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Umfrage : Fondsmanager reduzieren ihren Risikoappetit

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Fondsmanager verringern das Risiko in ihren Portfolios, weil sie mit steigenden Zinsen im Amerika und einem geringen globalen Wachstum rechen, so die Kernaussage der von Merrill Lynch in 2005 unter 319 Fondsmanagern weltweit.

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          Fondsmanager verringern das Risiko in ihren Portfolios, weil sie erwarten, daß die amerikanische Notenbank die Zinszügel anziehen könnte und weil sie geradezu unnachgiebig niedrige Erwartungen für das globale Wachstum haben, so lautet die Kernaussage der ersten weltweiten Umfrage von Merrill Lynch im Jahr 2005 unter 319 Fondsmanagern.

          Die Aktienfondsmanager sehen den neutralen Zinssatz in Amerika inzwischen bei 3,4 Prozent, nach drei Prozent noch vor sechs Monaten. Die Rentenfondsmanager sehen ihn sogar bei 3,5 Prozent. Der risikoneutrale Satz ist jener, bei welchem die Geldpolitik weder stimulativ noch dämpfend ist. Die Änderung dieser Wahrnehmung hat auch Konsequenzen für ihr Verhalten, denn sie positionieren sich defensiver.

          Fondsmanager werden defensiver

          „Die defensiven Äußerungen der Mitglieder des zinsentscheidenden Gremiums der amerikanischen Zentralbank haben die Fondsmanager ihre Einschätzung überdenken lassen,“ sagte David Bowers, Chef-Anlagestratege bei Merrill Lynch. „Dies dürfte sie dazu gebracht haben, sich tendenziell aus den zyklischen Sektoren zu verabschieden und sich defensiver zu positionieren,“ erklärte er weiter. Die Fondsmanager zögerten, ihre Wachstumserwartungen zu erhöhen, obwohl die jüngsten Konjunkturzahlen recht gut gewesen seien.

          71 Prozent der Befragten beschreiben die amerikanische Geldpolitik als zu stimulierend und rechnen damit, daß die Kerninflationsrate in einem Jahr höher sein wird als aktuell. Zum ersten Mal seit sechs Monaten scheinen steigende Löhne in Verbindung mit einer fallen Produktivität ein größeres Inflationsproblem darzustellen als der Effekt steigender Rohstoffpreise. 31 Prozent der Befragten argumentierten auf diese Weise, 27 Prozent betrachteten steigende Preise bei Rohstoffen als „Kernpreisproblem“.

          Aktien trotzdem übergewichtet

          Zunehmende Zinssorgen und das sture Festhalten an geringen Wachstumserwartungen haben zu einer Reduktion der Risiken in den Portfolios der Fondsmanager geführt. 17 Prozent der Befragten wollen das Beta in ihren Aktienportefeuilles in den kommenden drei Monaten weiter reduzieren. Aktien mit hohen Betas tendieren sowohl nach oben als auch nach unten stärker als der Markt zu reagieren.

          Gleichzeitig werden die Fondsmanager auch immer „kurzsichtiger“. 14 Prozent der Befragten sagen, ihr Zeithorizont sei geringer als normal. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor einem Monat. Aber nur zehn Prozent der Fondsmanager haben einen geringeren Risikoappetit als normal. Nichts desto Trotz setzen sie eher aus Aktien als auf Anleihen. 53 Prozent haben Aktien übergewichtet, 55 Prozent Anleihen untergewichtet. Satte 71 Prozent der Anlageexperten halten Anleihen für überbewertet.

          49 Prozent der Manager möchten von gut verdienenden Unternehmen am liebsten Cash in Form einer Dividende sehen. 12 Prozent sind der Meinung, Unternehmen sollten mit den Gewinnen ihre Bilanzrelationen verbessern, 35 wollen die Investitionstätigkeiten verstärken. Der Widerstand gegen eine höhere Verschuldung mit dem Ziel, die Eigenkapitalrendite bei Unternehmen zu erhöhen, nimmt ab. Nach 61 Prozent der Befragten sind nur noch 56 Prozent dagegen. 35 Prozent würden solche Strategien sogar ausdrücklich begrüßen.

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