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Strategie : „Handle wie ein schrumpliger, gieriger Soldat“

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Reichtum führt zu einem Problem: Alleine die Geldanlage kann schon Kopfzerbrechen bereiten. Die Erfahrungen kritischer, unabhängiger Investoren können weiterhelfen. Zum Beispiel jene von Dennis Gartman, Herausgeber des Gartman Letter.

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          An der Börse überleben oft die einfachsten Weisheiten. So lautet der vielleicht berühmteste Satz der 1976 verstorbenen Wall Street-Legende Benjamin Graham: „Das größte Problem für Anleger - und ihr schlimmster Feind - sind wohl sie selbst.“

          Bis heute boomen die Tipps, wie die Anleger den „inneren Schweinehund“ überwinden können, der sie nicht selten zum Kauf der falschen Wertpapiere oder zum Verkauf später sehr erfolgreicher Werte zum falschen Zeitpunkt verleitet.

          Aus diesem Dilemma können möglicherweise ein paar Regeln helfen, die von erfolgreichen Anlegern aufgrund der von ihnen gesammelten Erfahrungen formuliert wurden. Beispielsweise jene von Dennis Gartman. Er ist schon seit dem Jahr 1974 an den Finanzmärkten aktiv und gibt seit dem Jahr 1987 den bekannten Gartman Letter heraus.

          Regel 1

          Kaufe nie bei einer verlustträchtigen Position nach. Nie, unter keinen Umständen. Das Aufstocken verlustreicher Papiere ist das Krebsgeschwür des Wertpapierhandels. Es ist vergleichbar mit dem Autofahren unter Drogeneinfluss und führt in den Ruin. Man kann darauf zählen.

          Regel 2

          Handle wie ein schrumpliger, gieriger Soldat: Wir müssen auf der gewinnträchtigen Seite kämpfen und nicht auf der, von der wir glauben, sie sei ökonomisch richtig.

          Regel 3

          Mentales Kapital dominiert reales Kapital: Kapital gibt es in mentaler und realer Form. Das erste ist wertvoller als das zweite. Hält man an einer verlustträchtigen Position fest, so kostet es messbares Geld, aber es kostet nicht quantifizierbare Mengen an Mentalkapital.

          Regel 4

          Die Geldanlage ist selten ein Geschäft, bei dem es darum geht, günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Sondern es geht vielfach darum, hoch zu kaufen und noch teurer zu verkaufen. Relative Stärke tendiert zu weiteren Kursgewinnen zu führen und Schwäche zu Schwäche.

          Regel 5

          In so genannten „Bullenmärkten“ kann man nur „long“ oder neutral positioniert sein, in „Bärenmärkten“ dagegen nur „short“ oder neutral. Das mag einleuchtend klingen, doch wenige verstehen es und noch weniger handeln auch entsprechend.

          Regel 6

          Märkte können länger unlogisch agieren als das Kapital der Anleger reicht(, um Verluste auszusitzen). Das sind Wort von Keynes - und die Märkte sind viel öfter unlogisch, als uns die akademische Welt glauben machen will.

          Regel 7

          Kaufe die Märkte, die die größte Stärke zeigen und verkaufe jene, die die größte Schwäche zeigen.

          Regel 8

          Denke wie ein fundamentaler Anleger, handle aber wie ein einfacher Markttechniker. Die Fundamentaldaten mögen die Richtung eines Marktes bestimmen. Aus diesem Grund sollten wir sie verstehen. Wenn jedoch der Chart nicht „bullish“ aussieht, wieso sollten wir dann „bullish“ sein? Man sollte erst dann optimistisch sein, wenn sowohl die Fundamentaldaten als auch die technischen Indikatoren gleichzeitig Anlass dafür geben.

          Regel 9

          Der Wertpapierhandel verläuft in großen Zyklen. Manche sind gut, viele sind schlecht. Handle mit großen Positionen und aggressiv, solange der Erfolg da ist und werde immer zurückhaltender, sobald die Erfolge ausbleiben. In „guten Zeiten“ verwandeln sich sogar Irrtümer in einen Gewinn, in „schlechten“ dagegen laufen sogar die bestens analysierten schief. So ist der Handel, akzeptiere es und mache weiter.

          Regel 10

          Halte das technische System einfach. Komplizierte Handelssysteme tragen den Keim der Verwirrung in sich. Einfache Handelssysteme dagegen sind elegant. Es gibt eine gewisse Korrelation: Die erfolgreichsten Händler hatten die einfachsten Handelsmethoden.

          Regel 11

          Beim Wertpapierhandel und in der Geldanlage ist das Verstehen massenpsychologischer Phänomene oft wichtiger, als es wirtschaftstheoretische Kenntnisse sind. Kaufe, wenn die Masse der Anleger schreit und verkaufe, wenn sie jubelt.

          Regel 12

          Korrekturen in „Bärenmärkten“ sind ausgeprägter und schneller als jene in „Bullenmärkten“. Es ist zwar ein Rätsel, aber es ist so. Anleger sollten das als Fakt erkennen und weitermachen.

          Regel 13

          Eine Kakerlake kommt nie alleine. Es ist beinahe schon eine Regel: Schlechte Nachrichten für eine Aktie kommen selten alleine, sondern werden ergänzt durch weitere negative. Diese Spirale findet erst dann ihr Ende, wenn die Anleger sich in Panik befinden und sobald die nervösesten Anleger ihre Papiere verkauft haben.

          Regel 14

          Habe Geduld mit erfolgreichen Geschäften und sei extrem ungeduldig mit verlustreichen. Je älter und damit erfahrener wir werden, desto mehr kleine Verluste nehmen wir im Laufe des Jahres und desto größer werden unsere Gewinne.

          Regel 15

          Verstärke die Aktivitäten, wo die Rechnung aufgeht und mache das Gegenteil, wo das nicht der Fall ist. Das „Erfolgsgeheimnis“ gilt sowohl für den Wertpapierhandel als auch für das normale Leben: Stocke erfolgreiche Strategien auf und reduziere oder eliminiere die anderen.

          Regel 16

          Es gibt keine Regel ohne Ausnahme, allerdings treten diese sehr, sehr selten auf. Ein Genie ist der, der weiß, wie selten man von den Regeln abweichen sollte und dass man trotzdem gut fährt.

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