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Strategie : Riskante Wette auf die „Rettung“ aus der Krise

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Bild: FAZ.NET

Der Homo Ökonomicus ist Theorie. Sonst würden spekualtive Anleger nicht auf die „ interventionistische Rettung aus der Kreditkrise “ bauen. Denn die notwendige Korrektur von Exzessen läßt sich höchstens verschieben.

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          Das Weltbild der Wirtschafts- und Finanztheorie wird bestimmt vom so genannten Homo Ökonomicus. Das ist ein fiktives Wesen, das - was immer es auch tut -, immer erst anhand von Fakten abwägt, wie es das tut, welchen Nutzen zu welchen Kosten es daraus zieht und welche Alternativen es dazu gibt.

          Das alles ist jedoch pure Theorie. Denn sonst hätte die Werbung keine Wirkung, sonst würden Leute kein Lotto spielen, sonst könnten Anlageberater ihren Kunden nicht immer wieder das Blaue vom Himmel versprechen, sonst käme es an den Finanz- und Vermögensgütermärkten nicht immer wieder zu völlig „irrationalen Überschwängen“, sonst hätten populistische Politiker keine Chance und sonst würde von Zentralbanken nicht erwartet, sie sollten ihre Leitzinsen senken, sobald eine Blase geplatzt und das Kind wieder einmal ins Wasser gefallen ist.

          Populistische Politiker und zu expansive Zentralbanken ....

          Besonders exemplarisch ist die Kombination zwischen den beiden letzten Punkten. Genau diese bewegt sich gegenwärtig auf der großen Bühne der Öffentlichkeit, um die „armen“ amerikanischen Häuslebauer, die Banken und nicht zuletzt auch die „unschuldigen“ Anleger weltweit vor den Folgen der Kreditkrise „zu retten“. Selbst nach einer allenfalls leichten Korrektur der Exzesse berichten öffentlich-rechtlich zwangsalimentierte Fernsehsender panisch von der „Vernichtung von Milliardenvermögen“ und Spekulanten setzen auf den verschwenderischen Einsatz von Steuergeldern und das Öffnen der Geldschleusen, um „Schaden“ abzuwenden.

          Dabei entstand genau der - sofern man überhaupt davon reden kann - gerade dadurch, dass die Zinsen weltweit zu lange zu tief, das Geldmengenwachstum zu ausgeprägt, die Risikoprüfung von Banken und Ratingagenturen „zu lasch“ und die Gier der Konsumenten und Anleger zu groß war. Ohne Rücksicht auf die Ratio nahmen sie Kredite auf und trieben die Preise von Wertpapieren und so genannten Vermögenswerten nach oben. Immer in der Erwartung und Hoffnung, später einen „Dummen“ zu finden, an den sie zu höheren Preisen verkaufen könnten. Längerfristig geht jedoch diese Rechnung nie auf. Denn spätestens dann, wenn die ökonomischen Regeln völlig aus der Balance geraten sind, stockt die Entwicklung.

          ... können die Korrektur von Ungleichgewichts-Exzessen höchstens zeitlich aufschieben

          Sollte die amerikanische Regierung nun „helfend“ einspringen und sollten die internationalen Zentralbanken die Geldschleusen weiterhin zu offen halten, so dürften die Finanzmärkte zwar zumindest kurz- und mittelfristig wieder spekulativen Rückenwind erhalten. Darauf hoffen gegenwärtig einige Anleger. Das zeigt sie nicht nur an den steigenden Börsen (der Dax hat seit seinem jüngsten Zwischentief wieder fünf Prozent zugelegt), sondern auch an der fulminanten Renaissance der Carry Trades.

          Allerdings dürfte das die notwendige Korrektur der Exzesse - sie zeigen sich unter anderem in Form vom Handelsungleichgewichten und rasant steigenden Währungsreserven in den Überschussstaaten - nur aufschieben. Je weiter sie zeitlich heraus geschoben wird, desto größer werden sie und desto dramatischer fiele auch die „finale Korrektur“ aus, sollte sie denn kommen. Insgesamt mag es zwar verlockend sein, kurzfristig auf die „ interventionistische Rettung aus der Krise“ und auf steigende Kurse an den Börsen zu setzen. Allerdings nur im Bewußtsein, sich in einem hoch spekulativen Umfeld zu bewegen.

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