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UBS Deutschland : Exodus der Vermögensverwalter

Von der UBS in Frankfurt zu Harald Quandt Trust in Bad Homburg

Von der UBS in Frankfurt zu Harald Quandt Trust in Bad Homburg Bild: Claus Setzer

Rund 20 Betreuer sehr vermögender Kunden verlassen die UBS Deutschland und schließen sich der Vermögensverwaltung von Harald Quandt Trust an. Über die Gründe der ungewöhnlichen Abwanderung sind zwei Versionen im Umlauf.

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          Wertpapierhändler in Investmentbanken wechseln gelegentlich in Gruppen den Arbeitgeber. Bei Vermögensverwaltern kommt dies selten vor. Umso bemerkenswerter ist der Exodus von rund 20 Beratern und Analysten sehr vermögender Kunden, die ihren Arbeitsplatz bei der UBS Deutschland aufgeben, um am Taunushang mit der in Bad Homburg ansässigen Harald Quandt Trust einen neuen Arbeitgeber zu finden. Wie zu hören ist, verlassen weitere Mitarbeiter die UBS, die sich nicht Harald Quandt Trust anschließen. Eine Sprecherin der UBS bestätigte lediglich, dass Mitarbeiter gekündigt hätten.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Über die Hintergründe der spektakulären Abwanderung sind unterschiedliche Versionen im Umlauf. So ist zu hören, dass die meisten Abgänge sich aus Enttäuschung über die Unmöglichkeit erklären, zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen zu verbinden. Hierzu bedarf es eines kurzen Rückblicks.

          Management-Buy-out für Sauerborn kam nicht zustande

          Der Vermögensverwalter Sauerborn galt Ende 2004, als das Unternehmen von der UBS gekauft wurde, als das größte konzernunabhängige Family-Office für die Betreuung sehr vermögender Kunden in Deutschland. Sauerborn, an dem zuvor unter anderem Harald Quandt Trust beteiligt war, hatte damals 90 Mitarbeiter und ein verwaltetes Kundenvermögen von mehr als 6 Milliarden Euro. Reinhard Panse, der zuvor im Vorstand von Sauerborn gesessen hatte, wurde Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung von UBS in Deutschland. Panse gehört jetzt zu jenen, die zu Harald Quandt wechseln. Ebenfalls nach Bad Homburg zieht es Adalbert von Uckermann, der früher für Rothschild und T-Online gearbeitet hatte.

          Die auf Unabhängigkeit und eigenen Investmentansatz ausgerichtete Kultur von Sauerborn und die Kultur der Großbank UBS, die zudem durch einige unruhige Jahre gegangen ist, hätten nicht zueinander gepasst, ist zu hören. So war vor wenigen Jahren ein Management-Buy-out für Sauerborn erwogen worden, der allerdings nicht zustande kam. Bis ins vergangene Jahr wurde dann über die Möglichkeit verhandelt, Sauerborn nicht als Abteilung innerhalb der UBS zu führen, sondern als eine Tochtergesellschaft mit einer bestimmten Autonomie zu organisieren. Diese Überlegungen wurden, wie zu hören ist, im November 2010 eingestellt. Danach entschlossen sich die enttäuschten Mitarbeiter, die UBS zu verlassen. Sie kündigten zum 31. März 2011; angeblich wurden mehrere Manager bereits vorher freigestellt.

          Strategische Neuausrichtung nicht mittragen

          Aus dem Umfeld der UBS ist die Version zu hören, die nun ausgeschiedenen Mitarbeiter hätten eine seit Monaten erarbeitete und in ihren Grundgedanken bis ins Jahr 2005 zurückreichende strategische Neuausrichtung des Geschäfts mit sehr vermögenden Kunden leider nicht mittragen wollen. Mitarbeitern der UBS wurde ein Text an die Hand gegeben, der Argumentationshilfen für Anfragen von Kunden liefern soll und der dieser Zeitung in Kopie vorliegt.

          21 ehemalige Mitarbeiter der UBS sollen unterdessen Arbeitsverträge bei Harald Quandt Trust unterschrieben haben und dort spätestens im Herbst ihre neue Arbeit antreten. Die am Bad Homburger Hardtwald ansässige Vermögensverwaltung entstammt aus der Verwaltung des Vermögens des Ende der sechziger Jahre tödlich verunglückten Industriellen Harald Quandt, der eine Frau und fünf Töchter hinterließ. Aus der Verwaltung eines Familienvermögens hat sich längst eine Verwaltung auch für fremde Familienvermögen entwickelt, deren Gesamtvolumen bei mehr als 10 Milliarden Dollar liegt. Bisher ist nicht bekannt, dass der Wechsel der UBS-Mitarbeiter zu Quandt einen Wechsel von UBS-Kunden zur Folge hatte.

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