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Templeton Growth Fund : Wie Murdo Murchison 27 Milliarden Euro managt

Murdo Murchison: „Es reicht, wenn zwei von drei Ideen aufgehen” Bild: F.A.Z.-Wolfgang Eilmes

Murdo Murchison verwaltet den größten Aktienfonds in Deutschland, den Templeton Growth Fund. Langfristig erzielt er eine gute Rendite, nimmt aber mehrmonatige Schwächephasen in Kauf. Schnelle Gewinne gibt es woanders.

          Zu früh verkauft - welcher Anleger kennt das nicht: Kaum ist die Aktie aus dem eigenen Depot gestrichen, schießt der Kurs nach oben. Auch Profis passiert das. Murdo Murchison etwa. Er ist Manager des Templeton Growth Fund, des größten Aktienfonds, den es in Deutschland für Privatanleger zu kaufen gibt. 27 Milliarden Euro verwaltet er dabei.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sein Fehlgriff war vor einigen Jahren die italienische Bank San Paolo Imi. Nach dem Kauf halbierte sich der Kurs. Als er endlich wieder den Einstandspreis erreicht hatte, verkaufte Murchison ohne Gewinn. „Der Markt hatte eine schlechte Meinung über die Aktie. Ich dachte, ich bin zu optimistisch“, erzählt der Fondsmanager. Der Kurs verdoppelte sich danach noch einmal, Murchison hatte zu früh verkauft.

          „Es war mir eine Lehre: Ändere deine Meinung nicht, wenn sie vorher wohlbegründet war. Und akzeptiere gleichzeitig, dass du manchmal damit falsch liegst. Es reicht ja, wenn zwei von drei Ideen aufgehen“, sagt Murchison heute.

          „Starke Nerven zeigen und Ruhe bewahren“

          Mit diesem Ansatz war der Fonds bisher nicht nur beim Geldeinsammeln erfolgreich, sondern auch in der Wertentwicklung. Langfristig ist er besser als ihr Vergleichsmaßstab, der MSCI Welt-Aktienindex. In den vergangenen zehn Jahren hat der Fonds trotz des großen Kurseinbruchs nach der Jahrtausendwende im Durchschnitt jedes Jahr um 9,2 Prozent zugelegt, der Index nur 6,9 Prozent. Seit der Gründung 1954 gewann das Flaggschiff von Templeton sogar jährlich 12 Prozent hinzu.

          Der Fonds investiert in Aktien von unterbewerteten Unternehmen in den Industrieländern der ganzen Welt. Ein wesentliches Erfolgsgeheimnis ist dabei der lange Atem, den Murdo Murchison besitzt. „Die größte Herausforderung für Fondsmanager ist, starke Nerven zu zeigen und Ruhe zu bewahren, wenn die Kurse fallen. Die meisten folgen der Mehrheitsmeinung und verkaufen zu schnell“, warnt Murchison. „Wir behalten hingegen auch Aktien, mit denen wir 30 Prozent verloren haben. Solange wir Potential für den Wert sehen.“ Der Fondsmanager setzt nicht auf kurz-, sondern auf langfristige Rendite. Sein Ziel sind 100 Prozent in fünf Jahren. Dazwischen dürfen Aktien auch für einige Monate schlecht laufen.

          „Fondsmanager denken oft zu eng“

          So wie bei den Siemens-Aktien, die Murchison 2005 kaufte und damit anfangs kaum Gewinne erzielte. Es war das Jahr der ersten Hiobsbotschaften in dem Elektronikkonzern. Mittlerweile, nach der unternehmerischen Wende mit sehr guten Geschäftszahlen, hat sich die Anlage gelohnt.

          Beim Kauf von Aktien der Nachrichtenagentur Reuters war es noch extremer. Minus 40 Prozent standen 2003 zeitweise zu Buche, danach hat sich der Kurs verdoppelt. Murchison hielt an beiden Aktien fest, weil sie seiner Ansicht nach im Vergleich zu den Geschäftsaussichten zu billig waren. Er glaubte der Mehrheitsmeinung nicht.

          Für solche Entscheidungen ist er verantwortlich. Er bestimmt, wann und in welchem Umfang eine vorher im Team ausgewählte Aktie ge- und verkauft wird. Er muss dabei das Gesamtrisiko des Fonds im Auge behalten. Zu viel Anteile an einem Wert sind riskant. Und er muss die großen Trends verfolgen. „Fondsmanager denken oft zu eng“, sagt Murchison. Er liest mehrere Stunden jeden Tag, derzeit etwa über die Höhe der Ölreserven, die Zukunft der Landwirtschaft und den Wassermangel auf der Welt.

          100 bis 180 Aktien auf der „Schnäppchenliste“

          Welche Aktien gekauft werden, entscheidet et zusammen mit etwa 30 Analysten von Templeton, die die Werte beobachten und in Edinburgh, Fort Lauderdale in Florida, Hongkong und in Nassau auf den Bahamas sitzen. Er selbst analysiert Finanz- und Technologietitel sowie Haushalts- und Konsumgüter.

          Er schaut sich dabei gerne die Jahresberichte an. Von Unternehmensbesuchen hält er immer weniger. „Die Konzernchefs sind teils auch gut geschulte Verkaufsleute. Da erfährt man zu wenig, zumal verschärfte Gesetze sie daran hindern, Details zu nennen“, klagt Murchison.

          Zweimal in der Woche bespricht das Team in einer einstündigen Telefonkonferenz interessante Aktien. Und bei Bedarf auch zwischendurch. Das Ergebnis ist eine Liste von 100 bis 180 Aktien, die bei Gelegenheit gekauft werden. Was bei der Auswahl zählt, ist der Preis der Aktie. Ist er zu niedrig unter Berücksichtigung der langfristigen Geschäftsaussichten, ist das Papier interessant. Murchison spricht daher auch von einer „Schnäppchenliste“. Wer da drauf kommt, wird meist im Konsens entschieden, andernfalls hat die Chefin des Research, Cindy Sweeting, das letzte Wort und nicht etwa Murchison.

          „Vor allem für langfristig orientierte Anleger“

          Durch die Orientierung an der langfristigen Rendite nimmt Murchison eine kurzfristige unterdurchschnittliche Wertentwicklung in Kauf. Beim Fondsanalysehaus Feri hat ihn das das beste Rating gekostet. Der Templeton Growth Fund ist dort mit der zweitbesten Note B bewertet. Denn in den vergangenen Jahren hat sich der Fonds nur in etwa mit dem Marktdurchschnitt entwickelt.

          „Seine Stärken hat der Fonds in fallenden und seitwärts notierenden Märkten. Dann kommt es nämlich besonders auf eine gute Auswahl der Einzeltitel an“, sagt Feri-Analyst Christian Michel. Das sah man nach der Jahrtausendwende, als die Börsenkurse einbrachen, während sich der Fonds vergleichsweise gut hielt.

          Zudem liegt eine große Stärke in dem geringen Risiko des Fonds. „Diese Stärke kann er derzeit nicht ausspielen, weil die Kurse steigen“, sagt Michel. Für ihn ist klar: „Der Templeton Growth Fund ist vor allem für vorsichtige und langfristig orientierte Anleger geeignet.“ Schnelle Gewinne, aber auch Verluste gibt es also woanders.

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