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Strategie : "Hebeleffekt" macht Derivate reizvoll

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Derivative Produkte - bei den „konservativen“ Anlegern sind sie verschrieen, bei den „risikofreudigen“ sind sie beliebt. Das „Bewegungsgeheimnis“ der Produkte liegt im reduzierten Kapitaleinsatz.

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          Konservative Anleger mögen sich immer wieder fragen, was manche Anleger an Optionen, Optionsscheinen, Zertifikaten oder anderen derivativen Instrumenten gut finden mögen. Denn es muß Gründe dafür geben, daß der Markt mit solchen Produkten floriert.

          Auf der einen Seite mag dabei eine Rolle spielen, daß Banken den Bereich als „Marketingspielwiese“ entdeckt haben, auf der sie mit ihrer wahren oder angeblichen Kompetenz wuchern können. Fakt ist, daß sie in komplexeren Produkten nicht selten happige Ertragsmargen verbergen können, ohne daß es dem Kunden zunächst auffallen würde. Der wahre Kern offenbart sich oft erst im Laufe der Zeit, wenn so genannte Garantieprodukte plötzlich doch unter den Ausgabepreis fallen oder wenn ein „Out-Performance-Zertifikat“ das „Out“ vergessen hat. In diesem Sinne kann eine gesunde Portion Skepsis sicherlich nie schaden.

          „Leverage“ als Reiz für spekulative Anleger

          Auf der anderen Seite haben die „Basisinstrumente“ des Produktspektrums gewisse Eigenschaften, die sie für risikofreudige Anleger interessant machen können. Dazu gehört in erster Linie der so genannte „Leverage“ oder Hebel. Darunter versteht man die Tatsache, daß sich mit einer Option, einem Future oder einem ähnlichen Konstrukt unter Verwendung eines vergleichsweise geringen Kapitaleinsatzes ein relativ großer Teil des Marktes bewegen läßt.

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          Anders herum wird auch ein Schuh daraus: Setzt der Anleger den gleichen Betrag für den Kauf eines Futures oder einer Option ein, den er sonst für den Erwerb von Aktien verwenden würde, dann fällt der resultierende Gewinn deutlich höher aus. Unter der Bedingung natürlich, daß er auf die „richtige Seite“ gesetzt hat. Hat er auf steigende Kurse gewettet und sie steigen tatsächlich, dann geht die Rechnung auf. Fallen sie statt dessen, dann fährt er mit einem Future natürlich einen um so größeren Verlust ein. Darin liegt das Risiko.

          Bei der Option hat er dieses Risiko durch die Zahlung einer Art von Versicherungsprämie abgegeben. Das heißt, beim Kauf einer Kaufoption erwirbt der Anleger ein Recht auf Kursgewinne ohne die Kursverluste übernehmen zu müssen. Der Maximalverlust, den er erleiden kann, ist der Verlust der eingesetzten Prämie. Bei einer Verkaufsoption funktioniert es anders herum.

          Das „Bewegungsgeheimnis“ liegt im reduzierten Kapitaleinsatz

          Das „Geheimnis der Leverage“ liegt darin, daß ein Anleger beim Kauf einer Option, eines Futures oder eines vergleichbaren Konstruktes von der Kursbewegung eines Index, einer Währung oder ähnlichem in gleicher Weise profitieren kann, als ob er ihn erworben hätte. Gleichzeitig muß er jedoch nicht dasselbe Kapital einsetzen. Bezogen auf das eingesetzte Kapital profitiert oder verliert er bei jeder Kursbewegung überproportional.

          Die angehängte Graphik zeigt ein Beispiel. Angenommen ein Anleger rechnet mit steigenden Kursen. Dann kann er zumindest theoretisch den Dax replizieren und bei einem Indexstand von 4.225 genau 10.000 Euro investieren. Für diesen Betrag kann er aber auch einen Dax-Future erwerben, der ihm bei jedem Kursgewinn von einem Punkt 25 zusätzliche Euro einbringt. Er kann für dasselbe Geld auch eine beträchtliche Anzahl von Kaufoptionen erwerben, die ihn ab einem gewissen Niveau noch stärker würde an steigenden Kursen teilhaben lassen.

          Solche Beispiele machen deutlich, was derivative Produkte für manche Anleger interessant machen mag. Sie zeigen auch, wie professionelle Händler oder auch Hedge Fonds bei geschicktem Vorgehen überproportionale Renditen erwirtschaften können.

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