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Templeton-Fondsmanager Boersma : „Wir kaufen Bankaktien“

  • Aktualisiert am

Herr über fünf Milliarden Euro: Templeton-Manager Boersma Bild: Felix Schmitt

Norm Boersma, Fondsmanager bei Templeton, spricht über den besonderen Charme abgestürzter Aktien und seine Vorliebe für Europa.

          4 Min.

          Herr Boersma, Sie steuern den Templeton Growth Fund, einen der größten Aktienfonds der Welt. Ist die Zeit der Erholung für Europas Aktienmärkte vorbei?

          Was haben Sie erwartet? Natürlich konnten die Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) die Stimmung an den Märkten zunächst verbessern. Aber es war aus meiner Sicht klar, dass diese Rallye nicht lange anhalten konnte. Dazu ist die Lage in den südeuropäischen Ländern weiter zu schwierig, der Sparzwang zu hoch - das zeigt allein schon die Situation in Spanien. Der Geldsegen der Zentralbanken hat die Probleme kurzfristig in den Hintergrund gerückt, jetzt sind sie wieder da. Geldspritzen allein helfen eben nicht.

          Vergleich von 2007 bis 2012

          Das klingt nicht optimistisch. Trotzdem investieren Sie weiter in europäische Aktien, Sie haben die Papiere sogar übergewichtet. Wie passt das zusammen?

          Das mag auf den ersten Blick erstaunlich sein: Aber aus unserer Sicht passt das sehr gut. Denn speziell die europäischen Börsen bieten derzeit etwas, worüber sich Anleger freuen sollten: Volatilität.

          Meinen Sie das ernst? Sie finden es also gut, dass europäische Aktien stark im Kurs schwanken?

          Ja. Wissen Sie, eines kann ich wirklich nicht verstehen: Dass sich Anleger darüber beklagen, dass die Aktienkurse stark ausschlagen. Genau das ist es doch, woraus wir Investoren unseren Vorteil ziehen: Bewegen sich die Kurse kaum, lässt sich auch nichts verdienen. Und wenn alle Aktienkurse gleichmäßig in eine Richtung klettern, kann sich ein professioneller Investor ebenfalls nicht auszeichnen. Das geht nur, wenn Sie besondere Chancen bei einer Aktie entdecken, die die übrigen Marktteilnehmer übersehen. Die beste Bedingung dafür ist Volatilität.

          Daran herrscht ja zurzeit kein Mangel. Wo in Europa sehen Sie denn besondere Chancen?

          Bei Bankaktien zum Beispiel. Wir haben keine deutschen Geldhäuser im Portfolio, dafür aber Anteile an Banken in Frankreich und in Nordeuropa. Auch in Italien haben wir uns an einigen Instituten beteiligt.

          Italienische Banken mitten in der Schuldenkrise? Manchem Privatanleger dürfte allein bei dem Gedanken schwindelig werden.

          Klar, das erscheint intuitiv als falsch. Aber es entspricht exakt unserer Anlagephilosophie: Aktien dann zu kaufen, wenn alle anderen sie verschmähen - das ist der Grundsatz des sogenannten Value-Investing, dem wir bei Templeton seit mehr als 50 Jahren folgen. Bei Banktiteln waren wir übrigens auch lange sehr skeptisch. Aber selbst wenn das viele Marktteilnehmer so nicht wahrhaben wollen: Seit der Pleite von Lehman Brothers 2008 hat sich die Situation der Institute klar verbessert.

          Woran machen Sie das fest? Europas Banken sind die Probleme doch noch immer nicht los.

          Natürlich sind viele Institute weiterhin angeschlagen. Aber im Vergleich zu 2008 zeigen sie sich wesentlich stabiler: Die Umschuldung Griechenlands war so etwas wie ein einziger großer Stresstest. Den haben die meisten Banken zwar nicht mit Bravour bestanden, aber immerhin: Sie haben ihn bestanden. Und die EZB-Kapitalspritzen verschaffen zusätzlich Luft. Das Verrückte aber ist: Diese Verbesserungen spiegeln sich in den Kursen überhaupt nicht wider. Wichtige Kenngrößen wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis sind auf dem gleichen Stand wie 2008. Mit anderen Worten: Bankaktien sind außerordentlich billig. Da mussten wir einfach zugreifen.

          Sehen Sie denn gar keine Risiken?

          Natürlich, viel hängt vom weiteren Verlauf der Euro-Krise ab. Darum achte ich vor allem auf eines: Keine Bankaktie darf einen Anteil von mehr als 0,5 Prozent im Portfolio erhalten - so ist das Risiko besser gestreut. Insgesamt machen Banken bei uns sechs Prozent aus.

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