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Urbanisierung und Infrastruktur : Jede Woche eine Million mehr Menschen

  • -Aktualisiert am

Viel Wachstumspotential: Ausbau des Schienennetzes is Peking Bild: REUTERS

Die großen Städte in aufstrebenden Ländern wie Brasilien und China wachsen schnell. Die Regierungen investieren viel Geld in Straßen und Schienen, um ihre Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Daran können auch Anleger verdienen.

          In den kommenden 15 Jahren werden die Städte in den großen Schwellenländern der Welt rapide wachsen. Die Dimension der bevorstehenden Landflucht, Urbanisierung und Bevölkerungsexplosion in Asien und Lateinamerika ist atemberaubend. Insgesamt werden die Städte der Schwellenländer jede Woche um eine Million Menschen anschwellen – und all diese neuen Stadtbewohner brauchen Elektrizität, frisches Wasser und nutzbare Straßen, Zugverbindungen und in den großen Metropolen gar Untergrundbahn-Verbindungen. Die Ökonomen der Bank of America Merrill Lynch schätzen, dass die Regierungen der Schwellenländer allein in den kommenden drei Jahren 6 Billionen Dollar investieren werden, um die Infrastruktur ihrer Länder auf Vordermann zu bringen.

          China hat sein Konjunkturprogramm während der Finanzkrise weitgehend für Infrastrukturinvestitionen genutzt. Russland, Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika ziehen nach. Fraglich ist, wie westliche Investoren an diesem Investitionsschub und den Erträgen des damit einhergehenden Wirtschaftswachstums teilhaben können. Und dabei geht es nicht nur um städtische Infrastruktur. Wer heute mit Begeisterung auf die Rohstoffmärkte schaut, vom Export Russlands, Brasiliens, Mexikos und Südafrikas spricht, übersieht oft, dass die Exporte gemacht werden trotz extrem schwacher Infrastruktur der Häfen, Straßen und Zugsysteme der betroffenen Länder.

          Deutschland liegt an der Weltspitze

          Nach Angaben der Weltbank sind 87 Prozent der Straßen in den westlichen Industrieländern asphaltiert, in Asien und Lateinamerika nur 22 bis 34 Prozent. In Asien und Lateinamerika müssen die Menschen mit einem Viertel der Energie zurechtkommen, die der westlichen Bevölkerung zur Verfügung steht. Gerade für deutsche Investoren sind die Zustände der seit Jahrzehnten vernachlässigten Infrastrukturinvestitionen in den Schwellenländern kaum vorstellbar: Deutschland liegt nach einer Studie des World Economic Forum mit der Qualität seiner Straßen, Häfen, Flughäfen, Telefonnetze und Bahnlinien noch vor den Vereinigten Staaten mit an der Weltspitze.

          Regierungen in den wachsenden Ländern Asiens und Südamerikas konnten nicht so investieren wie der Westen: Die Mittel fehlten, und es mangelte an politischer Durchsetzungskraft. Erst jetzt fluten private Investitionsmittel herbei und unterstützen neben Staatsinvestitionen die Infrastrukturprojekte auf lokaler Ebene. Nach Angaben der Weltbank sind private Mittel im Rahmen so genannter Public-Private-Partnerships (PPP) von 13 Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf 155 Milliarden Dollar gestiegen. Indien, Brasilien und Mexiko ziehen zunehmend Privatkapital für Investitionen an – wenn auch nicht China.

          Wer sich an dem Thema beteiligen und investieren will, tut ein Leichtes, sich einen der zahlreichen bestehenden Infrastrukturfonds auszusuchen, die in Körbe entsprechender Infrastrukturunternehmen investieren. Investoren sind dort in guter Gesellschaft. Goldman Sachs kalkuliert, dass die Marktkapitalisierung der Schwellenländer in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren von derzeit 14 über 37 auf 80 Billionen Dollar steigen wird. Der Marktanteil dieser Märkte, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, werde von derzeit 31 über 44 auf 55 Prozent im Jahr 2030 anschwellen.

          Infrastrukturaktien und -fonds könnten sich lohnen

          Wenn die großen Fondsmanager der westlichen Welt, deren Mittel bis 2030 von derzeit 70 auf 120 und dann 190 Billionen Dollar steigen werden, ihren Investitionsanteil an den Märkten der Schwellenländer von 6 auf 18 Prozent erhöhen, sind die Anlagemittel gewaltig. Nach Schätzung von Goldman Sachs würde dies bedeuten, dass im Laufe der kommenden 20 Jahre etwa 4 Billionen Dollar des Westens in Aktien der Schwellenländer gesteckt werden.

          Nicht nur der Kauf von Infrastrukturaktien oder Infrastruktur-Fonds könnte sich lohnen. Auch die Anlage von Geld in Schuldverschreibungen liquider Infrastrukturgesellschaften, die quasistaatlich investieren, ist eine Möglichkeit der Geldanlage in diesem Thema. Hier gibt es mit einem Bonitätsrating von „A“ oder „AA“ Papiere von Codelco, CEZ AS, HK & China Gas, Korea Hydro & Nuclear, Korea National Oil, Petronas, Qatar Gas Transport, Qatar Telecom, Saudi Basic Industries oder Taqa Abu Dhabi. Andere Emissionen wurden begeben von Dubai Elec & Water, Ecopetrol, Eletrobras, Gasprom, Petroleos de Venezuela, Pemex, Petrobras, Petronas, Russian Railways oder Transneft. Gerade weil die Anleihemärkte des Westens nur noch extrem geringe Renditen aufweisen, sind allein in diesem Jahr bereits 24 Milliarden Dollar Anlagemittel in Unternehmensanleihen der Schwellenländer geflossen.

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