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Trading : Am Gespür der Profis teilhaben

Ayondo-Gründer Julian Handte und Manuel Heyden Bild: Setzer, Claus

Auf Ayondo.com spekulieren Profis vornehmlich mit Währungen. Dabei kann nicht nur jeder zusehen - sondern auch durch Imitation teilhaben. Die Gründer wollen das Geschäft verstärkt im Bereich Rohstoffe und Aktienindizes ausbauen.

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          „Seagirl 1“ hat eine hohe Affinität zum Euro. Nicht nur, weil sie ihn mit sich im Portemonnaie herumträgt, nein, sie spekuliert auch mit ihm. Mal setzt sie auf einen steigenden Eurokurs gegenüber dem Dollar, mal auf einen sinkenden. Unter dem Strich hat sie damit Erfolg. Um mehr als 20 Prozent ist ihr Depotwert seit dem Jahresanfang gestiegen. Was sie mit ihrem Geld macht, kann jeder sehen - und nachahmen. Denn „Seagirl 1“ ist zertifizierte Traderin bei Ayondo.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch Julian Handte bezeichnet sich als Trader. Das sind Menschen, die intensiv an den Kapitalmärkten spekulieren und dabei von kurzfristigen Preisänderungen profitieren wollen. „Das Trading ist meine Leidenschaft. Das ist ein Beruf, den kann man noch mit 80 Jahren ausüben, egal, wo man lebt, Tag und Nacht. Man muss sich nur den Laptop schnappen, und los geht es“, sagt der 39 Jahre alte Handte. „Letztlich habe ich aber nirgendwo eine Plattform gefunden, die das Können von erfolgreichen Tradern transparent macht.“

          Die Erfogreichen ins Rampenlicht holen

          Manuel Heyden bezeichnet sich ebenfalls als Trader. Für die niederländische ABN Amro Bank hat er Entscheidungshilfetools für Trader entwickelt. Letztlich weitergeholfen haben sie aber weder ihm noch Handte. Deshalb haben die beiden im Herbst 2008 Ayondo gegründet.

          „Wir wussten, dass es in Deutschland einige tausend spekulativ orientierte Anleger gibt, dass aber nach allen Studien rund 90 Prozent davon chronisch Verluste machen“, sagt Handte, der Betriebswirtschaft mit Soziologie und Psychologie studiert hat. „Uns hat interessiert, was die zehn Prozent anders machen, die Erfolg haben. Die wollten wir ans Licht der Öffentlichkeit holen.“

          Zu diesem Zweck gründeten sie die Internetseite ayondo.com. Dort tummeln sich mittlerweile mehr als 4000 Nutzer. „Es gibt in Deutschland rund 5000 Menschen, die nur davon leben, zu Hause am Computer zu sitzen und zu handeln“, sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler Heyden.

          Partizipieren am Erfolg der Anderen

          Mit Ayondo haben sie nun einen Anreiz bekommen, ihr Tun öffentlich zu machen. Jeder kann auf der Internetseite seine Handelsaktivitäten sichtbar machen. Wer möchte, kann sich auch zertifizieren lassen. Dafür muss über drei Monate bewiesen werden, dass mit moderatem Risiko erfolgreich und kontinuierlich gehandelt wird.

          20 zertifizierte Ayondo-Trader gibt es mittlerweile, mehr als 50 sind im Zertifizierungsprozess. Ist ein Trader erst einmal zertifiziert, kann er künftig von seinem Erfolg zusätzlich profitieren. Andere Ayondo-Nutzer können sich ihm einfach per Mausklick anschließen. Setzt zum Beispiel „Seagirl 1“ auf einen steigenden Euro, so tun dies die ihr angeschlossenen Nutzer automatisch auch. Wird die Spekulation erfolgreich abgeschlossen, zahlt jeder angeschlossene Nutzer dafür einen Euro - 50 Cent gehen an „Seagirl 1“, und 50 Cent bekommt Ayondo.

          Da die meisten Trader ihre Transaktionen nur auf kurze Zeiträume innerhalb eines Handelstages angelegt haben, kommen bei „Seagirl 1“ häufiger mal fünf erfolgreiche Handelsgeschäfte am Tag zusammen. Je mehr Ayondo-Nutzer ihr nachfolgen, desto höher ist ihr Zusatznutzen. Und natürlich profitiert auch Ayondo selbst.

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