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Strategie : Was setzt sich durch: Wachstums- oder Inflationssorgen?

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Nach vielen Monaten mit beinahe eindeutigen Trends kann man es seit ein paar Wochen aufgrund der aufgekommenen Volatilität nun beinahe machen wie man will, man liegt daneben. Inflations- stehen im Clinch mit Wachstumssorgen.

          Nach vielen Monaten mit beinahe eindeutigen Trends kann man es seit ein paar Wochen nun beinahe machen wie man will, man liegt daneben. Setzt man auf steigende Börsen, so fallen sie prompt. Und umgekehrt mit den Anleihen.

          Nicht nur der die amerikanische Notenbank scheint auf die Beobachtung der einlaufenden Konjunkturdaten zu setzen, sondern die Anleger tun das noch in viel extremerem Sinne. Hatte sie noch bis vor kurzem kein Wässerchen trüben können, so nehmen sie inzwischen jeden konjunkturellen Strohhalm, um entweder auf „eine robuste Entwicklung“ zu setzen. Die wiederum würde inflationäre Gefahren implizieren und die Notenbanken möglicherweise zu unerwartet starken Zinserhöhungen zwingen.

          Robuste Konjunkturentwicklung mit entsprechender Zinsphantasie ...

          Das wäre für die Rentenmärkte nicht sonderlich gut, könnte dagegen die Börsen wieder nach oben bringen. Denn eine robuste Wirtschaftsentwicklung würde einerseits die Gewinne der Unternehmen hoch halten, andererseits jedoch auch die Preise aufgrund der angespannten Lage bei den Rohstoffen und möglicherweise auch am Arbeitsmarkt treiben. Auch der Dollar könnte zumindest vorübergehend von einer gewissen Zinsphantasie profitieren.

          Dagegen wird das Spiel gerade anders herum gedreht, wenn Konjunkturdaten negativ interpretiert werden. Das zeigt sich am Freitag, nachdem die Anzahl der neu geschaffenen Stellen am amerikanischen Arbeitsmarkt unerwartet schwach ausgefallen sind und die Produktivitäts- und Lohnkostendaten revidiert wurden. Nun habe die Notenbank (Fed) eine Inflationssorge weniger, da die Daten eine Abschwächung des amerikanischen Wachstums signalisierten, heißt es. Prompt wird die Schwäche der Aktien nicht mehr mit Inflationssorgen begründet, sondern mit der Antizipierung einer konjunkturellen Abschwächung, die sich auch in nachgebenden Vertrauensindizes und einem schwachen Wohnungsbau manifestierten.

          Da nun die Fed bei der nächsten Sitzung am 28./29. Juni möglicherweise die Zinsen bei den gegenwärtigen fünf Prozent belassen werde, gehen die Anleihen in Europa und Amerika durch die Decke. Sie dürften einerseits vom anstehenden Wochenende profitieren, vor dem Händler nach schwachen Tagen ihre Gewinne sicherten, indem sie ihre Positionen glattstellten, so die Vermutung. Möglicherweise spekulieren manche jedoch auch auf eine deutlichere Abschwächung der Konjunktur und darauf, daß die Inflations- und Zinssorgen der vergangenen Wochen überzogen gewesen sein mögen.

          ... oder weiter aufkommende Wachstumssorgen?

          Das würde aber bedeuten, daß die Gewinnerwartungen der Aktienanleger ebenfalls zu hoch wären und daß die Aktien auf Basis überoptimistischer Gewinnschätzungen nur optisch attraktiv wären. Auf diese Weise könnten die Rentenmärkte auch von jenen Anlegern Rückenwind erhalten, die aus Aktien in Anleihen umschichteten. Sehr wahrscheinlich würden sie ihr Kapital auch aus den Schwellenländern und den Rohstoffmärkten zurückziehen und sicherer parken. Denn in diesen spekulativ erhitzten Regionen und Sektoren müßte sich schwächeres Wachstum indirekt bemerkbar machen. Auf Basis dieses Szenarios könnte sich bei Anlegern die in den vergangenen Wochen etablierte Tendenz fortsetzen, den Risikoappetit zu reduzieren. Mit entsprechenden Konsequenzen, die sich in jüngster Zeit abzeichneten.

          Welches der beiden Kernszenarien sich durchsetzt - Inflation, Stagnation oder gar Stagflation - scheint noch nicht klar zu sein. Auf der einen Seite ist das Wachstum der Überschußliquidität nach einer Analyse von Morgan Stanley zum ersten Mal seit längerer Zeit negativ geworden und deutet auf eine restriktivere Geldpolitik hin. Gleichzeitig ist die Liquidität absolut betrachtet noch sehr hoch, kann für allerlei Ärger sorgen und gehört aus diesem Grund abgeschöpft. Aus diesem Grund dürften Anleihen eigentlich nicht sonderlich attraktiv sein, vor allem nicht in Europa, wo die Zentralbank den Zinserhöhungszyklus noch nicht abgeschlossen hat.

          Der Blick auf die Vergangenheit zeigt jedoch, daß eine restriktiver werdende Geldpolitik immer wieder zu Turbulenzen und höherer Volatilität geführt hat. Sie haben sich in den vergangenen Tagen in Ansätzen schon angedeutet. Sollte sie sich fortsetzen, könnten Cash und Rentenpapiere gewisse taktische Reize für Anleger entwickeln.

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