuerte sich die Aktie dennoch um 28 Prozent.

          Der Trend in der Vermögensverwaltung gehe angesichts steigender Regulierung in der Finanzindustrie zu eigenständigen Unternehmen, begründete Barclays-Chef Robert Diamond den Verkauf der Vermögensverwaltung. Bisher galt es als strategischer Vorteil für Banken, eine eigene Fondsgesellschaft zu besitzen. Doch schon die Commerzbank musste zu Jahresbeginn nicht nur Staatsgeld annehmen, sondern auch ihre Fondsgesellschaft Cominvest an den Allianz-Versicherungskonzern abtreten, um den Kauf der Dresdner Bank zu finanzieren.

          Ob andere Banken folgen ist offen

          So steht auch Barclays unter Druck, Eigenkapital zu beschaffen. Gleichzeitig will Diamond kein Staatskapital von der britischen Regierung in Anspruch nehmen. Zunächst hatte Barclays Kapital von Großinvestoren aus dem Nahen Osten in Anspruch genommen. Doch ein Investor aus Qatar zog sich wieder zurück und verkaufte seine Anteile. Damit scheinen diese Anleger sich nicht so langfristig bei Barclays zu engagieren, wie erhofft. Der BGI-Verkauf solle Barclays einen Nettogewinn von 8,8 Milliarden Dollar bringen.

          Ob nun andere Banken dem Beispiel Barclays folgen und ihre Fondsgesellschaften zum Verkauf stellen, ist offen. Doch stehen auch Banken wie die Deutsche Bank unter dem Druck, neue Eigenkapitalquellen aufzutun oder sich von Aktivitäten zu trennen. Dabei wies die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, laut deren Chef Klaus Kaldemorgen für 2008 einen Gewinn von gut 150 Millionen Euro aus.

          Unter Druck

          Bei Barclays war der Druck, Vermögensteile zu verkaufen, relativ hoch. Trotz der Investoren aus dem Nahen Osten hat die Bank eine im Vergleich zu anderen Banken relativ niedrige Eigenkapitalquote und muss angesichts der Krise und weiteren Abschreibungsbedarfs auf notleidende Kredite Kapital auftreiben.

          Eine Unsicherheit besteht noch in Bezug auf die Zukunft von I-Shares, einem führenden Anbieter von börsengehandelten Indexfonds (ETF). Diese Marke gehörte zu BGI, wurde jedoch im April separat an die Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners verkauft. Allerdings stand die Transaktion unter einem Vorbehalt, falls die Bank bis Mitte Juni ein attraktiveres Angebot erhält. Nun muss CVC bis kommenden Donnerstag mindestens genauso viel bieten wie Blackrock.

          Allerdings ist nicht zu erwarten, dass CVC versuchen wird, Blackrock zu überbieten. CVC hatte sich I-Shares zum Preis von 4,4 Milliarden Dollar gesichert, und der Finanzinvestor sei auch nur an diesem einen Teil der Barclays-Vermögensverwaltung interessiert, heißt es. CVC wollte für den Kauf von I-Shares nur rund 1,3 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln beisteuern und den Rest über ein Darlehen von Barclays finanzieren. Bei einem Verzicht auf I-Shares erhält CVC eine Entschädigung von 175 Millionen Dollar. Blackrock sei erst als Interessent erschienen, nachdem der Vertrag zwischen Barclays und CVC unterschrieben war, hieß es weiter.

          Barclays Global Investors und Blackrock dürften sich ergänzen

          I-Shares baute in den vergangenen Jahren durch das ETF-Geschäft große Expertise im passiven Fondsmanagement auf. Dieser Bereich gilt als Hoffnungsträger für die Investmentbranche. Anders als aktiv gemanagte Fonds versucht der Fondsmanager hier nicht, den Vergleichsindex - beispielsweise den Dax bei einem deutschen Aktienfonds - zu übertreffen, sind im Gegenzug jedoch spürbar kostengünstiger. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach dieser günstigen Form der standardisierten Vermögensverwaltung rapide steigen wird.

          Im Geschäft mit ETFs ist Blackrock bisher nicht stark vertreten. Insgesamt dürften sich Barclays Global Investors und Blackrock eher ergänzen: Blackrock ist vor allem in den Vereinigten Staaten stark vertreten, BGI dagegen hat Schwerpunkte in Europa, aber auch in Asien. Durch die BGI-Übernahme werde Asien künftig einen Anteil von 18 Prozent am Fondsvermögen von Blackrock haben.

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