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Umfrage : Fondsmanager trotzen allen Bedenken

  • Aktualisiert am

Bank of America Merrill Lynch Bild: AP

Trotz aller Bedenken über die Wachstums- und Gewinnaussichten haben Fondsmanager ihren Risikoappetit wieder gewonnen, zeigt eine Umfrage von BofA Merrill Lynch. Sie reduzierten ihre Liquiditätsbestände und investierten in Aktien

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          Professionelle Anleger haben ihren Risikoappetit trotz aller makroökonomischen Bedenken, der Unruhen in Arabien und den Folgen des Erdbebens in Japan zuletzt ihren Risikoappetit wieder gewonnen, so das Ergebnis der Aprilausgabe der einmal monatlich stattfindenden Umfrage von BofA Merrill Lynch unter 199 Fondsmanagern weltweit.

          Sie ignorierten ihre Bedenken in Bezug auf die volkswirtschaftliche und die Gewinnentwicklung der Unternehmen, gingen von anhaltend tiefen Zinsen aus, reduzierten zuletzt ihre Liquiditätsbestände und bauten die Aktienanteile in ihren Portfolios aus - vor allem in den Schwellenländern.

          Viele Fondsmanager setzen auf steigende Aktienkurse

          Der Liquiditätsanteil in ihren Portfolios ist von 4,1 Prozent im März auf 3,7 Prozent gefallen. Nur noch elf Prozent der Befragten haben eine überdurchschnittliche Liquiditätspräferenz, nach 18 Prozent im März. 50 Prozent aller für die Vermögensaufteilung Zuständigen haben Aktien übergewichtet. Vor einem Monat hatte dieser Anteil 45 Prozent betragen.

          Bild: BofA Merrill Lynch

          22 Prozent der befragten Fondsmanager haben Schwellenländeraktien übergewichtet. Im März hatte dieser Wert bei Null gelegen. Nach 21 Prozent im März setzten im April 24 Prozent der Anlageprofis auf steigende Preise im Rohstoffbereich, obwohl nur noch 27 Prozent damit rechnen, dass die Dynamik der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten zunehmen wird. Im Februar hatten satte 58 Prozent der Befragten mit zunehmenden Wirtschaftswachstum in der Welt gerechnet. Zudem rechnen nur noch 19 Prozent mit zunehmenden Unternehmensgewinnen, nach 32 Prozent im März.

          42 Prozent der 199 Fondsmanager rechnen mit einer weltwirtschaftlichen Entwicklung, die unter dem langfristigen Trend liegen werde. Dagegen werde die Inflation über dem Trend liegen, fürchten sie. 29 Prozent gehen davon aus, dass sowohl das Wachstum als auch der Preisauftrieb über dem langfristigen Trend liegen werde. Zusammen genommen führt das dazu, dass sich viele der Fondsmanager gegen inflationäre Risiken absichern, indem sie in den Energiebereich investieren. Dieser Bereich steht bei der Wahl der sektoralen Investitionsmöglichkeiten an erster Stelle. Gleichzeitig jedoch zeigt sich auch eine gewisse Neigung zu defensiven Sektoren, wie etwa dem Pharmabereich.

          Der Wirtschaftsoptimismus steht im Gegensatz zu den Sorgen über die konjunkturelle Entwicklung in China. Immerhin rechneten in der Aprilbefragung 25 Prozent der Fondsmanager damit, dass sich die Wirtschaft Chinas auf Sicht eines Jahres deutlich abkühlen wird. Im März hatten 15 Prozent entsprechende Bedenken. Trotzdem jedoch haben netto 22 Prozent der Fondsmanager die Ansicht, künftig Aktien von asiatischen Unternehmen künftig übergewichten zu wollen.Sie begründen diese Einschätzung mit der Erwartung, die Gewinne dieser Unternehmen werde sich künftig überdurchschnittlich entwickeln. Das gilt für 28 Prozent der befragten Fondsmanager. Regional ist unter Schwellenländeranlegern der asiatische Raum am beliebtesten, während die Papiere der Unternehmen aus Lateinamerika die geringsten Reize auf sie ausüben.

          Optimistischer Blick in die Vereinigten Staaten

          Die Fondsmanager blicken mit zunehmendem Optimismus in die Vereinigten Staaten. Netto 30 Prozent von ihnen haben amerikanische Aktien übergewichtet. Das sind nicht nur mehr als die 23 Prozent vom März, sondern satte 48 Prozent der Fondsmanager gehen davon aus, dass die Gewinnaussichten der amerikanischen Unternehmen die besten weltweit seien. Europäische Anleger werden zwar wachstumsskeptischer. Nach 32 Prozent noch im März rechnen gerade einmal acht Prozent der befragten Fondsmanager in Europa mit zunehmender Wachstumsdynamik in den kommenden zwölf Monaten. Das hat sie jedoch nicht daran gehindert, ihre Liquiditätsbestände von 3,7 auf 3,3 Prozent der Portfolios herunter zu fahren.

          Nach Erdbeben, Tsunami und den Schwierigkeiten mit den Atomkraftwerken haben die Fondsmanager die Wachstumshoffnungen in Bezug auf Japan weitgehend begraben. 18 Prozent der Befragten haben die Aktien von Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne untergewichtet, nachdem im März noch acht Prozent übergewichtet waren. 16 Prozent neigen künftig zu weiteren Verkäufen. Grundsätzlich wollen 49 Prozent der Fondsmanager bei Unternehmen mehr Investitionen sehen. Gerade noch zwölf Prozent wollen, dass sie die Qualität ihrer Bilanzen verbessern.

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