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Strategie : Die Volatilität ist zurück

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Waren die Risikoprämien in den vergangenen Monaten sehr tief gefallen, so haben sie in den vergangenen Tagen mit schnellen Kursverlusten wieder zugenommen. Die Nervosität der Anleger dürfte noch etwas anhalten.

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          Der Blick auf die Entwicklung an den internationalen Börsen ist interessant. Nach deutlichen Kursgewinnen in den Jahren 2003 bis 2005 sind die Märkte zunächst auch mit anhaltender Aufwärtsdynamik ins laufende Jahr gestartet.

          Nichts schien sie stoppen zu können. Allerdings dürfte diese Bild mit den jüngsten Kursverlusten Kratzer erhalten zu haben. Zumindest aus technischer Sicht hat sich die Lage eingetrübt. „Verstärkt durch die negativ interpretierten CPI-Daten in Amerika setzt sich sowohl die Schwäche bei den internationalen Renten-Futures wie auch die generelle Eintrübung der Stimmung an den europäischen Aktienmärkten fort“, formuliert beispielsweise Markttechniker Achim Matzke von der Commerzbank seine gegenwärtige Einschätzung.

          Kursverluste bei hohen Volumina - normalerweise kein gutes Zeichen

          Besonders negativ seien die neuen sehr ausgeprägten, von hohen Volumina begleiteten Verkaufssignale vieler europäischer Blue-Chips. Gleichzeitig deute die massive Eintrübung in der Marktbreite dieser Aktienkategorie insgesamt eine Korrekturausweitung an. An der Wall Street bietet sich ein ähnliches Bild. Dort waren die ausgeprägten Kursverluste am Mittwoch ebenso mit hohen Handelsvolumina verbunden. Diese Kombination ist normalerweise kein sonderlich gutes Zeichen, deutet sie doch auf eine deutliche Portfoliobereinigung hin.

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          Auf der anderen Seite scheinen viele Märkte und auch Einzelaktien fundamental betrachtet noch sehr vernünftig bewertet zu sein und gerade bei größeren Korrekturen förmlich zu Käufen einzuladen. Immerhin konnten viele Unternehmen in den vergangenen Monaten erstaunliche Gewinne erzielen, hohe Dividenden ausschütten, Aktien zurückkaufen oder entsprechende Rücklagen für Investitionen bilden.

          Allerdings stellt sich die Frage, ob sich diese Entwicklung wird halten lassen. Denn befinden sich die Gewinnmargen gegenwärtig auf Rekordniveau, so tendieren sie mittel- und langfristig in der Regel zu einem Mittelwert zurück. Dies wäre für die weitere Ertragsentwicklung vor allem in Verbindung mit den hohen Erwartungen, die den Markt nach oben getrieben haben, nicht sonderlich positiv.

          Gleichzeitig verändert sich auch das makroökonomische Umfeld. So scheinen die zuletzt auf fünf Prozent erhöhten Leitzinsen in den Vereinigten Staaten langsam die Wirtschaftsentwicklung zu bremsen. Der noch bis vor kurzem boomende Häusermarkt zeigt Anzeichen von Schwäche. Dabei hatte er den für die Weltwirtschaft bisher so wichtigen amerikanischen Konsumenten trotz stagnierender Realeinkommen und flauer Entwicklung an den Börsen zu einer indirekten Einkommenssteigerung verholfen und die Ausgaben auf hohem Niveau gehalten.

          Die Risikoprämien sind noch tief

          Es läßt sich fragen, wie dieses Konsumniveau bei gleichzeitig steigenden Preisen gehalten werden können soll. Denn hohe Energiepreise wirken wie eine Einkommensteuer. Aus diesem Grund wandelt die amerikanische Zentralbank auf einem schmalen Grat und fragt sich, ob sie den Leitzins noch weiter nach oben schrauben muß oder nicht - oder ihn gar bald wieder senken muß. In den vergangenen Tagen hat sie eine Pause angekündigt, um die verzögerte Wirkung abzuwarten - sie will sich an den eintreffenden Daten orientieren.

          Die Daten zu den amerikanischen Verbraucherpreisen haben am Mittwoch die Angst vor steigenden Zinsen erneut angefacht und damit einen regelrechten Ausverkauf an den Weltbörsen ausgelöst. Ob dieser gerechtfertigt war, wird sich erst noch zeigen müssen. Allerdings dürften sich auf die diese Weise erst einmal die Risikoprämien erhöht und auf diese Weise normalisiert haben. Immerhin waren sie in den vergangenen Jahren aufgrund des zunehmenden Optimismus sehr tief gefallen. Das zeigt sich unter anderem am VDax, dem Volatilitätsindex an der Eurex. Eine Normalisierung ist in diesem Sinne nur normal.

          Möglicherweise hält dieser Prozeß noch eine Weile an und führt zu weiterer erhöhter Volatilität der Börsen und der anderen Segmente des Finanzmarkts. Immerhin sind auch die Risikoprämien an den Rentenmärkten noch gering und einige Währungen fehlbewertet. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, kurzfristig etwas defensiver zu werden, auch wenn die mittel- und längerfristigen Perspektiven vorerst noch gut auszusehen scheinen.

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