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Strategie : Bedrohen rückläufige Preise die „Rohstoffbörsen“?

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Bild: FAZ.NET

Hohe Energie- und Rohstoffpreise hatten in den vergangenen Monaten zu Gewinnzuwächsen bei den Unternehmen der Branche geführt und „rohstofflastige“ Börsen nach oben gezogen. Nun scheint eine Konsolidierung wahrscheinlich.

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          Sorgten in den vergangenen Monaten zum Teil deutlich steigende Energie- und Rohstoffpreise für eine Gewinnexplosion bei den Unternehmen der Branchen, so dürfte es kaum verwundern, daß auch die Aktien der Unternehmen kräftig nach oben tendierten.

          Manche Märkte schienen von diesen Werten förmlich nach oben gezogen worden sein. Diese Vermutung gilt zunächst insbesondere für die Börsen von Ländern wie Rußland, Kanada, Südafrika oder auch Brasilien. Denn diese Länder verfügen über große Rohstoffvorkommen, seien also entsprechend einseitig ausgerichtet, was sich auch an den Börsen ausdrücke, so die Intuition.

          Starke Gewichtung einzelner Energie- und Rohstoffwerte in Bovespa und RTS

          Sie scheint in Brasilien und Rußland auch tatsächlich zuzutreffen. So ist die Aktie des Ölunternehmens Petrobras in Brasilien mit einem Indexgewicht von etwas mehr als zwölf Prozent der „schwerste Wert“ im Bovespa, gefolgt vom Minenwert CVRD mit einem Gewicht von knapp elf Prozent. Ähnlich sieht es beim russischen RTS aus, in dem Gazprom einen Anteil von 14,4 Prozent hat, Lukoil als zweitstärkster Wert auf ein Gewicht von 13,94 Prozent kommt, Surgutneftegaz mit einem Gewicht von 8,93 Prozent auf Platz vier liegt, Norilsk Nickel mit 6,1 Prozent auf Platz fünf und Rosneft Oil mit 5,6 Prozent auf Platz sechs.

          Dagegen scheint der Markt in Kanada zunächst alles andere als rohstofforientiert zu sein. Die vier „schwersten“ Werte mit Gewichten zwischen gerade einmal fünf und 3,7 Prozent sind die Aktien der Royal Bank of Canada, von Manulife, der Bank of Nova Scotia und die der Toronto-Dominion Bank. Erst danach kommt mit einem Gewicht von 4,24 Prozent mit der Aktie von Encana der erste Energie- oder Rohstoffwert. Insgesamt stellen Energie- und Bergbauwerte jedoch 43 Prozent des Indexwertes.

          In diesem Sinne dürfte es verwundern, daß sich diese Börsen in den vergangenen Wochen besser entwickelt haben als die Rohstoffpreise selbst, ist die Relevanz doch unverkennbar: Im Schwellenländer-Index von Morgan Stanley Capital International haben Energie- und Rohstoffproduzenten ein Gewicht von 29 Prozent, im MSCI Weltindex sind es dagegen nur 15 Prozent.

          „Die Leute haben bei den Rohstoffen zu hohe Erwartungen“, sagte denn auch Stephen Gauthier, Partner der Investmentboutique Gauthier & Cie. in Montreal der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Sie glauben, daß sich die Preise erholen werden, doch die Nachfrage ist nicht so groß wie gedacht.“ Immerhin führen hohe Preise einem effizienteren Verbrauch und zu Ausweicheffekten.

          Abflauendes Wirtschaftswachstum dürfte sich bei Rohstoffen bemerkbar machen

          Die Rohstoffmärkte werden sehr wahrscheinlich vom abflauenden Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten belastet. Im zweiten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten auf Jahresbasis nur noch um 2,9 Prozent, nach 5,6 Prozent im ersten Quartal. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert, daß die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten im nächsten Jahr insgesamt um 2,9 Prozent wachsen wird. Das wäre der niedrigste Wert seit dem Jahr 2003. Auch China versucht, einem überzogenen Investitionstempo entgegenzuwirken und die Inflation bremsen.

          In diesem Sinne scheint im Rahmen einer globalen konjunkturellen Abkühlung ein anhaltend kritischer Blick auf die Rohstoffmärkte und indirekt auf die Finanzmärkte der Schwellenländer notwendig sein. Denn „die Schwellenmärkte können sich nicht überdurchschnittlich entwickeln, wenn die Rohstoffpreise rutschen“, sagte Schwellenländer-Stratege Michael Harnett von Merrill Lynch gegenüber Bloomberg. „Die zyklischen Kräfte arbeiten gegen die Emerging Markets und die Rohstoffe.

          „Wer in Schwellenländer investiert, sollte Rohstofftitel niedriger gewichtet halten, als es die Gewichtung der Branche im MSCI-Index nahe legt. Ob ein möglicher Abschwung so stark ausfallen wird, wie bei den arabischen Börsen, dürfte allerdings unwahrscheinlich sein. Immerhin sind diese weniger liquide und deutlich einseitiger orientiert als die Märkte in anderen Regionen der Welt.

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