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Teuer und anfällig : Vorsicht, Zertifikat!

„Banken haben in ihren Geschäftsbedingungen Gummiklauseln“

Die Besitzer eines Zertifikats der Commerzbank beispielsweise kamen monatelang nicht mehr an ihr Geld. Sie hatten ein Zertifikat gekauft, um damit von den Gewinnen einiger Hedge-Fonds zu profitieren, die in einem Index zusammengefasst waren. Doch die Commerzbank setzte die Zertifikate am 15. Dezember 2008 vom Handel aus – und verwies auf sogenannte „Marktstörungen“. Schließlich seien die Werte vieler zugrundeliegender Fonds unzuverlässig. Das war während der Finanzkrise der Jahre 2008 tatsächlich so. Nach Angaben der Börse werden die Zertifikate aber bis heute nicht wieder gehandelt.

So geht es häufiger. Anleger können ihr Zertifikat längst nicht immer dann verkaufen, wenn sie das möchten. Denn in der Praxis sind Zertifikate fast nur dann handelbar, wenn die Bank dafür auch einen Kurs anbietet. Und das geschieht nicht immer. „Die Banken haben in ihren Geschäftsbedingungen Gummiklauseln wie die Marktstörungen“, sagt der Rechtsanwalt Peter Mattil.

SEB setzte bald den Handel aus

Einige seiner Fälle haben es bis vor Gericht geschafft. Zum Beispiel einer, an dem die schwedische SEB-Bank beteiligt war. Es ging um ein Zertifikat auf Hedge-Fonds des berüchtigten Managers Florian Homm. Als der seinen Rücktritt erklärte, verkauften viele Anleger ihre Anteile an dessen Hedge-Fonds. Für die Besitzer von Zertifikaten war das aber schwieriger. Die SEB setzte bald den Handel aus. Sie sah eine „Marktstörung“ und hatte dafür folgende Begründung: „Eine Fortsetzung der Anlagestrategien der den Basiswerten mittelbar zugrunde liegenden Zielfonds war in Frage gestellt.“ Vor der Aussetzung war das Zertifikat mehr als 100 Euro wert gewesen, hinterher zahlte die SEB nach eigenen Angaben nicht mal 34 Euro.

Solche Probleme gibt es zumindest in milderer Form immer wieder. Daten der Zertifikatebörse Scoach zufolge ermitteln die Emittenten während der Handelszeiten der Börse durchschnittlich für jedes 50. Zertifikat keine Kurse. Das trifft häufig gerade die Zertifikate, die sich heftig bewegen und in denen Anleger gerade gerne handeln würden. Gelegentlich wird sogar ein Zertifikat aus dem Handel genommen, das die Erträge mehrerer Aktien zusammenfasst, weil eine dieser Aktien gerade keinen Kurs hat.

Die meisten herkömmlichen Börsenindizes und Fonds sind da deutlich robuster: Auch wenn mal eine Aktie vom Handel ausgesetzt ist, werden die Indizes weiter berechnet, die meisten Fonds bleiben im Handel. Wenn der Fondsmanager wechselt, wird nicht etwa der Fonds vom Handel ausgesetzt – wie im Fall des Hedge-Fonds-Zertifikats –, sondern Anleger können ihre Anteile zurückgeben. „Bei Fonds kommen derartige Probleme nicht so oft vor“, sagt Anlegeranwalt Mattil. Die seien in einem Sondervermögen, also sei klar, worauf der Anleger Anspruch hat. „Bei einem Zertifikat haben Sie aber erst mal mit den Aktien überhaupt nichts zu tun, Sie haben nur einen Anspruch gegen die Bank.“

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