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Strategie : Staatsfonds warnt vor weltweiter Stagnation

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Nach Ansicht des staatlichen Investmentfonds von Singapur droht der Weltwirtschaft eine Stagnation. Solche Aussagen stehen im Gegensatz zu Prognosen, die vom Vorübergehen der Krise und der raschen Erholungen der Konjunktur ausgehen.

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          Selbst angesichts der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten ist der Optimismus unter den Wertpapierverkäufern unbesiegbar. Realwirtschaftlich spiele die Krise keine Rolle, nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen seien die Aktien günstig, insbesondere die Papiere in den Schwellenländern böten nach Panikverkäufen ausgezeichnete Chancen, heißt es.

          Die Aktienanalysten von S&P gehen sogar davon aus, dass sich die Gewinne des Finanzsektors in den kommenden Monaten rasch und deutlich erholen werden. Der operative Ertrag der S&P-500-Unternehmen je Aktie werde in den kommenden Monaten deutlich zunehmen und neue Rekordwerte erreichen, prognostizieren sie.

          Droht der Weltwirtschaft eine Stagnation á la Japan?

          Allerdings sind nicht alle so optimistisch. Nach Ansicht des staatlichen Investmentfonds von Singapur droht der Weltwirtschaft eine Stagnation wie sie im so genannten „verlorenen Jahrzehnt“ in Japan zu beobachten gewesen war. Faktisch dauerte die Stagnation sogar mehrere Jahrzehnte. Denn nach Wachstumsraten des japanischen Bruttoinlandsproduktes von zehn bis 20 Prozent in den 60er und 70er Jahren gingen sie in den Jahrzehnten danach zurück, die verfügbaren Einkommen nahmen immer weniger zu und wurden schließlich sogar negativ.

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          Die Immobilienpreise gaben im Rahmen einer deflationären Spirale auf breiter Front nach und der Nikkei Index fiel von knapp 39.000 Zählern im Dezember des Jahres 1989 bis im April des Jahres 2004 um bis zu 80 Prozent. Es folgte eine wirtschaftliche Stagnation, von der sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erst nach einem Jahrzehnt erholen konnte.

          Dagegen konnten fiskalpolitische Maßnahmen und auch eine ultra-lockere Geldpolitik mit den bis heute extrem tiefen Zinsen nicht ankommen, da die angeschlagenen Banken nicht in der Lage waren, diese an ihre Kunden weiter zu geben. In diesem Sinne ist die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten mit der japanischen vor Jahren vergleichbar. So sind etwa auch dort die Hypothekensätze trotz tiefer Leitzinsen relativ hoch.

          Kreditklemme könnte sich weiter verschärfen

          Die Turbulenzen an den Finanzmärkten dürften das Wachstum weiter belasten und die Fähigkeit der Politik beschneiden, die Krise im Finanzsystem zu bewältigen. In den nächsten Jahren werde die Weltwirtschaft daher voraussichtlich nur langsam wachsen, erklärte Tony Tan, stellvertretender Chairman der Government of Singapore Investment Corp.

          Bislang hat die Politik versucht, die Wahrscheinlichkeit einer Deflationsspirale wie in Japan zu verringern, doch die Anpassung könnte Jahre dauern und sehr schmerzhaft sein“, sagte Tan auf einer Rede in Genf. „Auf kurze Sicht wird der Prozess der Entschuldung und Deflation in den Vereinigten Staaten und anderen entwickelten Volkswirtschaften vielerorts den Druck auf die Konjunktur erhöhen.“ Populistische und protektionistische Tendenzen in der Politik dürften in der Folge wachsen.

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