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Unzulängliche Branchenstandards : Der ewige Streit um die Fondsgebühren

  • -Aktualisiert am

Wer zahlt für seine zerstörte Kunst? Künstler Tobias Rehberger im von ihm gestalteten Club Nu Soul Bild: action press

Trotz der Einführung von Branchenstandards bleibt eine Grauzone. So können Fondsgesellschaften Anleger mit Ausgaben belasten, selbst wenn diese nicht in ihrem Interesse liegen.

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          Ein Fall am Finanzplatz Frankfurt beschäftigt derzeit nicht nur die Banker, sondern auch Kunstszene, Kommunalpolitik und selbst die Justiz. Im Ostend sollte der Musikclub Nu Soul Stimmung in das Viertel bringen, bevor die Europäische Zentralbank (EZB) dort hinzieht. Doch die Clubbetreiber und der Eigentümer, die zu 94,9 Prozent der Deka gehörende West Invest, zerstritten sich so, dass der Vermieter den Club räumen ließ und dabei die Inneneinrichtung unwiederbringlich zerstört wurde. Das geschah im Jahr 2012 und könnte längst Historie sein. Dumm nur: Die Inneneinrichtung stammte von Tobias Rehberger, einem der angesagtesten Installationskünstler, mit dessen Kunstwerken sich auch die Deka in ihrem Turm in Frankfurt ziert.

          Einen Vergleich lehnte die Deka bisher ab. Immerhin fordern die Clubbetreiber 2,95 Millionen Euro Schadensersatz. Stattdessen bot der Anwalt der Deka vor Gericht an, den Clubbetreibern eine Lästigkeitsprämie zu zahlen. Wie auch immer der Fall ausgeht, er dürfte für die Deka teuer werden. Wirklich für die Deka? Es könnte sein, dass am Ende die Anleger des offenen Immobilien-Spezialfonds West Invest Spezial 1 für die Unnachgiebigkeit des Deka-Vorstandsvorsitzenden Michael Rüdiger aufkommen.

          Erfolgsbeteiligung, Verwaltungsgebühr, Ausgabeaufschläge, Depotbankgebühren – Fondsanleger müssen viele Gebühren ertragen. Oft liegen die pauschalen Verwaltungsgebühren zwischen 1,5 und 2 Prozent. Damit jedoch ist es meist nicht getan. Zusätzlich belastet die Fondsgesellschaft die Anleger oft mit weiteren Gebühren, ohne dass sie dies ohne weiteres merken. Denn viele Ausgaben werden nicht sofort ausgewiesen, sondern schmälern zunächst nur die Rendite des Fonds.

          Eine pauschale Gebühr deckt die meisten Kosten ab

          Welche Gebühren die Fondsgesellschaft selbst tragen muss und welche sie auf die Anleger abwälzen kann, ist geregelt. Dennoch besteht ein Graubereich. In der Gewinn- und Verlustrechnung eines Fonds fließen auf der Erlösseite die Einnahmen eines Fonds hinein, beispielsweise Kuponzahlungen, Dividenden oder Mieteinnahmen, je nachdem. Bei den Aufwendungen fällt die Verwaltungsgebühr an, die der Fondsgesellschaft zufließt. Daneben gibt es weitere Aufwendungen, zum Beispiel Vergütungen, die an Dritte, zum Beispiel an die Depotbank, zu zahlen sind. Punkt 4 im Standard des Branchenverbands BVI nennt zudem Depot- und Kontogebühren, Druck und Versand der Fondsdokumente, Bekanntmachung der Jahres- und Halbjahresberichte, Abschlussprüfer, Rechts- und Steuerberatung oder auch Kosten für die Geltendmachung und Durchsetzung von Rechtsansprüchen sowie der „Abwehr von gegen die Gesellschaft zu Lasten des Sondervermögens erhobenen Ansprüchen“.

          Um die einzelnen Fonds einigermaßen vergleichbar zu machen, hat sich die Fondsbranche auf Mindeststandards geeinigt. So erhält die Fondsgesellschaft für die Verwaltung des Sondervermögens, wie Fonds juristisch genannt werden, eine jährliche Vergütung. Dann muss der Fonds weitere Vergütungen zahlen, „zum Beispiel in den Fällen, in denen für das Sondervermögen gerichtlich oder außergerichtlich streitige Ansprüche durchgesetzt werden“, heißt es in Punkt 1.b des BVI-Papiers. Erhebt die Fondsgesellschaft eine pauschale Gebühr, deckt diese die meisten Kosten ab.

          Wann gesetzliche Vorgaben nicht greifen

          Im Namen der Vergleichbarkeit hat die Fondsbranche zudem die TER eingeführt. Das Kürzel steht für Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote und soll alle Kosten als Prozentsatz des durchschnittlichen Fondsvolumens angeben, mit denen innerhalb eines Geschäftsjahres der Fonds belastet wurde. Somit legt eine Fondsgesellschaft die TER nicht ein für allemal fest. Sie ergibt sich vielmehr im Prinzip erst im Nachhinein anhand der tatsächlich angefallenen Kosten.

          Die Branchenstandards helfen dem Anleger im Zweifel wenig, besonders dann wenn seine Altersvorsorgeeinrichtung in Spezialfonds investiert. „Fondsanbieter und Anleger können vertraglich vereinbaren, dass bestimmte gesetzliche Vorgaben nicht oder nur in abgewandelter Form gelten“, sagt Uwe Siemon, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Frankfurt. Selbst wenn der Vorstand einer Fondsgesellschaft sich gerne vor Gericht streitet und das die Anleger viel Geld kostet, könnte er damit durchkommen, wenn solche Prozesse im Vertrag mit den Anlegern nicht ausgeschlossen sind.

          „Zulässig wäre ein solches Vorgehen wohl in jedem Fall, wenn die Kosten nicht dem Fonds zusätzlich belastet werden“, meint Siemon. „Will die Fondsgeschäftsführung den Fonds und damit die Anleger mit Kosten belasten, zum Beispiel für die Durchsetzung von Mietforderungen des Fonds, kann sie das im Regelfall nur, wenn die Maßnahme objektiv betrachtet auch tatsächlich im Interesse des Fonds und damit im uneingeschränkten Anlegerinteresse liegt.“

          Die Deka wiederum hält sich mit Aussagen mit Verweis auf das laufende Verfahren zurück. „Die Klage ist haltlos, die Vorwürfe sind falsch“, teilt ein Sprecher mit. Für Anleger lohnt es sich jedoch, Fondsunterlagen etwas genauer zu lesen. Sonst müssen sie im Zweifel für die Eitelkeiten der Fondsverantwortlichen zahlen.

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