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Strategie : Amerikanische Wirtschaft: Positiv- und Negativszenario

  • -Aktualisiert am

Schwaches Wachstum - schwacher Dollar Bild: AFP

Die Volkswirte von S&P gehen von einer kurzen und milden Rezession in den Vereinigten Staaten aus. „Vorhersagen sind jedoch schwierig, insbesondere dann, wenn sie die Zukunft betreffen.“ So haben sie auch zwei Extremszenarios durchgespielt.

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          Der große Yogi Berra sagte dereinst: „Vorhersagen sind schwierig, insbesondere dann, wenn sie die Zukunft betreffen.“

          Das von Präsident George W. Bush unterzeichnete Konjunkturprogramm und die massiven Zinssenkungen der Fed dürften der von uns prognostizierten leichten Rezession ein relativ schnelles Ende setzen.

          Standardszenario: Kurze & milde Rezession

          Wenngleich die der amerikanischen Wirtschaft zugrunde liegenden Probleme ein Spiegelbild der Rezession von 1991 bis 1992 zu sein scheinen (als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vom Gipfel bis zur Talsohle um 1,2 Prozent zurückging), dürfte die aktuelle Situation infolge der eingangs erwähnten Maßnahmen nach unserer Ansicht eher Ähnlichkeiten mit dem Abschwung von 2001 aufweisen (als das reale BIP um lediglich 0,4 Prozent sank).

          Nach unserer Überzeugung datiert der Zyklusgipfel der letzten Expansion auf den November 2007, während die Talsohle wahrscheinlich im Juli 2008 erreicht sein wird, wenn im Rahmen des Konjunkturprogramms die letzten Schecks mit Steuerrückzahlungen versandt werden. Damit läge die Rezession mit einer Dauer von acht Monaten unter dem 50-jährigen Mittel von 10,7 Monaten.

          Für die ersten beiden Quartale 2008 sehen wir ein negatives BIP-Wachstum mit einem Rückgang von insgesamt 0,4 Prozent. Nach unserer Ansicht werden die Steuerrückzahlungen für kräftigen Rückenwind sorgen und das BIP im dritten Quartal auf 3,2 Prozent nach oben treiben. Nach dem Abflauen dieser Impulse rechnen wir in den darauffolgenden drei Quartalen mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf durchschnittlich 2,6 Prozent. Im vierten Quartal dürften die Steueranreize für Unternehmen für weiteren Auftrieb der Wirtschaft sorgen und damit ein neuerliches Absinken in eine Rezession nach anfänglicher Erholung (Double Dip) verhindern.

          Wir gehen davon aus, dass ein 20-prozentiger Rückgang des S&P-500 - weniger als der während einer Rezession im langjährigen Mitte eintretende Einbruch - in diesem Frühjahr beendet sein wird.

          Die Fed reagierte schneller als von uns erwartet oder als sie es in der Vergangenheit für gewöhnlich tat. Sie kappte den Leitzins von 5,25 Prozent im September 2007 auf aktuell drei Prozent und wir rechnen in diesem Monat mit einer weiteren Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt. Die langfristigen Zinssätze gingen von ihrem Höchststand im Sommer 2007 (4,5 Prozent) um 70 Basispunkte zurück.

          Die Kapitalbeschaffungskosten für nicht börsennotierte Unternehmen und für Privatpersonen sind jedoch weniger stark gesunken, für bonitätsschwache Kreditnehmer sind sie sogar gestiegen. Etwa zwei Drittel des amerikanischen Konjunkturprogramms, das ab Mai mehr als 160 Milliarden Dollar in die Wirtschaft pumpen wird, entfallen auf das im September endende Haushaltsjahr 2008. Nach unseren Berechnungen wird das diesjährige Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten damit nahe an die 413 Milliarden Dollar aus dem Rekordjahr 2004 herankommen. Mit Blick auf die Verbraucherausgaben dürfte die stimulierende Wirkung des Konjunkturprogramms vor allem im dritten Quartal spürbar werden. Die Steueranreize für Unternehmen werden ihre größte Impulswirkung im vierten Quartal entfalten.

          Das Negativszenario

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