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Strategie : Value-at-Risk hilft dem Anleger kaum weiter

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In Europa boomen die Märkte mit derivativen Produkten. Privatanleger werden bombardiert mit Angeboten. Aber sie sind oft intransparent, da hilft auch der Value-at-Risk-Ansatz nicht viel weiter, denn er übersieht wichtige Aspekte.

          In Europa boomen die Märkte mit derivativen Produkten. Die Privatanleger werden geradezu bombardiert mit einer ständig größer werdenden Anzahl von verbrieften Angeboten, die alle eines gemeinsam haben: Sie versprechen ihnen das Blaue vom Himmel.

          Von enorm hohen Renditen bis hin zu völliger Sicherheit bei attraktiver Verzinsung wird alles beworben wie saures Bier, was man sich auch nur wünschen kann. Dabei wird kein Produktspektrum ausgelassen, angefangen vom aggressiven Hebelprodukt auf Aktien, dem Festgeldersatz in Form von Diskontpapieren, über den Hamster-Warrant auf Devisen und dem ultimativen Angebot im Rohstoffbereich bis hin zum allerletzten Schrei im Zinsbereich.

          Strukturierte Produkte - eine Goldgrube für die Anleger oder die Emittenten?

          Selbst der Naivste scheint zu spüren, daß das so nicht alles stimmen kann, was gerne verbreitet wird. Im Gegenteil, wenn das Geschäft derart rasant ausgebaut wird, so drängt sich unmittelbar die Frage auf, ob es nicht eher eine Goldgrube für die Emittenten ist, als für die Anleger. Nicht umsonst gibt es unter der Hand immer wieder Informationen darüber, wo gerade wieder ein sogenanntes Rip-Off-Zertifikat plaziert wurde. Das sind jene Produkte, die den Anbietern und Vermittlern zwar üppige Einnahmen generieren, die die Anleger dagegen aufgrund des ungünstigen Chancen-Risikoverhältnisses mit hoher Wahrscheinlichkeit im Regen stehen lassen werden.

          So dürften während der Baisse einige überaus schlechte Erfahrungen mit Aktienanleihen gemacht haben. Das hindert aber offensichtlich viele nicht daran, die Papiere heute als „risikoarmen Ersatz für Geldmarktanlagen“ zu bezeichnen. Allerdings dürfte es kaum verwundern, daß Anleger viele dieser strukturierten Produkte aufgrund von verbrannten Fingern und der Intransparenz kritisch betrachten.

          Aus diesem Grund haben sich fünf große Zertifikate-Emittenten zusammengetan und haben sich eine Klassifizierung für das Risikopotential von Zertifikaten einfallen lassen. Für jedes Zertifikat wird eine Risiko-Kennzahl ermittelt, die dem Anleger zeigen soll, wie riskant das betrachtete Papier ist. Dabei wird das so genannte Value-at-Risk (VaR) errechnet. Das ist nichts anderes, als der größtmögliche Verlust, den ein Anleger mit dem betrachteten Zertifikat unter bestimmten Vorraussetzungen einfahren kann.

          Versuch der Risikoeinordnung ist zwar löblich...

          Auf diese Weise lassen sich die Zertifikate in verschiedene Risikokategorien einordnen, angefangen von „sicherheitsorientiert“ über „begrenzt risikobereit“ bis hin zu „spekulativ“. So werden die unterschiedlichsten Produkte zumindest unter Risikoaspekten vergleichbarer als bisher.

          Das klingt nicht schlecht. Immerhin wird das VaR-Prinzip im professionellen Derivate-Handel schon lange verwendet. Allerdings stößt es nicht überall auf Zustimmung. Denn manche Marktteilnehmer, die eher Anlageprodukte im Vordergrund sehen, meinen, für die Zertifikate-Kategorie sei die VaR-Kennzahl von geringer Aussagekraft, da sie eher für langfristige Anlagedauer konstruiert wären. Diese Kritik mag etwas oberflächlich sein.

          Es gibt aber auch fundamentalere Argumente. Sie stoßen sich daran, daß die VaR stark von der Volatilität abhängt. Erstens ist das Risiko im Gegensatz dazu an sich asymmetrisch, zweitens wird das Risiko insbesondere in Zeiten tiefer Volatilitäten unterschätzt. Denn die Volatilität kehrt langfristig in der Regel zu einem Mittelwert zurück - und damit kann das Risiko deutlich zunehmen, auch wenn es die Zertifikateverkäufer nicht gerne hören wollen.

          Abgesehen davon wird das „Wertniveau“ des Basiswertes nicht berücksichtigt. So ist es insbesondere in Zeiten tiefer Volatilitäten äußerst zweifelhaft, Diskontzertifikate auf offensichtlich überbewertete Aktien zu verkaufen. Denn in diesem Fall kann der Anleger gleich zweifach ins Messer laufen: Erstens indem die Volatilität steigt, zweitens indem die Aktie auf ein vernünftigeres Bewertungsniveau zurückkehrt.

          ...aber in der Umsetzung völlig unzureichend

          Außerdem ignoriert der VaR-Ansatz Liquiditätsrisiken. Sie können insbesondere dann entstehen, wenn es an den Finanzmärkten kriselt. In solchen Situationen kann es schwierig bis unmöglich werden, wenig gängige Werte zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen. Das gilt auch für derivative Produkte auf exotische Underlyings. Der Privatanleger wird zwar in der Regel mit der Bank handeln wollen. Sie jedoch wird Schwierigkeiten haben, sich zu hedgen und entsprechend schlechte Preise stellen.

          In diesem Sinne mag der VaR-Ansatz zwar an sich löblich sein. Aber er hilft den Anlegern nur bedingt weiter. Für sie dürfte bei der Wahl der Anlageinstrumente vor allem eines gelten: Je einfacher und je transparenter, desto besser.

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