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Vermögensverwaltende Fonds : Altstars der Börse droht die zweite Reihe

  • -Aktualisiert am

Vermögensverwaltende Fonds dürfen in fast alles investieren: Auch in den brasilianischen Regenwald Bild: Getty Images

Namen wie Ehrhardt, Flossbach, Pesarini oder Kaldemorgen verzücken noch Privatanleger. Doch die Profis tun sich mit ihnen schwer. Kündigt sich eine Zeitenwende an?

          3 Min.

          Diesen Erfolg sollte die Welt erfahren. Im Fonds Ethna Aktiv E seien jetzt 6 Milliarden Euro angelegt, verkündete die Fondsgesellschaft Ethenea im Januar. Heute liegen im Vorzeigefonds von Fondsmanager Luca Pesarini 6,3 Milliarden Euro. Darüber sollte die Welt in der Tat staunen. Denn im vergangenen Jahr hat der Fonds nur mittelmäßig abgeschnitten. Um mehr als 20 Prozent sind die großen Aktienindizes der Welt gestiegen, der Dax um 25,5 Prozent, der Dow Jones um 27 Prozent und der Euro Stoxx 50 immerhin um 18 Prozent. Der Ethna Aktiv E dagegen steigerte sein Vermögen nur um 5,4 Prozent.

          Bei Privatanlegern zählt die Marke eines Fonds oft mehr als die Leistung. Hat sich einmal die Überzeugung festgesetzt, dass ein Fondsmanager Blech zu Gold verwandeln kann, zählt seine Leistung lange kaum. Vermögensverwaltende Fonds gelten als die Königsdisziplin in der Geldanlage. Vermögensverwaltende Fonds sollen das Vermögen so anlegen, wie es auch ein umsichtiger Vermögensverwalter tut. Frei von Vorgaben soll er die Anlagechancen dort suchen, wo er sie vermutet, in Aktien aus dem brasilianischen Regenwald, in den Industriegebieten des aufstrebenden China, in Anleihen des deutschen Mittelstands, in den Tiefen kanadischer Goldminen. Vermögensverwaltende Fonds dürfen so ziemlich alles. Die Aktienquote kann zwischen null und 100 Prozent schwanken, heißt es meist lapidar in den Richtlinien dieser Fonds.

          Trend geht von professionellen Anlegern aus

          Doch viele Anleger geben sich mit diesen schwammigen Vorgaben nicht mehr zufrieden. Sie fordern, dass die Fondsmanager verlässlicher und berechenbarer werden. Wie so oft im Fondsgeschäft geht dieser Trend von den professionellen Anlegern aus. Und die große Frage ist nun, ob er auch die Privatanleger erfasst. Zudem haben die meisten dieser Fondsmanager ihre Freiheiten im vergangenen Jahr schlecht genutzt.

          Vermögensverwaltende Fonds sind die Disziplin, in der die Altmeister der Börse einst geglänzt haben. Klaus Kaldemorgen, 1953 in Essen geboren, ist einer von ihnen. Seit 1983 verwaltet er für die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, Aktienfonds, erst den Vermögensbildungsfonds I, später auch den DWS Akkumula. Heute führt er den DWS Concept Kaldemorgen, einen Fonds, der eigens für ihn kreiert wurde. Hier kann er – frei von Vorgaben – zeigen, was er kann. Bislang haben ihm die Anleger 688 Millionen Euro anvertraut. Die überwiegend privaten Investoren haben 2013 nur eine Wertsteigerung von 4,5 Prozent gesehen.

          Jens Ehrhardt, 1942 in Hamburg geboren, hat noch vor Kaldemorgen vermögensverwaltende Fonds zur Marke gemacht. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er für Albrecht Graf Matuschka, der einst „die deutsche Hochfinanz als erster unabhängiger Finanzdienstleister das Fürchten“ lehrte, wie das „Manager Magazin“ formulierte. 1974 machte sich Ehrhardt selbständig. Heute verwaltet die DJE Kapital AG ein Kundenvermögen von rund 10 Milliarden Euro, oft nach deren Vorstellungen. Ehrhardts Paradefonds ist der knapp 600 Millionen Euro schwere FMM geblieben. Im vergangenen Jahr stieg der Anteilswert des FMM um 13,6 Prozent. Damit zählt der FMM zu den besseren vermögensverwaltenden Fonds.

          Carmignac Patrimoine mit heftigem Absturz

          Auch nicht schlecht, aber klar dahinter liegt der Multiple Opportunities R von Flossbach von Storch. Dieser steigerte das Vermögen seiner Anleger 2013 um 8,9 Prozent. Auch Fondsmanager Bert Flossbach hatte einst für Albrecht Graf Matuschka gearbeitet – nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Köln und der Promotion in Innsbruck. Der Multiple Opportunities litt 2013 darunter, dass Flossbach auf Gold und Aktien mit hoher Dividende gesetzt hatte – beide Anlageklassen enttäuschten im vergangenen Jahr.

          Manche Anleger waren wohl ob dieser Ergebnisse enttäuscht, sie mussten an ihnen jedoch nicht verzweifeln. Der Carmignac Patrimoine dagegen erlebte einen heftigen Absturz. Auf ein Plus von nur 3,5 Prozent kam der Fonds des französischen Investmentstars Edouard Carmignac im vergangenen Jahr. Dabei hatte der steile Aufstieg Carmignacs nach Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 die europäische Fondsbranche das Fürchten gelehrt. Das enttäuschende Abschneiden 2013 tat Carmignacs Beliebtheit keinen Abbruch: Mit einem Fondsvermögen von mehr als 22 Milliarden Euro zählt der Carmignac Patrimoine weiter zu den größten und erfolgreichsten Fonds seiner Gattung.

          So sehr vermögensverwaltende Fonds bei Privatanlegern beliebt sind, so sehr machen professionelle Anleger meist einen Bogen um sie. Institutionelle Investoren wie Lebensversicherer, Altersvorsorgeeinrichtungen, Pensionskassen und Versorgungswerke sind heute in ein enges Korsett an aufsichtsrechtlichen Auflagen und Regeln gezwängt. Das lässt ihnen meist keinen Raum, um Fonds zu kaufen, die heute in Gold investieren und morgen in asiatische Nebenwerte. „Es ist für institutionelle Investoren heute sehr schwer geworden, ein Investment mit den regulatorischen Anforderungen und dem Risikomanagement in Einklang zu bringen“, sagt Oliver Roll vom Finanzdienstleister Max.xs Financial Services in Frankfurt.

          Für die freischaffenden Künstler an der Börse lassen die neuen Kapitalmarktregeln wenig Raum. Auch viele institutionelle Investoren streben heute eine Mindestrendite an, ohne sich groß sorgen zu müssen, in welche Instrumente die Fondsmanager anlegen. Multi-Asset heißen diese Konzepte. Allerdings fordern die Investoren auch hier klare Regeln – und vor allem eine große Berechenbarkeit. Transparenz messe sich heute auch daran, wie gut sich das Verhalten des Fondsmanagers in Stresssituationen abschätzen lasse, sagt Roll. Diesem Vorbild könnte der Markt für Privatanleger folgen und künftig auch vermögensverwaltenden Fonds engere Vorgaben auferlegen.

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