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Strategie : Je länger der Anlagerhorizont, desto wichtiger der Einstiegspreis

  • Aktualisiert am

Bild: S&P/FAZ.NET

„Wer sein Geld langfristig anlegen will, kann mit Aktien nicht viel falsch machen,“ heißt es immer wieder. Allerdings blenden solche Aussagen verschiedene Risiken aus. Vor allem dann, wenn mehrere Effekte zusammenkommen.

          „Wer sein Geld langfristig anlegen will, kann mit Aktien nicht viel falsch machen,“ heißt es immer wieder mit Verweis auf eine langfristige Durchschnittsrendite von sieben oder acht Prozent.

          Solche Argumente sind auf den ersten Blick durchaus einleuchtend, verlieren allerdings bei näherer Betrachtung an Reiz. Denn erstens hängen solche Betrachtungen stark davon ab, welchen Zeithorizont man wählt. Geht man nachträglich von einem relativen Tiefpunkt eines Index aus, so muss die Kursentwicklung danach einfach die längste Zeit gut aussehen.

          Wer teuer kauft, hat das Nachsehen und braucht Geduld

          Anders sieht es jedoch aus, wenn ein Anleger ausgerechnet auf dem absoluten Hoch eines Börsenzyklus und kurz vor einer ausgeprägteren Korrektur kauft. Denn in diesem Falle muss er unter Umständen mehrere Jahre ausharren, bis seine Papiere wieder die Einstandskurse erreicht haben, sofern er sie überhaupt noch im Depot hat.

          Das zeigt sich alleine schon daran, dass Indizes wie der Dax ausgehend vom tiefen Niveau des Jahres 2003 zwar in der Zwischenzeit wieder deutliche Kursgewinne verbuchen konnten. Allerdings befindet er sich selbst nach einem Kursgewinn von rund 200 Prozent in
          Knapp vier Jahren immer noch rund 20 Prozent unter dem im März des Jahres 2000 erreichten Allzeithoch.

          Die Erwartungen in die operative Entwicklung einzelner Unternehmen wie etwa der Deutschen Telekom waren damals ebenso überzogen wie die daraus abgeleiteten Börsenkurse. Anleger werden unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr wahrscheinlich noch sehr, sehr lange warten müssen, bis der Kurs des Papiers wieder das bisherige Allzeithoch wird erreichen können - wenn überhaupt.

          Selbst wer einen diversifizierten Anlageansatz hat, kann den Risiken nicht aus dem Weg gehen. Das zeigen Modellrechnungen von S&P - siehe Chart - die die reale Rendite von Wertpapierkäufen in den Jahren 1929 und 1965 in Abhänigkeit von der Haltedauer zeigen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Wer Aktien zu teuer kauft und sie durch alle zwischenzeitlichen Kurswirren hält, hat praktisch kaum noch eine Aussicht auf eine interessante Realrendite. Solche Beispiele setzen Kontrapunkte zu den immer wieder und gerne präsentierten, optisch schönen Durchschnittsrechnungen von Wertpapierverkäufern ihren Kunden vorgelegt werden.

          Vorsicht, wenn mehrere Effekte zusammenkommen

          Schöne Durchschnittsrechnungen haben ebenso ein Problem, wie die Risikoabschätzung und die Bewertung derivativer Produkte mittels statistischer Modelle: Sie blenden den Basiseffekt aus und sie ignorieren Phänomene, wie die Rückkehr von Größen wie der Volatilität zu langfristigen Mittelwerten. Besondere Vorsicht dürfte dann ratsam werden, wenn solche Effekte zusammenkommen: Eine ambitionierte Bewertung, ausgeprägter Optimismus - er zeigt sich derzeit in extremer Form an der „Chinaeuphorie“ -, extremen hohe Gewinnerwartungen, niedrige Anleiherenditen und Inflationsraten - sie blenden die Preissteigerungen bei so genannten Vermögenswerten wie Immobilien, Wertpapieren oder auch Kunstgegenständen aus - und nicht zuletzt auch extrem tiefe Volatilitäten.

          Denn ausgehend von dieser Ausgangsbasis kann der Anleger langfristig praktisch nur ins Messer laufen. „Denn die Rückkehr von Kursbewegungen zu langfristigen Mittelwerten ist Realität und Theorien über „neue Paradigmen“ sind beinahe immer eine Illusion,“ erläutern kritische Experten immer wieder. In diesem Sinne mag man zwar gegenwärtig weiterhin auf steigende Kurse setzen. Allerdings sollte man das eher als „Trader“ tun, als mit langfristiger Perspektive. Denn der „Trader“ ist bereicht, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, sobald das Blatt sich wendet.

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