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Strategie : Ist die Rezession, die nie begonnen hat, schon vorbei?

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Bild: Dallasfed

Die Erholung der Finanz- und Immobilienwerte führt die Börsen nach oben. Grundsätzlich jedoch scheinen die Gewinnerwartungen ambitioniert zu sein. Skeptiker halten es für unwahrscheinlich, dass es jetzt nur noch aufwärts gehe.

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          „Die Rezession, die noch nicht begonnen hat, ist längst vorbei. Das jedenfalls behaupten all jene Experten, die nie eine Rezession erwartet hatten, schließlich doch davon redeten und die nun darauf bestehen, das Schlimmste sei bereits vorüber,“ beschreibt Helene Meisler von thestreet.com die von ihr telegen wahrgenommene Stimmung an den Finanzmärkten.

          Fakten scheinen keine Rolle mehr zu spielen: Neue Milliardenbelastungen bei der UBS, der Deutschen Bank sowie bei den Landesbanken wurden von den Marktteilnehmern ebenso achselzuckend zur Kenntnis genommen, wie die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Kreditversicherers MBIA durch die Ratingagentur Fitch. Noch vor ein paar Tagen hätte alleine diese Nachricht die Märkte abstürzen lassen.

          Die Erholung der Finanz- und Immobilienwerte führt die Börsen nach oben ...

          Tatsächlich haben die Anleger in den vergangenen Tagen bei Aktien zugegriffen. Der Dax befindet sich inzwischen etwas mehr als zehn Prozent über dem Zwischentief, das er am 17. März bei 6.182 Zählern markiert hatte. Internationale Märkte wie der Hang Seng China Enterprises Index, der isländische ICEX 15, der südkoreanische Kospi-Index oder auch der polnische WIG 20 Index verbuchten in den vergangenen drei Wochen Kursgewinne von bis zu 21 Prozent.

          Besonders beliebt waren und sind die Finanz- und Hypothekenwerte, die die Märkte auch am Montag weiter nach oben führen. Die Papiere der Hypo Real Estate liegen knapp 48 Prozent über ihrem Zwischentief, die der UBS 42 Prozent, die von Sumitomo Realty & Development 41 Prozent und schließlich konnten die Anteilsscheine von Bear Stearns in den vergangenen Tagen satte 118 Prozent zulegen. Besonders ausgeprägt ist die Kurserholung der Finanz- und Immobilienwerte in den Vereinigten Staaten. Dagegen fallen sie in Großbritannien und Spanien unterdurchschnittlich aus. Die Anleger scheinen davon auszugehen, dass die Krise in den Vereinigten Staaten schon weiter „abgearbeitet“ ist als in anderen Regionen.

          Der aufgefrischte Risikoappetit zeigt sich nicht nur an den Börsen, sondern auch am Devisenmarkt. Nach einer Zwischenerholung geben Währungen wie der japanische Yen und der Schweizer Franken gegen den Euro schon wieder seit Tagen nach. Der Yen hat seit Mitte des vergangenen Monats 5,3 Prozent seines Wertes verloren und der Schweizer Franken 2,5 Prozent. Dagegen haben sich die isländische Krone, der südkoreanische Won, der südafrikanische Rand und nicht zuletzt auch der ungarische Forint etwas von ihrer vorhergehenden Schwäche erholt. Selbst an den Kreditmärkten haben sich die so genannten Credit Default Swaps etwas normalisiert. Das zeigt, dass auch die Händler in diesem Teilmarkt von abnehmenden Kreditrisiken ausgehen.

          ... zumindest kurzzeitig

          Wie werden sich die Märkte weiter entwickeln? „Mehr als Hoffnung lässt sich aus den jüngsten Nachrichten nicht ableiten“, erklärt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Ob die Zinssenkungen und die unkonventionellen Liquiditätshilfen der Zentralbanken mehr als einen temporär positiven psychologischen Effekt für die Märkte bedeuteten, sei noch unklar. Analysten hätten ihre Gewinnerwartungen in den vergangenen Monaten zwar reduziert, doch würden für fast alle Märkte immer noch stattliche Zuwachsraten für dieses und nächstes Jahr prognostiziert. Dies scheine vor dem Hintergrund der erwarteten Konjunkturabschwächung weltweit, sowie der wahrscheinlichen Margenerosion durch geringere Preissetzungsmacht und höhere Kosten eher unwahrscheinlich zu sein.

          Diese Skepsis hat eine gewisse Berechtigung. Denn bei ihren Gewinnprognosen für das dritte Quartal des vergangenen Jahres haben die rund 1.800 Aktienanalysten der Wall Street um 8,2 Prozentpunkte zu hoch gelegen. Noch stärker fiel die Diskrepanz im vierten Quartal aus: Da überschätzten die Analysten die Unternehmensgewinne um 33,5 Prozentpunkte - so stark wie nie zuvor. Kein Wunder, dass Anleger den Analysten nicht mehr trauen, erklärt Liz Ann Sonders, Chef-Investmentstrategin bei Charles Schwab.

          Die vergangenen vierzehn Tage hätten zwar gezeigt, dass der Markt auf schlechte Daten kaum noch reagiere. Angesichts der ausgeprägten Negativstimmung könne sich die positive Marktentwicklung durchaus noch eine Weile fortsetzen. Dass der Tiefpunkt bei den Kursen aber bereits erreicht sei und es von jetzt an nur noch aufwärts gehe, sei dennoch unwahrscheinlich, fasst Klude seine Meinung zusammen. Er scheint also von einer Bärenmarktrally auszugehen.

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