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Verbraucherschutz : Honorarberatung auf dem Vormarsch

Im Blick der Verbraucherschützer Bild: AFP

Dass Privatanleger oft unter erheblichen Verlusten in der Finanzkrise zu leiden hatten, schreibt die Politik nicht zuletzt der mangelnden Beratungsqualität zu. Nun denken Versicherer über einen provisionsfreien Vertrieb nach.

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          Am Schluss herrschte noch einmal Einigkeit. In ihrer letzten regulären Sitzung haben die Bundestagsabgeordneten am Freitag den Verbraucherschutz in der Finanzberatung ausgeweitet. Denn dass Privatanleger oft unter erheblichen Verlusten in der Finanzkrise zu leiden hatten, schreibt die Politik nicht zuletzt der mangelnden Beratungsqualität von Bankmitarbeitern und Fondsvermittlern zu. Neben der längeren Verjährungsfrist bei Schadensersatzansprüchen sieht das Gesetz auch vor, Vermittler besser zu qualifizieren, zu registrieren und zu verpflichten, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Zudem sollen sie ihre Beratungsgespräche dokumentieren.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Diese letzten vier Punkte gehören für Versicherungsvermittler schon seit Mitte 2007 zur gängigen Praxis. Damals trat das Versicherungsvermittlergesetz in Kraft - stark verzögert und nicht aus eigenem Antrieb der Bundesregierung, denn eine vier Jahre alte EU-Richtlinie zwang sie dazu. Dennoch ist die Branche in Aufruhr, weil sie die Gefahr sieht, dass ihr Vertriebsmodell noch stärker angetastet werden könnte. Auslöser war eine Anhörung im Verbraucherministerium in diesem März.

          Berufsverbände wehren sich

          Damals bat Ministerin Ilse Aigner (CSU) Branchenvertreter zu sich, um eine Studie zu diskutieren, die noch ihr Vorgänger Horst Seehofer in Auftrag gegeben hatte. Darin empfahl das private Forschungsbüro Evers & Jung unter anderem, die Honorarberatung kräftig zu unterstützen - also eine Finanzberatung, für die der Kunde einen festen Honorarsatz unabhängig von den gekauften Produkten bezahlt. Mehr als die Hälfte langfristiger Versicherungspolicen werde vor dem Ablauftermin gekündigt. Das liege auch daran, dass Vermittler von hohen Provisionen dazu verleitet würden, den Verbrauchern unpassende Produkte zu empfehlen, argumentierten die Studienautoren. Um die Unabhängigkeit der Versicherungsfachleute zu sichern, müssten Vermittlung und Beratung klar getrennt werden, fordern auch die Verbraucherzentralen.

          „Das ist eine pauschale Verurteilung eines Berufsstandes“, wehrt sich Michael Heinz. Als Präsident des Bundesverbandes deutscher Versicherungskaufleute vertritt er die selbständigen Vermittler hierzulande. Dass durch Provisionen Fehlanreize entstehen, sieht auch er. Allerdings hält er das Problem für gering. „80 Prozent der Vermittler trifft das gar nicht, weil sie als Einfirmenverteter arbeiten.“ Sie vertreiben nur Produkte eines Anbieters und dominieren doch den Markt - offenkundig, weil die Kunden sich nicht daran stören. Für die ungebundenen Vermittler und Makler sei das Geschäft durch die aktuelle Gesetzgebung so transparent, dass sie innerhalb kürzester Zeit zur Verantwortung gezogen würden, wenn sie schlecht beraten hätten - mit dem Berufsverbot als letzter Konsequenz.

          Zum Standard erklärt

          In anderen Ländern werden Provisionen aber schon sehr viel stärker in Frage gestellt. Das reicht von einer Deckelung der Abschlussprovisionen in den Niederlanden von diesem Herbst an bis zum Courtageverbot in skandinavischen Ländern. Auch in Großbritannien legte die Finanzaufsicht FSA in dieser Woche einen Plan vor, der vorsieht, innerhalb der kommenden drei Jahre Provisionen in der Versicherungsbranche zu verbieten. Damit würde die Honorarberatung zum Standard erklärt. Schon jetzt sind britische Kunden sehr viel eher bereit, sich in Vermögensfragen gegen Honorar beraten zu lassen.

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