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Strategie : Erfolgreiche Anleger vermeiden Verluste

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Bild: FAZ.NET

„Anleger, die langfristig eine gute Durchschnittsrendite erzielen wollen, kommen am Kauf von Aktien nicht vorbei“, heißt es mit Verweis auf langfristige Renditerechnungen. Clevere Anleger vermeiden oder begrenzen jedoch Verluste.

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          „Anleger, die langfristig eine gute Durchschnittsrendite erzielen wollen, kommen am Kauf von Aktien nicht vorbei“, heißt es. Das ist grundsätzlich richtig, wird man auf diese Weise doch zumindest indirekt auf relativ einfache Weise zum Mit-Unternehmer und kann über Kursgewinne und Ausschüttungen an der Gewinnentwicklung teilhaben.

          In diesem Sinne lassen sich Argumente relativieren, die gelegentlich auf die Diskrepanz zwischen der Gewinnentwicklung bei Unternehmen und der Lohnentwicklung bei Arbeitnehmern hinweisen. Meistens werden sie angeführt, wenn es bei den Unternehmen gerade besonders rund läuft. Die logische Konsequenz wäre die Entlohnung der Beschäftigten in Abhängigkeit vom Erfolg der Unternehmen.

          Unternehmensgewinne lassen sich nicht immer nur steigern

          Allerdings wollen viele Arbeitnehmervertreter diese Konsequenz nicht ziehen. Das hat denselben Grund, wieso auch manche Anleger mit Aktien nicht richtig gut leben können oder wollen: Denn erstens sind nicht alle Unternehmen immer erfolgreich. In diesem Falle sähe es schlecht aus mit der Entlohnung oder Rendite der Anteilseigner. So wäre und ist es zunächst entscheidend, beim richtigen Unternehmen beschäftigt oder auch investiert zu sein. Der Erfolg so genannter „Stock Picker“ spricht für sich.

          Zweitens zeigt die Gewinnentwicklung bei an sich erfolgreichen Unternehmen nicht immer nur nach oben. Aufgrund struktureller Änderungen des Marktes oder gerade auch in konjunkturell schwachen Phasen kann es zu deutlichen Gewinnrückgängen oder gar zu Verlusten kommen. In diesem Falle macht sich das bei erfolgsorientiert entlohnten Arbeitnehmern oder auch bei Aktionären in derselben Form bemerkbar: Die Auszahlung entsprechender Gehaltsbestandteile oder der Dividenden gehen zurück und die Aktienkurse fallen.

          Im Moment scheint nach einigen „fetten Jahren“ mit steigenden Umsätzen und Gewinnen sowie hohen Dividenden und steigenden Kursen an den Börsen wenig darauf hinzudeuten. Allerdings befinden sich die durchschnittlichen Ertragsmargen der Unternehmen auf Rekordniveau und können im Rahmen der in der Vergangenheit immer wieder zu beobachtenden Normalisierung eigentlich nur noch fallen.

          Auch die Weltkonjunktur zeigt sich bisher robust, obwohl die konjunkturellen Daten aus den Vereinigten Staaten in den vergangenen Wochen alles andere als überzeugend waren. Dabei hängt die wirtschaftliche Entwicklung weltweit direkt oder indirekt stark von der Investitionsneigung amerikanischer Unternehmen und vom amerikanischen Konsum ab. Bei beiden deutet sich schon seit einiger Zeit ausgehend vom schwachen Häusermarkt eine ausgeprägte Schwäche an. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die Konsequenzen über die starke weltwirtschaftliche Verknüpfung zeigen.

          Minimieren von Verlusten als Erfolgsrezept

          In diesem Sinne dürfte es bei allem Optimismus ratsam sein, als Anleger die Risiken im Blick zu behalten und gegebenenfalls die Konsequenzen zu ziehen. Denn auch wenn langfristige Durchschnittsrechnungen für das Kaufen und Halten von Aktien sprechen mögen, so zeichnen sich besonders erfolgreiche Anleger vor allem durch eines aus: Sie vermeiden oder minimieren Verluste.

          Das hat einen einfachen Grund: Die Rendite eines Investments wird anhand einer geometrischen Verknüpfung berechnet. Und diese führt zu einer deutlichen Asymmetrie: Nach einem Kursverlust eines Wertpapiers oder eines Marktes von beispielsweise 50 Prozent sind 100 Prozent Kursgewinn nötig, um das vorhergehende Kursniveau auch nur wieder zu erreichen. Bei einer langfristigen Durchschnittsrendite von sieben Prozent wären dafür mehr als zehn Jahre notwendig. Das ist verlorene, vor allem jedoch „renditelose“ Zeit.

          Allerdings gibt es immer wieder solche Phasen. Beispiele gefällig? Selbst nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Jahre hat der Dax das bisherige Allzeithoch von 8.065 Punkten aus dem März des Jahres 2000 noch nicht wieder erreicht. Der japanische Nikkei hat selbst nach etwa 18 Jahren noch nicht einmal die Hälfte des Allzeithochs aus dem Jahre 1989 wiedererreicht. Wer möchte schon so lange auf die Kurserholung und das Erreichen eines hohen Einstandsniveaus warten, um erst danach wieder eine allenfalls geringe Durchschnittsrendite erzielen zu können? In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, pragmatisch Kursverluste zu vermeiden oder frühzeitig zu kappen, statt auf langfristige Durchschnittsrechnungen zu vertrauen. Auch wenn solche immer wieder präsentiert werden.

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