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Strategie : Das globale Wachstum ist exportlastig

  • Aktualisiert am

Bild: Northern Trust

Die Anleger weltweit sind und bleiben wirtschaftsoptimistisch. Dabei schwächelt die amerikanische Konjunktur und die Immobilienkrise dürfte noch lange nicht ausgestanden sein. Alle bauen auf den Export.

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          Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten ist weitgehend positiv, da die Marktteilnehmer offensichtlich an die so genannte „Abkoppelungstheorie“ glauben. Diese geht davon aus, dass das amerikanische Wachstum schwach ist und aufgrund der anhaltenden Krise am Häusermarkt vor erst auch schwach bleiben, sich aber bald erholen werde. Die Vereinigten Staaten würden nicht in eine Rezession abgleiten, heißt es.

          Gleichzeitig könne sich die restliche Welt wirtschaftlich von dieser Entwicklung abkoppeln, da sie inzwischen unabhängiger von der amerikanischen Nachfrage geworden sei als in der Vergangenheit. Solche Annahmen werden mit Blick auf das gegenwärtig robuste Wachstum in Europa und in vielen Schwellenländern zunächst bestätigt. Gleichzeitig besteht die Tendenz, amerikanische Konjunkturzahlen in der Tendenz positiv zu bewerten.

          Investitionstätigkeit läuft der Konsumnachfrage nach

          Allerdings zeichnet ein näherer Blick auf verschiedenen konjunkturellen Zahlen ein anderes Bild. Es sich die Krise am amerikanischen Häusermarkt sich in den kommenden Monaten mit großer Wahrscheinlichkeit negativ am Arbeitsmarkt und vor allem auch beim Konsum bemerkbar machen dürfte. So bliebe nur noch der Investitionsbereich, der die amerikanischen Wirtschaft am laufen halten könnte.

          Scheint es hier zunächst noch gut auszusehen, so folgt die Investitionstätigkeit der Konsumnachfrage zeitlich. Sollte also der Konsum nachgeben, so dürften in den kommenden Monaten auch die Investitionen der Unternehmen zurückgehen. Diese Erwartung wird bestätigt durch die ISM-Umfragen. Sie zeigen, dass die Unternehmen trotz guter Gewinnsituation nur wenig investieren und ihre Investitionstätigkeit eher einschränken als ausbauen wollen.

          Gleichzeitig sind zwar die Lagerbestände in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Eine Analyse von Paul Kasriel von Northern Trust in Chicago jedoch zeigt, dass dafür vor allem der Einzelhandelsbereich verantwortlich ist. Bei fallenden Häuserpreisen und einem schwächelnden Arbeitsmarkt dürften die Unternehmen in diesem Sektor nur bedingt dazu neigen, ihre Lager rasch wieder aufzufüllen, denkt er. Da die Hersteller zur gleichen Zeit immer rascher liefern können, keine Engepässe in Sicht sind und gleichzeitig die Rohstoffpreise - insbesondere die Industriemetalle - „toppisch“ aussehen, dürften auch sie nur zögerlich ihre Bestände aufstocken.

          Die ganze Welt baut auf den Export

          So bliebe aus Ausweg nur ein starker Exportsektor. Der möge zwar aufgrund des schwachen Dollars und einer bisher robusten Weltkonjunktur kurzfristig eine gewisse Dynamik zeigen. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass ein großer Teil des weltwirtschaftlichen Wachstums von den Exporten abhängt. Das zeigt alleine schon der Blick das Verhältnis zwischen Binnen- und Exportnachfrage in Europa und Asien. Ein großer Teil dieser Exporte landetet bisher direkt oder indirekt in den Vereinigten Staaten: Die amerikanische Konsumnachfrage war bisher für knapp 30 Prozent des Wirtschaftswachstums in der restlichen Welt verantwortlich.

          In diesem Sinne dürfte man die „Abkoppelungstheorien“ mit einer gewissen Skepsis betrachten und diese Skepsis auch auf die Finanzmärkte übertragen müssen. Immerhin sind einige Zentralbanken weltweit dabei, gleichzeitig die Zinszügel anzuziehen und die Liquidität zu reduzieren. Kurzfristig mag das die Marktteilnehmer angesichts der Trends und der optisch noch günstigen Bewertungen - sie können bei stagnierenden oder gar fallenden Gewinnen rasch anders aussehen - wenig überzeugen. Mittel- und längerfristig nehmen jedoch die Korrekturrisiken zu.

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