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Vermögensverwalter Blackrock : Der schwarze Riese

Im engsten Kontakt mit dem Weißen Haus

So war Blackrock sehr gut gerüstet, als plötzlich ausgerechnet das Anlageprodukt in den Mittelpunkt rückte, mit dem Larry Fink einst seinen Ruf begründet hatte - „mortgage-backed securities“. Die Blase auf dem Markt für amerikanische Hypothekenanleihen 2007, die daraus folgende Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 - mit einem Mal waren die Blackrock-Leute so gefragt wie nie. Sie hatten das beste Risikosystem, sie kannten sich aus mit Hypothekenpapieren - und das Wichtigste: Sie selbst hatten kaum in die Anleihen investiert.

Während auf der ganzen Welt die Banken wankten, scheffelte Blackrock mit neuen Aufträgen Geld ohne Ende: Erst prüften sie die toxischen Wertpapiere bei der Investmentbank Bear Stearns, dann beim Versicherer AIG, schließlich bei den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac - und standen dabei immer im engsten Kontakt mit dem Weißen Haus. Manche Experten nennen Blackrock seitdem eine Schattenregierung, kritisieren Finks immensen Einfluss. Die Antwort darauf ist stets die gleiche: „Wir werden reguliert wie alle anderen Vermögensverwalter auch. Der Vorwurf ist fehl am Platze.“

2009 jedenfalls schaffte Firmenboss Fink neue Fakten: Er kaufte die Anlagesparte der angeschlagenen britischen Großbank Barclays, das nötige Kleingeld dafür hatte er bei den diversen Einsätzen für Amerikas Banken verdient. Der Deal katapultierte Blackrock in eine andere Liga. Denn beim Kauf erwarb man auch eine Marke, die schon damals so etwas wie die Zukunft des Investmentgeschäfts repräsentierte - die Indexfondssparte I-Shares. Solche Indexfonds (ETFs) bilden die Wertentwicklung eines Börsenbarometers wie beispielsweise des Dax nach, indem sie anteilig Aktien aller im Index vertretenen Firmen kaufen. Eine kostengünstige Alternative zu klassischen Investmentfonds.

Mit Anshu trifft er sich häufig

Während der Rest der Finanzwelt mit sich selbst beschäftigt war, stieg Fink also quasi unbemerkt zum wichtigsten Spieler in diesem Wachstumsmarkt auf: Schon damals war I-Shares groß, heute ist die ETF-Sparte ein Gigant. I-Shares verwaltet mittlerweile rund 760 Milliarden Dollar, soviel wie kein anderer ETF-Anbieter der Welt. Wirkliche Konkurrenten gibt es nicht mehr, zuletzt hat sich Blackrock die Indexfondssparte der Credit Suisse einverleibt.

Seit dem Einstieg ins ETF-Geschäft können auch deutsche Anleger Blackrock kaum noch entkommen: Kaufen sie einen Indexfonds, ist der oft von Blackrock. Kaufen sie die Aktie eines Dax-Konzerns, gehört Blackrock immer zu den wichtigsten Anteilseignern. Denn über die Indexfonds besitzt Blackrock Aktien jedes Dax-Unternehmens.

Die Frage nach der Macht des schwarzen Riesen stellt sich da ganz neu: Denn trotz der hohen Anteile äußern sich die Blackrock-Leute nie auf Hauptversammlungen. „Das halten wir nicht für produktiv“, sagt Deutschland-Chef Dirk Klee. „Wir nehmen die Verantwortung für unsere Kunden wahr, indem wir direkt mit dem Management sprechen.“ Zuletzt allerdings waren nicht immer alle Kunden zufrieden, in der vergangenen Woche klagten gar amerikanische Pensionsfonds gegen die Anlagepolitik der Firma. Es bleibt der Eindruck: Die Blackrock-Leute tun alles, damit man ihnen nicht zu sehr in die Karten schaut.

Am Ende aber lässt sogar Larry Fink die Maske ein wenig fallen. Mit Anshu treffe er sich häufig, erzählt er noch, als er sich in Frankfurt aufmacht zum nächsten Termin - Anshu sei ein Freund. Gemeint ist natürlich Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank. So sieht das also aus, wenn der König der Wall Street höchstselbst die Verantwortung für seine Kunden wahrnimmt.

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