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Geldanlage : Die Macht der Geduld

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Biotechnologie braucht viel Geduld. Bild: Wahl, Lucas

Eine Aktie kaufen und lange halten - dazu braucht man gute Nerven. Für die Manager eines amerikanischen Fonds hat sich das aber ausgezahlt.

          2 Min.

          Die Manager des Fonds Vanguard Primecap haben über Jahre an Amgen Inc. als eine ihrer größten Anlagen festgehalten, obwohl die Aktien dahindümpelten. Sie waren überzeugt, dass sich der Glaube an das Biotechnologie-Unternehmen letztlich auszahlen wird.

          Die Hartnäckigkeit hat dazu beigetragen, dass der 44,3 Mrd. Dollar schwere Fonds unter großen Fonds mit Fokus auf amerikanische  Wachstumsaktien in diesem Jahr den besten risikobereinigten Ertrag erzielen konnte. Das geht aus einer Rangliste der Nachrichtenagentur Bloomberg hervor. Für die Aktien von Amgen war es in diesem Jahr bis Ende Oktober um 42 Prozent nach oben gegangen. Danach stieg der Kurs noch mal weiter.

          Der risikogewichtete Ertrag wird berechnet, indem der Gesamtertrag durch die Volatilität - die täglichen Kursschwankungen der Anteile - geteilt wird. Eine höhere Volatilität legt dabei den Schluss nahe, dass es in kürzerer Zeit zu stärkeren Schwankungen kommen kann. Das erhöht das Risiko von Verlusten.

          Der Primecap-Fonds ist für neue Anleger geschlossen. Trotzdem kann es interessant sein, wie die Manager den Fonds so erfolgreich gemacht haben. Im bisherigen Jahresverlauf bis zum 31. Oktober kommt der Fonds auf einen risikobereinigten Ertrag von 1,1, Prozent. Er erzielte den höchsten absoluten Ertrag bei einer unterdurchschnittlichen Volatilität.

          Eingeflossen ins Ranking sind 208 Wachstumsfonds, die ein Vermögen von mindestens einer Mrd. Dollar verwalten. „Ihr Erfolg geht ganz auf das Konto einer guten Aktien- Auswahl und Geduld”, erklärt Daniel Wiener, Vorstandschef von Adviser Investments in Massachusetts, in einem Interview mit Bloomberg News. Er verwaltet 3,2 Mrd. Dollar, darunter 450 Mio. Dollar in anderen Fonds von Primecap Management Co.

          Die Primecap-Manager suchen nach Aktien, die langfristig ein hohes Wachstumspotenzial haben. Sie halten an den Titeln über Jahre fest, wenn sie glauben, dass der Markt erst noch den wahren Wert des Unternehmens erkennen muss. Diese Strategie kann die Nerven von Kunden strapazieren, wie Vanguard-Group-Inc.-Chef F. William McNabb zugibt.

          Besonders wenige Aktienkäufe

          Vanguard-Primecap handelt Aktien weniger als ein Zehntel so oft wie der typische amerikanische Aktienfonds. Das geht aus Daten von Morningstar Inc. hervor. Der Fonds, der am 1. November seinen 30. Geburtstag beging, hat eine lange Erfolgsgeschichte. Seit Auflegung im Jahr 1984 kommt er auf einen durchschnittlichen Jahresertrag von 13,8 Prozent laut Morningstar. Damit schlug er 98 Prozent aller vergleichbaren Fonds. Und er entwickelte sich 2,5 Prozentpunkte besser als der Standard & Poor’s 500 Index.

          In mindestens den vergangenen fünf Jahren hatte der Fonds die Mehrheit seiner Anlagen in zwei Branchen: Gesundheit und Informationstechnologie. Die Sektoren stehen hinter 63 Prozent der Aktiva mit Stand vom 30. September, zeigen Angaben auf der Webseite von Vanguard. Damit ist die Gewichtung in etwa doppelt so hoch wie die im S&P 500.

          „Diese Jungs jagen nicht das neueste heiße Ding. Aber manchmal werden Dinge, die sie halten, von alleine heiß. Das ist mit dem Bereich Gesundheit passiert”, sagt Analyst David Kathman von Morningstar gegenüber Bloomberg. Die Konzentration des Fonds auf die Gesundheits-Branche „basiert auf globalen demografischen Trends und dem Glauben an die Macht der Wissenschaft”, schrieben die Fonds-Manager im Jahr 2009 in einem Bericht an Investoren. Sie spekulieren darauf, dass eine alternde Bevölkerung und Durchbrüche in der Forschung zu Medikamenten und medizinischen Geräten die Gewinne von involvierten Firmen antreiben werden.

          Die Primecap-Formel, qualitativ sehr hochwertige Wachstumsunternehmen zu kaufen und diese zu halten, wird auch von vielen anderen Fonds-Managern angewendet, sagt Dan Newhall, Manager bei Vanguard Group. Doch: „Nur wenige Leute waren in der Lage, das zu erreichen, was sie in den vergangenen 30 Jahren gemacht haben.”

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