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Unzufriedene Anleger : Berühmte Fonds sind nicht unbedingt die besten

Gebäude der Union Investment in Frankfurt Bild: Niklas Grapatin

Wie kommen die bekannten Namen der Fondsbranche mit den bewegten Märkten klar? Nicht alle Anleger von Uniglobal, Carmignac & Co. sind zufrieden.

          3 Min.

          So ganz einfach kommen offenbar auch die bekannten Namen der Fondsbranche mit den wechselhaften Märkten in diesem Jahr nicht zurecht. Darauf jedenfalls deuten Studien des Fondsanalyse-Hauses Morningstar zu bekannten Aktien-, Anleihen- und Mischfonds hin. Die Ergebnisse im Einzelnen sind dabei insbesondere in Abhängigkeit vor der Anlageklasse äußert unterschiedlich: Die Renditen der betrachteten Fonds-Klassiker seit Anfang des Jahres reichen von 19 Prozent für einen reinen Aktienfonds bis hinunter zu minus 0,5 Prozent für einen Mischfonds. Auch die zum Teil berühmten Fondsmanager schafften es dabei nicht in jedem Fall, besser zu sein als der Markt, also ihr Vergleichsindex.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den bekannten Fonds in Deutschland gehört dabei der Uniglobal, ein global anlegender Aktienfonds der Fondsgesellschaft Union Investment. Er ist vor allem deshalb in Deutschland stark vertreten, weil die Volks- und Raiffeisenbanken ihn in ihren Filialen vertreiben und er Teil von Riester-Altersvorsorgeprodukten ist. Nach vielen erfolgreichen Jahren geriet der Uniglobal im vergangenen Jahr erheblich in die Kritik: Seine Wertentwicklung ließ vor allem in der ersten Jahreshälfte 2014 im Vergleich zum Index MSCI World zu wünschen übrig.

          Bild: F.A.Z.

          Und auch die Gebühren waren im Zuge einer Umstellung des Gebührenmodells so gestiegen, dass die Fondsrating-Agentur Morningstar eine „auffällig erhöhte Kostenquote“ kritisiert. Damals verteidigte die Fondsgesellschaft Union Investment ihre Manager: „Unsere Strategie ist bewusst so gehalten, dass wir im Interesse der Anleger in bestimmten Phasen weniger aggressiv Risiken eingehen.“

          „Carmignac – der Lack ist ab“

          In diesem Jahr nun kommt der Fonds laut Morningstar bislang immerhin auf eine Rendite von 6,85 Prozent – während der Vergleichsindex MSCI World etwa zwei Prozent im Minus ist. Morningstar hat ihm allerdings trotzdem bei der letzten Bewertung lediglich das drittbeste Fondsrating „Bronze“ verpasst.

          Noch kritischer äußern sich viele Fonds-Beobachter über das französische Flaggschiff bei den Mischfonds, den „Carmignac Patrimoine“. Lange Zeit wurde auch er beispielsweise in Volksbank-Filialen empfohlen, wenn Privatanleger mit einem kleinen Portfolio neben ihren Aktienfonds auch noch andere Anlageklassen mit ins Depot holen wollten. Seit einiger Zeit nun schon lässt aber auch die Performance dieses berühmten Fonds zu wünschen übrig. „Carmignac – der Lack ist ab“, titelten Anlegermagazine und fragten, ob den französischen Starinvestor womöglich das Glück verlassen habe.

          Der Meister sei außer Form, die Anleger enttäuscht, hieß es. Laut Morningstar kommt der Fonds in der Variante „Carmignac Patrimoine A EUR acc“ in diesem Jahr bislang auch nur auf eine negative Rendite von minus 0,5 Prozent. Aber auch mit Blick auf die vergangenen drei Jahre sind es gerade mal 3,9 Prozent je Jahr.

          Gute Zahlen vorweisen kann dagegen ein Klassiker unter den Aktienfonds, der DWS Aktien Strategie Deutschland. Der Fonds, der seit gut 15 Jahren von Deutsche-Bank-Manager Henning Gebhardt geführt worden ist, kommt laut Morningstar in diesem Jahr bereits auf eine Rendite von 19 Prozent. Im Vergleich dazu hat der deutsche Aktienindex Dax seit Jahresanfang – wenn man all das Auf und Ab zusammenrechnet – nur ein Plus von rund drei Prozent zu vermelden. Auf drei Jahre betrachtet kommt der Fonds auf eine Rendite von 21,8 Prozent. Die Fondsrating-Spezialisten von Morningstar schreiben dazu, die Gebührenbelastung sei bei diesem Fonds „unterdurchschnittlich“, was Privatanleger auch freuen dürfte.

          Ein Plus von 6,7 Prozent im Jahr

          Der DWS Aktien Strategie Deutschland zählte laut Morningstar in den letzten Jahren zu den besten Fonds in der Kategorie „Aktien Deutschland Standardwerte“. Während Anleger mit dem Fonds von Mai 2000 bis Ende Juli 2015 ein Plus von 6,7 Prozent im Jahr erwirtschaften konnten, lag der Durchschnitt in dieser Fonds-Kategorie bei lediglich 2,5 Prozent im Jahr.

          Bild: F.A.Z.

          Zu den international ganz bekannten Fondsmanagern gehört auch Michael Hasenstab von der Fondsgesellschaft Templeton. Er verwaltet unter anderem den Klassiker „Templeton Global Bond“, einen globalen Rentenfonds. Branchenkenner rühmen an diesem Fonds vor allem die langjährige Erfahrung des Managers. Der Fonds kommt bislang in diesem Jahr in der Variante „Templeton Global Bond A Acc Euro“ auf eine Rendite von 1 Prozent, auf drei Jahre betrachtet sind es immerhin 4,7 Prozent je Jahr. Das klingt nicht besonders viel – aber für Rentenfonds wachsen die Bäume im Augenblick generell nicht in den Himmel; die Zinsen und Renditen sind schließlich überall niedrig. Gleichwohl hat Morningstar dem Hasenstab-Fonds bei der letzten Bewertung ein Rating „Silber“ gegeben – also immerhin die zweithöchste Kategorie.

          Trotzdem zeigt sich: Auf Namen allein sollte man sich bei der Geldanlage in Fonds nicht verlassen. Und gerade die ganz großen und damit bekannten Fonds werden allein durch ihre Größe schnell weniger flexibel.

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