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Umfragen : Die Anleger sind wieder zuversichtlicher geworden

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Sowohl die Stimmung der institutionellen wie auch die der privaten Investoren hat sich verbessert. Doch beide Gruppen bleiben vorsichtig.

          3 Min.

          Die Stimmung der Investoren hat sich wieder aufgehellt. Die jüngste Umfrage unter Fondsmanagern durch Bank of America Merrill Lynch ergibt, dass diese Anleger den Ausblick für die Weltwirtschaft und die Gewinne der Unternehmen nun weniger pessimistisch einschätzen als noch im Juli.

          Demnach erwartet netto 5 Prozent der Befragten, dass sich die konjunkturelle Lage im nächsten Jahr verbessern dürfte. Dies heißt, dass der Anteil der Optimisten um diesen Prozentsatz höher ist als derjenige der Pessimisten. Noch im Vormonat gingen per Saldo 12 Prozent Fondsmanager von einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung aus.

          Geographische Verschiebung des Konjunkturpessimismus'

          Auch die Sorgen über eine abermalige Rezession haben im August nachgelassen. Netto 78 Prozent der Befragten halten einen solchen „Double Dip“ für unwahrscheinlich. Zuvor waren es noch 70 Prozent.

          „Die Investoren bleiben vorsichtig, doch ihr Pessimismus hat sich von Europa und China weggewandt und konzentriert sich nun auf Japan und die Vereinigten Staaten“, sagt Michael Hartnett, Chefstratege für Aktien weltweit von Bank of America Merrill Lynch.

          Dabei habe sich die Stimmung der Investoren mit Blick auf Europa in den vergangenen Monaten deutlich gebessert, was wiederum von einem größeren Optimismus für Europas Banken untermauert worden sei. Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr, denn während sich die Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten verschlechtert haben, fallen sie hier in Europa und insbesondere in Deutschland deutlich besser aus, wie zuletzt das überraschend starke deutsche Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent im zweiten Quartal zeigte.

          Die Briten und die Schwellenländer

          Netto 11 Prozent der Investoren haben deswegen Aktien aus dem Euro-Raum in ihren Portfolios übergewichtet - der höchste Wert seit Oktober des Jahres 2009. Dies vergleicht sich mit netto 10 Prozent der Befragten, die im Monat zuvor diese Aktien noch untergewichtet hielten. Für britische Aktien sind die Fondsmanager so optimistisch wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Der Anteil amerikanischer und japanischer Aktien in den Portfolios hat dagegen deutlich abgenommen.

          Die höhere Zuversicht spiegelt sich auch in der Aufteilung der Portfolios nach Anlageklassen. Insgesamt halten die Fondsmanager im August nach den Ergebnissen der Umfrage deutlich weniger Liquidität als noch im Juli. Und während der Anteil der Aktien in den Portfolios gestiegen ist, investieren die Fondsexperten nun weniger in Anleihen.

          Anlagen in Schwellenländern sind beliebter geworden, da die Bedenken über eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaft stark nachgelassen haben. Diese verbesserte Stimmung sei durch stärkere Investments in Rohstoffe unterstützt worden, heißt es von Bank of America Merrill Lynch.

          Technologieaktien bevorzugt

          Auch unter Branchenaspekten schlägt sich die positivere Stimmung nieder. Technologieaktien bleiben am beliebtesten. Am stärksten sind aber die Positionen in Industrie- und Bankaktien ausgebaut worden, zu Lasten der defensiven Pharmatitel und Versorgeraktien.Trotzdem sind Bankenwerte weiterhin unbeliebt, netto 19 Prozent der Fondsmanager gewichten sie unter, nach zuvor 28 Prozent.

          An der monatlichen Umfrage haben 187 Fondsmanager teilgenommen, die zusammen auf der ganzen Welt 513 Milliarden Dollar verwalten. Sie endete am vergangenen Donnerstag. Die skeptischere Konjunktureinschätzung der amerikanischen Notenbank Fed, welche die langfristigen Zinsen hierzulande auf ein Rekordtief hat fallen lassen, fiel in diesen Zeitraum.

          Privatanleger in Lauerstellung

          Gleichwohl scheinen auch Privatanleger wieder zuversichtlicher zu sein. Dies zeigt zumindest das Investmentbarometer von J.P. Morgan Asset Management für Juli an. Demnach erwarten 47 Prozent der deutschen Anleger, dass sich der Aktienmarkt in den kommenden sechs Monaten positiv entwickeln wird.

          Im Mai lag dieser Wert noch bei 23 Prozent. Damals habe die Skepsis darüber überwogen, ob sich der Aktienmarkt von der Euro-Krise schnell erholen könne, heißt es von J.P. Morgan Asset Management. Noch im Mai hatten die Börsenpessimisten mit einem Anteil von 36 Prozent erstmals seit Juni 2009 wieder die Oberhand über die Optimisten gewonnen.

          Trotz der verbesserten Stimmung bleibt allerdings die Anlagebereitschaft der deutschen Privatanleger konstant. Etwas mehr als ein Drittel der Befragten planen demnach in den nächsten sechs Monaten, an der Börse zu investieren. Im Mai lag der Wert kaum tiefer.

          Dies sei ein Zeichen dafür, dass die Anleger noch abwarten würden, heißt es von J.P. Morgan Asset Management. Doch auch Privatanleger wollten weniger Geld auf Spar- und Tagesgeldkonten liegen lassen. Erhöht habe sich ihr Interesse an Fonds. Für das Investmentbarometer wurden im Juli 2000 Deutsche zu ihrem Anlageverhalten und ihrer Investitionsbereitschaft befragt.

          Kerstin Papon

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