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Strategie : Rohstoffe - attraktiv mit langfristiger Perspektive

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Bild: bhpbilliton

An den Finanzmärkten tobt ein liquiditätsgetriebener Kaufrausch. Risiken scheinen kaum noch wahrgenommen zu werden. Wirklich attraktiv scheinen langfristig Rohstoffe zu sein. Zumindest bei einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung.

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          An den Börsen toben die Bullen, in den vergangenen Tagen scheint sogar so etwas wie eine Kaufpanik ausgebrochen zu sein. Die Wirtschaftsteilnehmer sind optimistisch wie lange nicht mehr und das hat längst auf die Börsianer übergegriffen. Das zeigte sich unter anderem an der jüngsten Umfrage von Merrill Lynch unter Fondsmanagern weltweit. Sie sind so stark in Aktien investiert wie schon lange nicht mehr.

          Der Hintergrund scheint klar zu sein. Denn auf der einen Seite scheint sich die Weltwirtschaft robust zu entwickeln auf der anderen sind die Zinsen weltweit tief und die Geldmengen zum Teil extrem groß. Das heißt, es ist unheimlich viel Geld unterwegs auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Diese Entwicklung hat nicht nur die Renditen an den Rentenmärkten weltweit nach unten getrieben, sondern befeuert nun schon seit Monaten auch die Börsen mit unterschiedlicher Intensität.

          Liquiditätsgetriebene Kaufpanik treibt die Finanzmärkte nach oben

          Allerdings stellt sich die Frage, wo das alles noch hinführen soll, wenn die Zentralbanken nicht deutlich auf die Bremse treten sollten. Wollen sie, blind auf viel zu eng definierte und oft auch noch verzerrte Inflationsindizes starrend, nach völlig überbewerteten Anleihen nun auch noch die Aktien völlig nach oben überschießen lassen bis sie ebenfalls überteuert sind? Langsam wird man sich diese Frage wohl stellen müssen. Denn in diesem Fall dürfte nach der Euphorie die Ernüchterung folgen.

          Denn die tiefen Zinsen haben weltweit zu gigantischen Ungleichgewichten geführt. Völlig überschuldete amerikanische Konsumenten haben mit ihrem Kaufrausch auf Pump zu einem Produktionsboom in Asien geführt. Dort wurden aufgrund der tiefen Zinsen produktive Überkapazitäten geschaffen, die in ihrer deflationären Wirkung weltweit, insbesondere aber auf die frei handelbaren Güter und Dienstleistungen in den Industriestaaten, ausstrahlen. Es fragt sich nur, wie lange sich dort die Nachfrage halten kann, wenn die Löhne nicht steigen können, da die regionale Produktionsbasis aufgrund der deflationären Produktschwemme aus Asien immer mehr unter Druck gerät.

          Insbesondere mit Blick auf die Vereinigten Staaten sprechen das massive und im Trend wachsende Leistungsbilanzdefizit einerseits und die förmlich explodierenden Währungsreserven in Asien für sich. Sollten diese Gelder auch in Verbindung mit den reichlich vorhandenen Ersparnissen in Asien und Europa - die Pro-Kopf-Ersparnis liegt über 50.000 Euro allein in Deutschland - vor einer dreisten Mehrwertsteuererhöhung „verflüssigt“ werden, so dürften steigende Preise kaum zu vermeiden sein.

          Nachfragerausch nach Rohstoffen

          Das zeigt sich schon in einem wirtschaftlichen Teilbereich: den Rohstoffen. Dort machen sich die zunehmenden Infrastrukturinvestitionen in den Schwellenländern in Form steigender Nachfrage bemerkbar und führen zu deutlichen Preissteigerungen. Sollte sich das Wachstum bei den großen Verbrauchern - China ist heute beim Rohstoffverbrauch in Mengen die zweitgrößte Wirtschaftsnation weltweit und verbaut beispielsweise mehr als die Hälfte der Weltproduktion an Zement - aufrecht erhalten lassen, dürfte sich der Rohstoffboom fortsetzen.

          Denn berücksichtigt man die Größe der Bevölkerungen in China, Indien und anderen Schwellenländern einerseits, den Zuwachs beim Rohstoffverbrauch je Kopf bei zunehmender Industrialisierung andererseits (siehe Charts) und unterstellt, daß sich diese Länder mit zunehmendem Wohlstand ähnlich entwickeln werden, so dürften die Rohstoffpreise das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht haben. Das gilt sicherlich auch für die so genannten „Soft Commodities“, die sich bisher preislich kaum bewegt haben. Allerdings wird bei solchen Prognosen eine friktionslos positive Entwicklung weltweit unterstellt.

          Davon sollte man als Anleger nicht ohne weiteres ausgehen, auch wenn momentan alles nach „der besten aller Welten“ aussehen mag. Im Moment „preisen“ die Märkte keinerlei Risiken mehr ein. Dabei gibt es jede Menge an entsprechenden Potentialen: Massive wirtschaftliche Schwierigkeiten in China mit entsprechenden Folgen, politische Risiken - angefangen vom Iran, über Nordkorea, möglichen Spannungen zwischen China und dem Rest Asiens, Konflikten im Wettbewerb um knappe Rohstoffe bis hin zu einer Vogelgrippepandemie. Schließlich könnten sich auch die Zentralbanken genötigt sehen, den entstehenden Exzessen - Überkapazitäten mit deflationären Konsequenzen - den Zinsriegel vorzuschieben.

          In solchen Fällen dürften massive Korrekturen in den spekulativ überhitzten Rohstoffmärkten kaum überraschen. Genau das sollten Anleger bei aller langfristigen Attraktivität wissen, wenn sie sich auf diese Anlageklasse einlassen.

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