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Strategie : Dow-Transportindex unter dem Aufwärtstrend

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Bild: Bloomberg

Wo ist sie geblieben, die „beste aller Welten“, in der sich Anleger noch bis zu Beginn des laufenden Jahres zu befinden glaubten? Im Moment gibt es einige Faktoren, die Anlegern zu denken geben können.

          Wo ist sie geblieben, die „beste aller Welten“, in der sich Anleger noch bis zu Beginn des laufenden Jahres zu befinden glaubten? Die Welt, in der die Konjunktur angeblich robust vor sich hinkochte, in der Schwellenländer scheinbar im Handumdrehen ihre Finanzprobleme loswerden konnten, in der die Unternehmen ihre deutlich Gewinne steigern konnten, in der die Inflationsraten eher fielen als stiegen und in der sich selbst geopolitische Konflikte und makroökonomische Ungleichgewichte in Rauch aufzulösen schienen?

          Sie dürfte vielfach nur in der Einbildung von Marktteilnehmern und Strategen existiert haben, die von Berufs wegen optimistisch sind, die die vorlaufenden Indikatoren nicht wahrnehmen wollen und die vor allem auch die Signale des Marktes ignorierten. Denn spätestens nach den im Mai einsetzenden Korrektur- und Risikoreduktionsbewegungen dürfte klar sein, daß sich einiges verändert hat.

          Amerikanische Konjunktur verliert an Dynamik

          So scheinen die Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten den Immobilienmarkt des Landes zu bremsen und damit indirekt den Konsum, der unter anderem vom so genannten Vermögenspreiseffekt trotz stagnierender Einkommen auf hohem Niveau gehalten wurde. Und davon konnte die Weltwirtschaft aufgrund des amerikanischen Importhungers profitieren. Auch die rasch steigende Rohstoff- und Energiepreise reduzieren die verfügbaren Einkommen der Konsumenten weltweit und damit die Nachfrage.

          Durchschnittsperformance der Vermögensklassen in jeder Phase der sieben vollen Konjunkturzyklen, die die amerikanische Wirtschaft seit dem Jahr 1959 durchlaufen hat.

          So dürfte es kaum verwundern, daß viele Frühindikatoren auf eine deutlich nachlassende Konjunktur in Amerika, wenn nicht gar eine bevorstehende Rezession hinweisen. Ein einfacher Blick auf den Dow Jones Transportation Average, der den Aufwärtstrend gebrochen hat, und auf die inverse Zinsstrukturkurve genügen. Beide Phänomene waren in der Vergangenheit verläßliche Indikatoren für eine konjunkturelle Abkühlung. Selbst die Zinspause der amerikanischen Notenbank kann zu denken geben.

          Gleichzeitig bemüht sich auch China mit verschiedenen Maßnahmen, die völlig überhitzte und einseitig exportorientierte Wirtschaft des Landes abzubremsen und ihre Struktur zu verändern. Nach neuesten Äußerungen scheint selbst die beschleunigte Aufwertung der Währung nicht mehr tabu zu sein, da andere Maßnahmen offensichtlich die Exportnachfrage nicht deutlich genug bremsen können.

          Zusammengenommen dürfte das die Dynamik der Weltkonjunktur dämpfen, mit entsprechenden Folgen für die Unternehmensgewinne. Sie geraten nicht nur von dieser Seite unter Druck, sondern gleichzeitig auch durch steigende Kosten. Entweder werden in der Folge die Gewinne zurückgehen oder die Unternehmen werden ihre Preise anheben müssen. Beides wäre nicht sehr angenehm. Immerhin ist die Inflationsentwicklung - unter anderem ausgelöst durch eine lange Zeit extrem lockere Geldpolitik weltweit - schon in Bewegung nach oben geraten, sogar im lange Zeit deflationären Japan.

          Sind die Zentralbanken restriktiv genug?

          Es wird sich zeigen müssen, ob die bisherigen Zinserhöhungen und die leichte Einschränkung der Geldmengen in manchen Regionen genügen werden, um gegenzusteuern. Sollten die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten und zu Zweitrundeneffekten führen, müssen die Zentralbanken noch deutlich restriktiver werden. Immerhin kann eine ganze Generation an Konsumenten von steigenden Preisen überrascht werden, die bisher nur an ein disinflationäres Umfeld mit immer günstiger werdenden Waren aus Asien gewöhnt war.

          In diesem Sinne scheint für die kommenden Monate sogar eine Stagflation nicht völlig ausgeschlossen zu sein. Denn wenn die Preise trotz nachlassendem Wachstum weiter steigen würden, wären weitere Zinserhöhungen in Amerika mit entsprechend negativen Folgen unvermeidlich. Die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten können in diesem Sinne die Neigung der Anleger nur verstärken, sich defensiv zu positionieren.

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