https://www.faz.net/-gv6-835ln

Vanguard : Der größte Anleihefonds der Welt

In Deutschland nahezu unbekannt: Vanguard, der größte Anleihenfonds der Welt, kommt aus den Vereinigten Staaten. Bild: AP

Ein Fonds ohne menschliche Entscheidungen ist zum größten Anleihefonds aufgestiegen. Dahinter steckt ein Fondshaus mit einem Faible für Geschichte – und einem Hang zum Mittelmaß.

          3 Min.

          Exakt 40 Jahre ist es her, dass ein damals völlig unbekannter Amerikaner eine folgenschwere Entscheidung traf. John Bogle, nach eigenem Bekunden ein ziemlich mittelmäßiger Geldverwalter, beschloss 1975, eine eigene Fondsgesellschaft zu gründen und ihr den ganz und gar nicht durchschnittlichen Namen „Vanguard“ zu geben – in Anlehnung an jenes legendäre Flaggschiff, mit dem der britische Admiral Nelson Ende des 18. Jahrhunderts viele Seeschlachten gewann. Bogles Ziel: Er wollte nichts weniger, als das erfolgreichste Fondshaus der Welt erschaffen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heute ist Bogle 86 Jahre alt, steinreich, und nicht wenige Branchenbeobachter bescheinigen ihm: In der vergangenen Woche hat der greise Herr sein Ziel so gut wie erreicht. Da wurde bekannt, dass Bogles Gesellschaft nun den größten Anleihefonds der Welt verwaltet – den Vanguard Total Bond Market Index Fund.

          117,3 Milliarden Dollar haben Anleger in diesen Fonds investiert. Der größte Aktienfonds der Welt stammt ebenfalls von Vanguard, nur bei der Gesamtsumme des verwalteten Vermögens der Firma (3000 Milliarden Dollar) muss Vanguard der Fondsgesellschaft Blackrock den Vortritt lassen.

          Kein Verwalter besser als der Markt

          Wie hat es der mittelmäßige Herr Bogle so weit gebracht? Und wieso haben selbst gut informierte deutsche Anleger noch nie etwas von Vanguard gehört? Die Antwort auf die erste Frage lautet: Bogle hat in seiner Firma das Mittelmaß zum Prinzip erhoben. 1975 nämlich erfand er den ersten Indexfonds der Welt. Dessen Manager mussten nicht selbst entscheiden, welche Aktien sie kaufen wollten, sondern sie sollten sich allein an der Zusammensetzung des S&P500 orientieren. Zu diesem Börsenindex gehören die 500 größten amerikanischen Aktiengesellschaften.

          Für die damalige Zeit war Bogles Vorgehen revolutionär: Denn es baute auf der Überlegung auf, dass auf Dauer kein Geldverwalter bessere Ergebnisse erzielen kann als der Markt als Ganzes. Auf lange Sicht fällt eben jeder noch so gute Fondsmanager ins Mittelmaß zurück. Heute lässt sich dies durch zahlreiche Studien belegen, damals war es ein kurzer Aufsatz des Nobelpreisträgers Paul Samuelson, der John Bogle auf den Gedanken brachte. Er begriff: Wenn niemand langfristig der Beste sein kann (er selbst war es in Fragen der Geldanlage ja ohnehin nie gewesen), dann wollte er wenigstens günstiger sein alle anderen.

          Werbung nicht nötig

          Mit Bogles Methode war das möglich: Denn einen Index nachzubilden ist billiger, als ein Heer von Analysten für die Suche nach der besten Aktie zu bezahlen. Wegen dieses Ansatzes gilt John Bogle heute in Amerika als Wegbereiter der ETF, aber nicht als ihr Erfinder. Denn diese populären Fonds, die schlicht die Wertentwicklung eines Kursbarometers nachbilden, lassen sich jederzeit über die Börse kaufen und verkaufen.

          Vanguard-Fonds
          Fonds Isin Gebühr p.a. Anlageschwerpunkt Entwicklung 1 Jahr
          Vanguard FTSE 100 IE00B810Q511 0,09% britische Aktien 17,5%
          Vanguard FTSE All-World IE00B3RBWM25 0,25% weltweite Aktien 33,0%
          Vanguard FTSE All-World High Div IE00B8GKDB10 0,29% Aktien mit hohen Dividenden 26,8%
          Vanguard FTSE Developed Europe IE00B945VV12 0,12% europäische Aktien 19,2%
          Vanguard FTSE Emerging Markets IE00B3VVMM84 0,25% Aktien aus Schwellenländern 36,7%
          Vanguard FTSE Japan IE00B95PGT31 0,19% japanische Aktien 44,6%
          Vanguard S&P 500 IE00B3XXRP09 0,07% amerikanische Aktien 39,8%
          Vanguard Total Bond Market US9219378356 0,07% weltweite Anleihen 27,7%
          Quelle: Morningstar

          Mit Bogles erstem Fonds ging das noch nicht – er ließ sich zunächst nur über die Fondsgesellschaft erwerben. Dies hat sich mittlerweile geändert: Heute bietet Vanguard hauptsächlich ETF an, sowohl der größte Aktien- als auch der größte Anleihefonds sind ebenfalls ETF.

          Dass John Bogle und seine Firma in Deutschland trotzdem kaum jemand kennt, habe einen einfachen Grund, sagt Jose Garcia Zarate vom Analysehaus Morningstar: Vanguard gehört zu keiner Bank und müsste sich in Deutschland erst durch Werbung bekannt machen. Dies aber sei den notorisch kostenbewussten Amerikanern zu teuer – zumal die Deutsche Bank hierzulande mit ihrer ETF-Plattform „db x-trackers“ einen Heimvorteil genieße. Lieber konzentriert sich Vanguard auf Amerika und Großbritannien, wo man keine Werbung mehr nötig hat.

          Konkurrenz würde zu Vanguard gehen

          Trotzdem können auch deutsche Anleger in Vanguard-ETF investieren. Allein der neue Spitzenreiter unter den Anleihefonds ist hierzulande nicht erhältlich, sondern nur über eine amerikanische Börse. Dies muss Anleger zwar nicht abhalten: Da es dabei aber unter Umständen steuerliche Schwierigkeiten geben kann und die Börsengebühren höher sind, ist der Kauf nicht unbedingt zu empfehlen.

          An den in Europa zugelassenen Fonds hat Analyst Zarate nichts auszusetzen: „Die Kosten sind niedrig, die Konstruktion ist leicht verständlich.“ Vanguard-ETF folgen ausschließlich der sogenannten replizierenden Methode. Das heißt, sie investieren direkt in die Wertpapiere eines Börsenindex und bilden dessen Wertentwicklung nicht mittels Finanzderivaten nach. Das Prinzip hat sogar Warren Buffett überzeugt. Der Starinvestor teilte kürzlich mit: Wenn er heute noch einmal mit der Geldanlage beginnen müsste, würde er sein Geld einfach in einen Aktien-ETF von Vanguard investieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.