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Südkorea : Technologieaktien und Banken treiben Südkoreas Börse

  • Aktualisiert am

Fonds bauen auf die koreanische Wirtschaft Bild: dpa

Südkorea-Fonds sind einer der heißesten Tipps für Risikofreudige. Der Tigerstaat kann von einer anziehenden Weltwirtschaft überproportional profitieren.

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          Der Kospi (Korea Composite Stock Price Index) zeigt seit rund drei Monaten wieder steil nach oben. Kein Wunder: Weltweit haben die Märkte längst begonnen, auf den kommenden Aufschwung zu spekulieren - und gerade Südkorea wird diesen schnell verspüren. Nach einer langen Nachfrageschwäche ist das exportorientierte Land auf belebende Impulse aus seinen wichtigsten Abnehmermärkten USA, Japan und Europa angewiesen. Die allerdings scheint die Regierung schon fest einkalkuliert zu haben: Vor wenigen Wochen hat sie für das Jahr 2002 ein Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent prognostiziert.

          An der Börse sind es folglich die Exportwerte, die im Gefolge optimistischer Konjunkturnachrichten und unterstützt durch die schwache Landeswährung den Index nach oben ziehen, wie zum Beispiel die Aktien des Automobilgiganten Hyundai Motor. Die größten Chancen wittern Fondsmanager jedoch in den Branchen Technologie, Finanzdienstleistungen und Telekommunikation, die in praktisch jedem Korea-Portfolio derzeit am höchsten gewichtet sind. Vor allem die Elektronik, verantwortlich für nahezu 40 Prozent aller südkoreanischen Exporte, dürfte beim Aufschwung eine wichtige Rolle spielen.

          Samsung Favorit im Portfolio

          Dem weltgrößten Halbleiterproduzenten Samsung Electronics gebührt dabei die Favoritenrolle, seine Aktie führt beispielsweise im Baring Korea Trust-Fonds mit knapp zehn Prozent des Fondsvolumens die Liste der Top-Holdings an. Mit einem Kursgewinn von rund 100 Prozent sind die Kursverluste vom 11. September bereits weit überkompensiert worden. Jüngst sorgte Samsung erneut für Impulse: Bereits zum zweiten Mal im laufenden Monat erhöhte der Konzern die Preise für Halbleiter.

          Damit gilt das Unternehmen als Vorreiter im Chip-Sektor, wo häufig nicht einmal mehr die Herstellungskosten an die Kunden weitergegeben werden können. Am Erfolg oder Misserfolg von Samsungs Preispolitik wird sich daher die künftige Entwicklung ablesen lassen. Zusätzliche Fantasie gewinnt der Sektor aus dem noch ungewissen Schicksal von Hynix Semiconductor, der ehemaligen Hyundai Electronics. Im Januar, so die Hoffnungen, könnte der stark verschuldete Chiphersteller möglicherweise vom US-Konkurrenten Micron übernommen werden. Von einer solchen Konsolidierung würde die gesamte, durch Überkapazitäten belastete Branche profitieren.

          Auch die Bankenlandschaft des Tigerstaats gerät durch Mergers in Bewegung, allen voran durch die Fusion der Kookmin Bank mit der Housing & Commercial Bank. Das weiterhin als Kookmin Bank firmierende Institut ist unter anderem im Invesco GT Korea Fund die aktuelle Top-Holding. Aus guten Gründen: Schon vor der Verschmelzung waren die beiden Häuser die größten und gesündesten in ihrem Land. Auch die Regierung hatte den Deal unterstützt: Seither verfügt das Land über ein Institut, das zu den 100 größten weltweit gehört und dank seiner Größe auch die weitere Konsolidierung beschleunigen wird. Seit kurzem ist es an der New York Stock Exchange gelistet und profitiert davon, dass zahlreiche Kunden ihre Gelder von gefährdeteren Häusern abziehen und sie dem Branchenführer anvertrauen. Weitere Anwärter auf einen Platz unter den Top 100 der Banken stehen daher ebenfalls zu Fusionen bereit, so zum Beispiel die Koram Bank, ein weiteres wichtiges Asset im Korea-Fonds der Invesco.

          Gut gefahren mit Korea-Fonds

          Den Chancen stehen zwar enorme Risiken gegenüber, doch bislang sind Korea-Portfolios ausgesprochen gut gelaufen. Im vergangenen Monat brachten es sechs spezialisierte Fondsprodukte im Mittel auf ein Plus von 21,3 Prozent, wie die Statistik von Standard & Poor's ausweist. Auf zwölf Monate gesehen lag der Zuwachs bei 30,2 Prozent. Wer schon vor drei Jahren Fondsanteile erwarb, ist mit dem Baring Korea Trust am besten gefahren: Dessen Anteile sind um 180 Prozent im Wert gestiegen. Produkte von Dresdner Bank, Fidelity, Invesco und Scudder kamen auf jeweils rund 100 Prozent, nur der Templeton Korea blieb mit 30 Prozent weit unter den Möglichkeiten des aufstrebenden koreanischen Marktes.

          Trotz seiner Chancen bleibt dieser aber ein Tummelplatz für Risikofreudige, denn Aktien- und Fondspreise sind nach wie vor ein Produkt von Börsianerfantasien: Halbleiter sorgen, auch bei Samsung Electronics, weiterhin für Verluste. Hynix, drittgrößter Chipproduzent weltweit, wird trotz erdrückender Schuldenlast noch immer von der Regierung gestützt, auch wenn die Branche viel für die schon lange hinausgezögerte Pleite geben würde.

          Und die Banken stehen weiter unter politischem Einfluss: Er zwingt sie, den stark verschuldeten koreanischen Konzernen immer wieder unter die Arme zu greifen. Wem der anhaltende Anstieg des Kospi dennoch Vertrauen einflößt, der sollte ein weiteres Phänomen des koreanischen Marktes im Auge behalten: Die schwache Währung sorgt für einen beträchtlichen Handelsbilanzüberschuss und damit für hohe Liquidität im Lande. Der Aktienmarkt nimmt sie begierig auf: Die Kurse steigen, auch wenn keiner so genau die Risiken kennt.

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