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UBS-Markenstrategie : UBS kämpft um deutsche Investoren

  • -Aktualisiert am

Wenn Fondsgesellschaften einen Markt erobern wollen, müssen sie sich anstrengen. UBS lockt mit neuen ETF-Fonds und einem aufpolierten Portfolio.

          John Fraser, Chairman und CEO von UBS Asset Management (UBS AM), hat seinen Stuhl von Peter Wuffli übernommen. Dieser führt jetzt den Gesamtkonzern. Seinem Nachfolger Fraser hingegen fällt die Aufgabe zu, der Vermögensverwaltungssparte den globalen Touch zu verschaffen: Ab 8. April wird sie als „UBS Global Asset Management“ (UBS Global AM) auftreten.

          Die neue Marke soll endlich deutlich machen, was die Schweizer behaupten, längst erreicht zu haben: „Globale Integration und Reichweite.“ Fast gleichzeitig, nämlich im März, startet UBS AM in Deutschland mit neuen börsengehandelten Exchange Traded Funds (XTF-Fonds). Auch dies ein strategischer Schritt, denn der deutsche Markt hält noch lange nicht, was sich die Schweizer von ihm versprochen haben.

          Fonds werden in Deutschland neu positioniert

          Also geben sie sich Mühe, nicht nur im XTF-Segment der Deutschen Börse: „Im Frühjahr werden wir eine Reihe von UBS-Fonds nach deutschem Recht neu positionieren“, sagt Ralf Bendheim, Geschäftsführer von UBS AM in Deutschland. Dazu gehört ein am Index ausgerichteter europäischer Aktienfonds, der im Rahmen der Gewichtung die von UBS-Analysten favorisierten Titel stärker ins Portfolio nimmt. Auch das Konzept eines Strategiefonds für konservative Anleger sei besonders „innovativ“: Entsprechend der Konzernstrategie werde in Aktien und Anleihen investiert, zusätzlich aber auch in nichttraditionelle Anlagen wie Hedge-Fonds. Unternehmensanleihen hoher Qualität sollen in Rentenfonds künftig stärker berücksichtigt werden. Auch die Namensgebung verändert sich: Das Namenskürzel „SMH“ der Privatbank Schröder Münchmeyer Hengst verschwindet zugunsten von „UBS“ aus den Fondsnamen.

          Zunächst aber soll das XTF-Segment, an dem in Frankfurt derzeit etwa 50 Produkte gehandelt werden, um fünf ETF-Produkte der UBS-Tochter Fresco bereichert werden. Für Anleger dürfte vor allem deren Fokus auf US-amerikanische Dow Jones-Indizes von Interesse sein. Trotz neuen Brandings dürfen sie die UBS aber nicht im Namen tragen: Das soll den vorgesehenen Market Makern wie etwa JP Morgan dann doch nicht zugemutet werden. Nach dem Einstieg soll es zügig weiter gehen: „Deutschland ist der größte ETF-Markt in Europa und hat strategische Priorität für uns“, sagt Ralf Bendheim. Mit weiteren Branchen- und Regionenfonds soll die Fresco-Palette bald alle wesentlichen Anlagemärkte abdecken.

          Stetiges, aber langsames Wachstum bei Institutionellen

          Auch institutionelle Kundschaft will UBS AM locken: Während 32 Prozent der institutionellen von der UBS AM verwalteten Vermögen in Höhe von 209 Milliarden Euro aus den USA kommen, 21 Prozent aus Großbritannien, 15 Prozent aus der Schweiz und sieben Prozent aus Japan, fallen deutsche Institutionelle unter die Rubrik Sonstige. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: „Wir wachsen in Deutschland stetig, aber langsam“, gibt auch Ralf Bendheim zu. Denn die deutschen Anbieter verfügen mit ihren Filialnetzen über sehr starke Vertriebsnetze. Auch der Wachstumsmarkt der betrieblichen Altersvorsorge ist nicht leicht zu erobern. Der bislang einzige Kunde spielt immerhin in der Luxusklasse: Mitarbeiter von BMW sollen künftig vom UBS Life Cycle-Modell profitieren.

          Während die Deutschen zum Mitmachen erst animiert werden müssen, kann CEO Fraser auf globaler Ebene aus dem Vollen schöpfen: Jüngst erst wählte die Rating-Agentur S&P die UBS zur „Best Large Fund Group over one year.“ Die Nummer eins im schweizerischen Fondsgeschäft ist gleichzeitig die Nummer zwei in Europa, weltweit belegt sie den neunten Platz. Da ihren Kunden aber nicht immer klar ist, dass sie ihr Vermögen der UBS anvertrauen, soll das neue Branding Abhilfe schaffen.

          Marken wie Brinson Partners, Brinson Advisors und Brinson Canada, zuständig für Nord- und Südamerika, werden verschwinden, ebenso wie die britische Phillips & Drew. „Jedes der künftig unter UBS Global AM firmierenden Unternehmen verfolgt im Kern einen wertorientierten Ansatz“, sagt Ralf Bendheim. Erfolgreiche Varianten bleiben hingegen bestehen: Die weltweit tätige GAM beispielsweise fährt einen Multi-Manager-Ansatz und darf ihren Namen ebenso wie der Hedge Funds-Spezialist O'Connor behalten. Auch die Marken DSI, UBS Timber und UBS Realty bleiben von der Globalisierung verschont.

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