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Strategie : Carry- und Risikostrategien deutlich auf dem Rückzug

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Bild: FAZ.NET

An den internationalen Finanzmärkten geht es rund. Anleger reduzieren ihre Risiken. Zusammen mit zunehmenden Zweifeln an der internationalen Wirtschaftsentwicklung führt das kurzfristig zu einer gewissen Eigendynamik nach unten.

          An den internationalen Finanzmärkten geht es weiter rund. Aufgrund der zunehmenden Nervosität der Anleger steigt auch die Volatilität. Dieser Effekt verstärkt sich selbst. Denn viele Risiko- und Vermögensverwaltungsmodelle leiten aus ihr die Risikotragfähigkeit ab: Je größer die Volatilität ist, desto geringer wird der Risikoappetit und dann werden Positionen abgestoßen.

          Dieser Effekt trifft zusammen mit der Kreditkrise, in deren Rahmen viele Marktteilnehmer Verluste erlitten haben, die sie decken müssen. So kam in den vergangenen Wochen auch von dieser Seite ein gewisser Verkaufsdruck in den Markt. Mit zunehmender Dynamik nach unten wird sie verstärkt durch so genannte „Momentum-Händler,“ die alleine auf die Markttechnik achten. Auch sie können von den Kursbewegungen nach unten zu Verkäufen gereizt werden.

          Abnehmender Risikoappetit führt zu Verkaufsdruck

          Solche Strategien werden überlagert von der sich offensichtlich rasch verschlechterten Konjunktursituation in den Vereinigten Staaten. Kritische Marktbeobachter gehen davon aus, dass sie sich wirtschaftlich längst in einer Rezession befinden. Aufgrund der Dimension der vorhergehenden Vermögenspreisblasen und der starken Verschuldung der amerikanischen Konsumenten dürfte auch das angekündigte Stützungsprogramm der amerikanischen Regierung nicht viel bewirken können. Denn erstens ist es relativ klein.

          Zweitens zeigt die Erfahrung, dass Konjunkturprogramme keine nachhaltig positive Wirkung auf die Wirtschaftsentwicklung in einem Lande haben. Im Gegenteil: In der Regel zeigen sich positive Effekte nur in Form von Strohfeuern. Dagegen bleiben die negativen Effekte in Form einer höheren Verschuldung und einer verzerrten Wirtschaftsstruktur längere Zeit bestehen. In diesem Sinne wäre eine solide Wirtschaftspolitik zur Vermeidung von Blasen sinnvoller, als der kurzzeitige Aktionismus, der regelmäßig auftritt, wenn entstandene Ungleichgewichte korrigieren und wenn Exzesse korrigiert werden.

          Waren viele längere Zeit davon ausgegangen, die Weltwirtschaft könne sich von der amerikanischen Schwäche abkoppeln, so werden solche Theorien inzwischen von den Märkten längst ad absurdum geführt. Denn die internationalen Anleger trennen sich mit zunehmender Dynamik von ihren Risikopositionen, die sie in den vergangenen Jahren im Rahmen der Erholung von der vergangenen Baisse und der danach entstandenen allgemeinen Wirtschaftseuphorie aufgebaut hatten.

          Das zeigt sich in erster Linie an den so genannten Carry Trades, die nun immer mehr zurückgedreht werden. Das heißt, Anleger kaufen niedrige verzinsliche Währungen wie den Yen und den Schweizer Franken zurück, in denen sie sich in den vergangenen Jahren verschuldet hatten, um hoch rentierliche Anlagen zu kaufen. Aus diesem Grund hat der Euro gegen den Yen seit Ende des vergangnen Jahres mehr als sieben Prozent und gegen den Schweizer Franken rund vier Prozent abgewertet. Beide Währungen hatten zuvor zu den schwächsten weltweit gehört. Gegen den Dollar fiel die Aufwertung der beiden Währungen noch deutlicher aus.

          Zunehmende Zweifel an der „Abkoppelungstheorie“

          Die Korrektur der Währungen und die zunehmenden Zweifel an der so genannten „Abkoppelungstheorie“ hat Folgen. Sie zeigten sich in den vergangenen Tagen vor allem in Asien, aber auch in anderen Schwellenländern. So hat der japanische Nikkei seit Mitte des vergangenen Jahres etwa 27 Prozent verloren. Denn der aufwertende Yen bringt die japanischen Exportunternehmen in die Defensive. Anleger scheinen zunehmende Zweifel an ihrer Gewinnentwicklung zu haben.

          Auch an anderen Börsen ging es in den vergangenen Tagen deutlich nach unten, sei es in China, Hongkong, Südkorea oder auch in Indien. Das dürfte kaum verwundern. Denn erstens waren manche Aktien der Unternehmen der Regionen hoch bewertet. Zweitens sind viele stark vom Export abhängig. Sollte der Export aufgrund der Wachstumsschwäche in den Vereinigten Staaten und zunehmend auch in Europa zurückgehen, würden die Unternehmensgewinne zurückgehen.

          Die Korrektur dieser Erwartungen hat weitere Folgen: Sie dürfte zunehmend die in den vergangenen Jahren entstandene Euphorie im Energie- und Rohstoffbereich dämpfen, die von anhaltend starkem Wachstum weltweit und einer zunehmenden Nachfrage ausgegangen war. Sollte nun die Nachfrage weniger stark zunehmen, als man das im allgemeinen Optimismus angenommen hatte und sollten gleichzeitig die inzwischen angestoßenen Investitionen in Form eines zunehmenden Angebots Früchte tragen, würde eine ausgeprägtere Preiskorrektur kaum überraschen.

          Insgesamt dürfte es im gegenwärtigen Umfeld ratsam sein, als Anleger defensiver zu werden - sofern man das in den vergangenen Wochen nicht längst schon geworden ist. Anleger, die ihre Positionen mit regelmäßig angepassten Stopp-Loss-Orders abgesichert hatten, dürften längst Gewinne mitgenommen haben und auf entsprechenden Liquiditätspolstern sitzen. Weitere Absicherungsstrategien können nie schaden (siehe auch: und ). Für den Wiedereinstieg scheint es noch zu früh zu sein. Denn noch lassen sich die letzen Konsequenzen der Kreditkrise auf die Wirtschaft noch nicht abschätzen.

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