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Umfrage : Müssen Stimmungshochs konträr interpretiert werden?

  • Aktualisiert am

Bild: BNP Paribas FX Strategy

Der ZEW-Index zeigt: Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Stimmungshoch. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die Kursentwicklung des Euro hoch. Es stellt sich die Frage, ob der Markt solche Erwartungen nicht längst vorweggenommen hat.

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          Mit einem eindeutigen, wenn auch leichten Kursgewinn reagieren die deutschen Aktien am Dienstag auf den ZEW-Index, der mit 24 im Mai nach 16,5 im April überraschend gut ausgefallen ist und auf diese Weise den anhaltenden Optimismus der deutschen Anleger widerspiegelt.

          Diese Stimmung dürfte kaum verwundern, leitet sie sich doch prozyklisch aus der guten Entwicklung der Börse - der Dax liegt mit einem Plus von knapp 16 Prozent seit Jahresbeginn an der Spitze der wichtigsten europäischen Börsenindizes - und der positiven konjunkturellen Entwicklung in der Region ab. Das europäische Wirtschaftswachstum lag im vergangenen Jahr bei 2,7 Prozent und dürfte nach Expertenschätzungen auch im laufenden Jahr ähnlich hoch ausfallen. Immerhin sind die Auftragsbestände und auch die Eingänge stark.

          Stimmungshoch in der Wirtschaft: Wachstum von der Exportnachfrage getragen

          Allerdings wird das Wachstum stark von der Exportnachfrage getragen und weniger vom Binnenmarkt. Nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds gründet die außergewöhnlich starke Entwicklung des deutschen Exports überwiegend auf zwei Faktoren: der globalen Wirtschaftsentwicklung, die die Nachfrage auf den klassischen deutschen Exportmärkten beflügelte, und der Verlagerung von Teilen der Produktion in Niedriglohnländer, die den hiesigen Unternehmen Kostenvorteile verschaffte. In der Kombination beider Gründe haben die Deutschen es geschafft, mehr als andere Länder von der starken Weltkonjunktur zu profitieren.

          Gleichzeitig trugen in den vergangenen Jahren vergleichsweise niedrige Lohnsteigerungen dazu bei, dass Deutschland gegenüber den Partnern im Euroraum Wettbewerbsvorteile erlangte und Marktanteile gewinnen konnte. Der damit erreichte Aufschwung begünstigt nun über die steigende deutsche Einfuhr wiederum die anderen Euro-Staaten.

          Es fragt sich nur, wie lange diese Entwicklung wird anhalten können. Immerhin beeinträchtigt der starke Euro ebenso die internationale Wettbewerbsfähigkeit wie die teilweise ambitionierten Lohnabschlüsse. Diese dürften vor allem in Bereichen schwierig werden, die keine Produktivitätsfortschritte erzielen können, deren Produkte nicht oder nur bedingt international handelbar sind oder in denen der Wettbewerb beschränkt ist. Das gilt vor allem auch für den Öffentlichen Dienst und den Dienstleistungssektor generell.

          Hohe Erwartungen an die Kursentwicklung des Euro

          Umfragen und Stimmungsindikatoren gehen davon aus, dass der Euro gegen den Dollar weiter zulegen wird. Solche Erwartungen werden von der Wahrnehmung geleitet, die Europäische Zentralbank werde den Leitzins weiter nach oben nehmen, während die amerikanische gleichzeitig aufgrund einer konjunkturellen Schwäche stillhalten oder den Leitzins gar senken werde. Gleichzeitig scheinen viele Staaten ihre Währungsreserven breiter als bisher diversifizieren zu wollen, was in der Tendenz eine Umschichtung von Dollar in Euro, Yen und Pfund bedeuten könnte.

          Allerdings stellt sich die Frage, ob der Markt solche Erwartungen nicht längst vorweggenommen hat. Immerhin zeigt sich der Dollar schon seit Tagen nach dem Erreichen eines neuen Allzeittiefs Ende April relativ robust gegen Euro und Yen. Nach den überraschend starken ZEW-Zahlen legt er im Tagesverlauf am Dienstag sogar wieder leicht zu. Das legt die Vermutung nahe, die Trends der vergangenen Jahre könnten schon weit gelaufen sein.

          Immerhin blicken die internationalen Fondsmanager zumindest nach der jüngsten Ausgabe der BNP Paribas / I&PE Investment Managers' Expectations Indicators etwas skeptischer als bisher sowohl auf Aktien als auch auf europäische Anleihen. Vor allem bei den europäischen Rentenmärkten spricht das Chartbild für sich. Grundsätzlich lässt sich überlegen, ob sich die Weltwirtschaft tatsächlich wird von der amerikanischen Konjunkturschwäche wird abkoppeln können. Immerhin gehen bisher viele der in Asien hergestellten Produkte in die Vereinigten Staaten. Sollte dort die Nachfrage zurückgehen, würde das direkt und indirekt bremsend wirken und könnte über die nachlassende Importnachfrage auch das internationale Dollarangebot reduzieren und den Dollar sich möglicherweise erholen lassen.

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