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Verdacht auf Insiderhandel : FBI prüft Geschäfte mit Heinz-Optionen

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Der Hauptsitz des Ketchupherstellers Heinz in Pittsburgh Bild: AP

Der rasche Millionengewinn anonymer Händler mit Wetten auf eine Übernahme des Ketchupherstellers Heinz hat die amerikanische Bundespolizei alarmiert. Es ist nicht das einzige Beispiel für fragwürdige Geschäfte mit Optionen.

          Die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelt wegen des Verdachts auf illegalen Insiderhandel in Zusammenhang mit der angekündigten Übernahme des Ketchupherstellers H. J. Heinz. Damit steigt der Druck auf die bisher noch nicht bekannten Händler, die in der vergangenen Woche über ein Schweizer Depot mit Kaufoptionen auf Heinz-Aktien 1,7 Millionen Dollar Gewinn gemacht hatten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das Vermögen in dem Depot hatte die Börsenaufsicht SEC bereits am Freitag wegen der „hoch verdächtigen“ Geschäfte per Eilbeschluss einfrieren lassen (F.A.Z. vom 18. Februar). „Das FBI ist sich der unregelmäßigen Geschäfte am Tag vor der Ankündigung von Heinz bewusst“, sagte ein FBI-Sprecher in New York. Die Behörde berate sich mit der SEC, um herauszufinden, ob eine Straftat begangen wurde.

          Heinz hatte am Donnerstag der vergangenen Woche die überraschende Übernahme durch Berkshire Hathaway, die Gesellschaft des Investors Warren Buffett, sowie die brasilianische Beteiligungsgesellschaft 3G Capital bekanntgegeben. Die Transaktion gilt mit einem Kaufpreis von 28 Milliarden Dollar als die größte Übernahme in der Geschichte der amerikanischen Nahrungsmittelbranche.

          Verdächtiger Gewinn von 20 Prozent

          Der Aktienkurs von Heinz reagierte auf die Nachricht am Donnerstag mit einem Gewinn von 20 Prozent. Die anonymen Händler hatten offenbar nur einen Tag vorher darauf gewettet, dass der Aktienkurs von Heinz bis Mitte Juni um mehr als 8 Prozent steigen würde. Kaufoptionen verbriefen das Recht, einen sogenannten Basiswert - etwa eine Aktie - zu einem späteren Zeitpunkt zu im Voraus festgelegten Konditionen zu erwerben. Wertpapiergeschäfte aufgrund vertraulicher Informationen sind verboten.

          Bei der SEC klingelten die Alarmglocken, weil es sich bei den gekauften Heinz-Optionen für 90.000 Dollar um eine sehr große Position in dem eher umsatzschwachen Markt für diese Wertpapiere handelte. Zudem schöpfte die Behörde Verdacht, weil in den vergangenen sechs Monaten in dem Depot nie mit Wertpapieren von Heinz gehandelt wurde.

          Die Händler, die das Depot genutzt haben, müssten „nun vor Gericht erscheinen und ihre Geschäfte begründen“, wenn sie an ihr Geld herankommen wollten, hieß es bei der SEC. Sobald die Händler identifiziert sind, dürften sich FBI und SEC bei ihren Ermittlungen auf den begrenzten Kreis der Personen konzentrieren, die von der geplanten Übernahme wussten. Neben den Spitzenmanagern der Käufer und der Verkäufer sind in der Regel auch Investmentbanker und Juristen in derartige Pläne eingeweiht.

          „Die Welt der Optionen ist viel transparenter“

          Die Übernahme von Heinz war nicht die einzige Transaktion, vor der es zuletzt verdächtige Geschäfte im Optionsmarkt gegeben hatte. Nach Angaben des spezialisierten Datenanbieters Trade Alert stieg im Januar der Umsatz mit Kaufoptionen auf Aktien des Fernsehsenders CBS in den sechs Börsensitzungen bevor das Unternehmen die Abspaltung von Vermögenswerten bekanntgab.

          Der Aktienkurs von CBS stieg daraufhin, und einige der Optionskontrakte verbuchten gigantische Gewinne von bis zu 1.650 Prozent. Im vergangenen April wettete ein Händler mit Optionen auf steigende Kurse des Biotechnologieunternehmens Human Genome Science.

          Er verdiente damit praktisch über Nacht fast 3,5 Millionen Dollar, weil die Aktien am Tag darauf wegen der überraschenden Kaufofferte des britischen Pharmakonzerns Glaxo Smith Kline in die Höhe schossen. Der Wert der Kaufoptionen stieg um 925 Prozent.

          Für Aufsichtsbehörden scheint es einfacher zu sein, verdächtige Geschäfte im Optionsmarkt zu bemerken als an den Aktienbörsen. „Die Welt der Optionen ist viel transparenter, weil man von der Vorbereitung des Geschäfts auf die Gründe dafür schließen kann“, sagte Analyst Brian Overby vom Online-Wertpapierhaus Tradeking dem „Wall Street Journal“. Fragen werfen nach Ansicht von Overby große Positionen in der Art von „Lotterielosen“ auf, die bei normalen Marktverhältnissen kaum Aussicht auf Gewinn haben.

          Die SEC hat in den vergangenen sieben Monaten in sieben Fällen Strafen wegen verbotenen Insiderhandels mit Optionen verhängt. Dabei ging es vor allem um Geschäfte vor der Bekanntgabe von Unternehmensfusionen oder von Testergebnissen neuer Medikamente, die in der Regel die Aktienkurse der Hersteller bewegen.

          Auch die New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft hat sich den Kampf gegen Insiderhandel auf die Fahnen geschrieben. In der seit Oktober 2009 andauernden Ermittlungswelle sind mittlerweile mehr als 70 Personen verurteilt worden oder haben Geständnisse abgelegt.

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