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Unsicherer Kapitalmarkt : Der richtige Schutz vor der aufziehenden Inflation

Absicherung durch Gold: Wie wirksam ist der Inflationsschutz? Bild: dpa

Die Inflation steigt unerwartet stark – wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau. Die Gefahr vor einem Wertverlust breitet sich aus. Doch wie stellen sich Anleger auf höhere Inflationsraten ein?

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          Die Inflation in der Eurozone ist im Dezember überraschend stark gestiegen. Sie betrug 1,1 Prozent nach 0,6 Prozent im November. Deutschland ist von dem Anstieg besonders stark betroffen. Die Inflation lag hier sogar bei 1,7 Prozent. Es sind vor allem die Energiepreise, die im Augenblick die Teuerung treiben – ein unter Umständen vorübergehendes Phänomen. Zum ersten Mal seit längerer Zeit hätten die Inflationsprognosen jedoch „Aufwärtsrisiken“, sagt Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg. Damit stellt sich die Frage, wie Anleger ihr Erspartes vor einem Wertverlust durch Inflation schützen können.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Es ist eine Zäsur, ein Wechsel des Szenarios: Aus einer Phase mit Null-Zins und Null-Inflation geht die Wirtschaft über in eine Phase mit leichter Inflation, einer vermutlich negativen Realrendite für kurzfristige Bankeinlagen und leicht höheren langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt. Erhebliche Unsicherheit gibt es noch, wie hoch genau die „etwas höhere Inflation“ ausfallen wird. Von 0,6 bis 1,9 Prozent Inflation reichen die Prognosen der Bankanalysten für die Eurozone für das Jahr 2017 und von 0,7 bis immerhin 2,0 Prozent für Deutschland. Darauf heißt es sich einzustellen.

          Viele Menschen denken nur an Gold oder Immobilien, wenn sie Angst vor der Inflation haben und ihr Geld schützen wollen. Dabei können auch Aktien gegen Inflation absichern. „Bei hoher Inflation ist Realvermögen besser als Nominalvermögen“, hebt das Bankhaus Metzler gern hervor. Das heißt: Lieber in Aktien investieren als in festverzinsliche Wertpapiere aller Art. Steigt das Preisniveau, fallen auch die Gewinne der Unternehmen tendenziell höher aus. Damit erhöht sich (bei gleichem Kurs-Gewinn-Verhältnis) der Aktienkurs. Im täglichen Marktbericht riet Metzler am Mittwoch risikobewussten Anlegern entsprechend zu „dividendenstarken deutschen Aktien“.

          Inflation erhöht Unsicherheit und belastet Konjunktur

          Empirisch zeigt sich allerdings: In Zeiten mit sehr hoher Inflation verlieren auch Aktien an Wert. Inflation erhöhe die Unsicherheit, das belaste die Konjunktur, erklärt das Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. So stiegen die Kurse in der Hyperinflation in den Zwanzigern in Deutschland – dem Extremfall – zwar auf dem Papier. Auch Aktien waren auf einmal Billionen Mark wert. Zugleich verlor die Währung aber deutlich stärker an Wert. Wenn man die Kurse der Aktien dieser Zeit in Dollar verfolgt, sind sie deutlich gesunken. Trotzdem fuhren Aktienbesitzer immer noch besser als Besitzer von Staatsanleihen. Im Moment aber geht es ja nur um leichte Inflation.

          Die Credit Suisse hat zwei Phasen mit etwas höherer Inflation untersucht: die siebziger und die späten achtziger Jahre. Das Ergebnis: Entscheidend ist, ob es sich um Inflation mit Wirtschaftswachstum oder ohne Wachstum handelt. Ist die Inflation hoch, aber die Wirtschaft wächst, wie das in den späten Achtzigern der Fall war, entwickeln sich die Aktienkurse recht erfreulich. Dann sind Aktien erheblich rentabler als etwa Anleihen. In einer Phase mit hoher Inflation und wenig Wachstum hingegen, der sogenannten Stagflation, bieten Aktien keinen guten Schutz, analysierte die Bank.

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