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„The Gherkin“ : Wer kriegt das Geld fürs Gurken-Hochhaus?

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Das Streit-Hochhaus: „The Gherkin“ Bild: dpa

Das Londoner Hochhaus „Gherkin“ ist zu einem Desaster für deutsche Anleger geworden. Sie sollen nur rund ein Fünftel ihres Geldes zurückbekommen. Jetzt gibt es Ärger.

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          Wer schon mal in London war, kennt auch die „Gurke“, das spitz-oval zulaufende Hochhaus in der City, das die Briten „Gherkin“ nennen. Mancher Deutsche, der dieses Hochhaus sieht, denkt dann an sein verlorenes Geld. Denn die „Gurke“ ist zum Desaster für Immobilienfonds-Besitzer geworden. Jetzt heißt es: Die Anleger werden wohl nur ein Fünftel ihres Geldes wiedersehen. Und es gibt Ärger.

          Das 40-stöckige Haus ist von Sir Norman Foster entworfen und erst 2004 eröffnet worden. Darin hat unter anderem die Rückversicherung Swiss Re ihre Londoner Büros. Ursprünglich gehörte das Haus auch der Swiss Re. Sie verkaufte es im Jahr 2007 an die Bonner Immobiliengesellschaft IVG und die Londoner Investmentbank Evans Randall. Die wiederum steckten es in einen Immobilienfonds, den sie auch über die Dresdner Bank an deutsche Privatanleger verkauften. Finanziert wurde der Verkauf von einem Bankenkonsortium mehrerer deutscher Landesbanken (Bayern, Baden-Württemberg und Hessen), des Sparkassen-Instituts Deka Immobilien Investments sowie der niederländischen Großbank ING.

          Doch dann kam die Finanzkrise. Die Preise für Büro-Immobilien in London sanken. Gleichzeitig wertete der Schweizer Franken auf – eine ungünstige Kombination für die Eigentümer, denn die IVG hatte sich einen Teil des Kaufpreises in Schweizer Franken geliehen und den Wechselkurs nicht abgesichert. Plötzlich musste sie mehr Geld zurückzahlen als geplant. Die Eigentümer-Gesellschaft des Hauses bekam Zahlungsschwierigkeiten. Und die Anleger verloren Geld. Inzwischen ist die Commerzbank schon zu Schadenersatz für die Anleger verurteilt worden.

          Heute ist die gesamte Immobiliengesellschaft IVG insolvent – auch, weil sie sich zusätzlich mit dem Bürogebäude „The Squaire“ auf dem Frankfurter Flughafenbahnhof übernommen hat. Das Hochhaus selbst ist an einen brasilianischen Milliardär verkauft worden, sogar teurer als geplant: 650 Millionen Pfund hatten die Verwalter gefordert, 725 Millionen Pfund bekamen sie am Ende.

          Von 1000 Euro kommen nur 200 zurück

          Trotzdem müssen die Anleger allerdings den größten Teil ihres Geldes abschreiben. Das trifft rund 9000 Fondsinvestoren, die durchschnittlich rund 20.000 Pfund in dem Fonds anlegten. Die „Deutsche Fonds Holding“, die den Fonds inzwischen verwaltet, rechnet vor: Je 1000 investierter Euro könnten die Investoren 115 bis 120 Euro an Kapitalrückfluss bekommen, rund 80 Euro hätten sie bisher schon an Ausschüttung erhalten – macht rund 200 Euro insgesamt, also 20 Prozent.

          Rund die Hälfte des unerhofften Verkaufsüberschusses soll ein Partner bekommen, mit dem der Fonds damals gemeinsam investiert hatte – so sieht es ein Vergleichsvorschlag vor. Der Partner reicht das Geld zur Tilgung eines eigenen Kredites weiter, und zwar ausgerechnet an die Immobiliengesellschaft IVG, die den Fonds überhaupt erst mit aufgelegt hatte.

          Anleger-Anwalt Dietmar Kälberer kritisiert den Vorschlag: „Die Fondsverwaltung schlägt den Anlegern einen Vergleich vor, der diese nach unserer Einschätzung massiv übervorteilt.“ Gerade die IVG sei für viele der Schwierigkeiten verantwortlich.

          Die Fondsverwalter halten dagegen: Würden die Anleger dem Vergleich nicht zustimmen, drohten Gerichtsprozesse und damit Kosten, die den möglichen Gewinn übersteigen könnten.

          Jetzt müssen die Anleger bis 29. Oktober entscheiden, ob sie diesem Vorschlag zustimmen.

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