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Unternehmensanleihen : Ganz normale Fonds werden gefährlich

Anleger kaufen derzeit an Firmenanleihen, was sie bekommen können Bild: © Images.com/Corbis

Anleger haben Milliarden in Fonds investiert, die auf Firmenanleihen setzen. Deren Kurse steigen und steigen. Kann das gutgehen? Betroffen sind nicht nur unter Anlagedruck stehende Großinvestoren, sondern auch Privatanleger.

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          Wenn Notenbanker eine Warnung aussprechen, tun sie dies nie laut, sondern stets mit Zurückhaltung. Nie offen, sondern verklausuliert. Die Bundesbank hat es in dieser Disziplin zu einiger Meisterschaft gebracht.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alle vier Wochen gibt sie ihre Einschätzungen en détail in einem mehr als hundert Seiten umfassenden „Monatsbericht“ heraus, der wegen seiner vielen Fachbegriffe auf den ersten Blick nicht gerade ein großes Leseabenteuer verspricht. Wer sich aber in der November-Ausgabe bis auf Seite 44 zum Unterkapitel „Anleihen“ durchkämpft, findet dort einige bemerkenswerte Sätze, die bei genauerer Analyse Anleger beunruhigen sollten.

          Eine „erneut gesunkene Risikoaversion der Marktteilnehmer“ sei zu beobachten. Und angesichts der derzeit niedrigen Leitzinsen in Europa und Amerika gebe es eine „anhaltende Suche der Investoren nach Rendite“. Was so harmlos klingt, drücken Vermögensverwalter wie Marco Herrmann von der Münchner Gesellschaft Fiduka drastischer aus: „Anleger kaufen zurzeit wie verzweifelt jede Firmenanleihe, die sie bekommen können.“

          Suche nach Rendite um jeden Preis, kaum noch Angst vor Risiken – wenn beides zusammenkommt, ist an den Finanzmärkten oft eines nicht mehr fern: die Gefahr einer Preisblase. Dies ist die Angst, die sich hinter den verklausulierten Sätzen der Bundesbank verbirgt und die auch viele Profianleger derzeit umtreibt: dass die Kurse von Unternehmensanleihen in naher Zukunft kräftig fallen könnten. Richtig gehört, von Unternehmensanleihen. Denn auch wenn derzeit alle Welt besonders auf die Rekordjagd am Aktienmarkt schaut und über die Möglichkeit eines Rückschlags debattiert, macht sich die Mehrzahl der Profis ganz andere Sorgen: In einer Umfrage der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors gaben fast 70 Prozent an, dass sie die größte Gefahr einer Blase bei Anleihen sehen - und zwar mitnichten nur bei Staatsanleihen, sondern mindestens genauso bei Firmenanleihen.

          Kein Puffer gegen Verluste

          Nun könnte sich mancher Privatanleger fragen: Was bitte hat dies mit mir zu tun? Eine ganze Menge. Rund 160 Milliarden Euro haben die Deutschen derzeit in Anleihefonds investiert, die auch auf Firmenanleihen setzen. Und 9,2 Milliarden Euro sind diesen Fonds allein in diesem Jahr zugeflossen. Erleiden Anleihen Kursverluste, trifft das also auch alle Privatanleger, die dort ihr Geld investiert haben.

          Doch was genau bedeutet das eigentlich, eine Blase? Und wie sicher ist es, dass sie gerade auf dem Markt für Firmenanleihen bald zerplatzen wird? Die erste Frage ist leicht zu beantworten - allerdings nur in der Theorie: Eine Blase entwickelt sich stets, wenn der Preis für Wertpapiere kaum noch etwas mit der wirtschaftlichen Lage der Firmen zu tun hat, die die Papiere ausgegeben haben. Platt gesagt: Anleger greifen quasi blind zu und kaufen alles, was sie kriegen können.

          Bild: F.A.Z.

          Die Antwort auf die zweite Frage ist noch schwieriger, ja eigentlich unmöglich. Denn in der Geschichte der Kapitalmärkte hat sich eines stets gezeigt: Wann genau eine Blase zum Zerbersten kommt, weiß im Vorhinein niemand. Kein leichtes Geschäft also. So kann auch bei Firmenanleihen niemand sagen, wann genau es zum großen Knall kommen wird. Aber es gibt Indizien dafür, dass es so kommen wird.

          Das erste Indiz beschreibt Vermögensverwalter Herrmann so: „Bei vielen Anleihen erhalten Anleger kaum noch eine Kompensation für das Risiko, das sie eingehen.“ Ein Beispiel: Die jüngste Anleihe des Chemiekonzerns BASF bietet Investoren bei fünfjähriger Laufzeit gerade einmal einen Zinskupon von 1,5 Prozent. Nun zählt das Unternehmen zu den solidesten der Bundesrepublik - wo soll da das Risiko sein? Ganz einfach: Bei einem so niedrigen Zinssatz reicht schon ein minimaler Kursrückgang von mehr als 1,5 Prozent aus, um ein schlechtes Geschäft zu machen - die Einbuße lässt sich durch die Zinseinnahmen dann nicht mehr kompensieren. Mit anderen Worten: Es gibt so gut wie keinen Puffer gegen Verluste.

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