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Strategie : Aktienoptimismus zieht die Börsen nach oben

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Bild: FAZ.NET

Die Kursturbulenzen Anfang März mögen Anleger aufgeschreckt haben. Inzwischen sind sie überwunden und an den Märkten macht sich langsam so etwas wie Euphorie breit. Sie kann die bestehenden Trends weiter tragen. Fragt sich nur, wie weit.

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          Die Stimmungen ändern sich schnell an den internationalen Finanzmärkten. Das zeigte sich in den vergangenen Wochen sowohl an den Devisen- als auch an den Rohstoff- und Aktienmärkten.

          Hatte es von Ende Februar bis Mitte März aufgrund deutlicher Kursverluste an den Börsen und den Rohstoffmärkten und einer deutlichen Korrektur der so genannten Carry Trades am Devisenmarkt so ausgehen, als ob die langjährigen Trends gefährdet sein könnten, so hat sich dieser Eindruck inzwischen nicht nur verflüchtigt, sondern geradezu ins Gegenteil verkehrt.

          Aktienindizes auf Mehrjahreshochs

          Die meisten internationalen Aktienindizes haben in der Zwischenzeit wieder neue Mehrjahreshochs erreicht, insbesondere in Europa und in den Schwellenländern. Im Rohstoffbereich tendieren insbesondere die Energie- und Metallfutures wieder deutlich nach oben. Dagegen haben bei den Währungen die niedrig verzinslichen gegen die höher verzinslichen deutlich an Boden verloren. Euro-Yen befindet sich auf einem Rekordhoch und der Schweizer Franken gerät gegen den Euro immer weiter ins Hintertreffen.

          Dax am 16. April 2007

          Die internationalen Anleger scheinen nach einem kurzen Stimmungsdämpfer davon auszugehen, dass sich die Weltwirtschaft weiterhin robust entwickeln wird und dass die Unternehmen auf dieser Basis ihre Gewinne weiter steigern können. Das wiederum werde die Kurse weiter nach oben bringen. Diese Vermutung wird unterstützt durch die dynamischen Fusions- und Übernahmeaktivitäten. Auch sie wirken Kurs treibend. Auf Basis der gegenwärtigen Gewinnschätzungen scheinen selbst die Bewertungen vieler Aktien nicht gegen weitere Kurssteigerungen zu sprechen. Immerhin sehen sie in vielen Branchen zumindest auf den ersten Blick noch vernünftig aus.

          Auf der anderen Seite scheint die Stimmung in machen Bereichen langsam schon wieder euphorisch zu werden. Das zeigte sich am Montag einmal mehr am Tageschart des Dax, der am Nachmittag nach einer freundlichen Eröffnung der Wall Street eine zunehmende Eigendynamik nach oben entwickelte und immer weiter nach oben lief. Am späten Nachmittag liegt er mit einem Plus von satten 1,77 Prozent oder von 128 Punkten bei 7.340 Zählern. Nichts scheint ihn von weiteren Kursgewinnen abhalten zu können. Der S&P 500 hat im Tagesverlauf mit einem Plus von etwas mehr als einem Prozent auf 1.468 Zähler den höchsten Stand seit September des Jahres 2000 erreicht und auf diese Weise ebenso wie andere internationale Indizes zuvor ein technisches Kaufsignal generiert.

          Makrodaten scheinen keine Rolle zu spielen

          Makroökonomische Fundamentaldaten scheinen im Rahmen dieser Stimmung gegenwärtig nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Negative werden ignoriert oder selektiv positiv interpretiert. Optisch positiv aussehende werden geradezu euphorisch aufgenommen. Das zeigte sich am Montag beispielsweise an den amerikanischen Einzelhandelsumsätzen, die im März mit einem Plus von 0,8 Prozent ex Autos leicht enttäuschend ausfielen, insbesondere wenn man den Effekt der hohen Benzinpreise herausrechnet. Auch der ausgesprochen schwache Empire State Manufacturing Survey, der über den Geschäftsgang der Unternehmen im Staate New York Aufschluss gibt, scheint keinen Börsianer beeindrucken zu können.

          Und das, obwohl auch andere Indikatoren auf eine schwache amerikanische Konjunktur und die möglichen Konsequenzen für die Weltwirtschaft und die Gewinnentwicklung der Unternehmen hinweisen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, sich gegen die mittelfristigen Trends an den Finanzmärkten zu stellen. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, sich für sie zu entscheiden und sie auszureizen bis sie gebrochen werden. Das heißt gegenwärtig, auf steigende Kurse an den Börsen, im Rohstoffbereich und sich am Devisenmarkt gegen die niedrig verzinslichen Währungen zu setzen.

          Allerdings sind Absicherungsstrategien angesichts der einseitigen Positionierungen empfehlenswert. Denn die rasch wachsenden und an Einfluss gewinnenden Hedge Fonds sind wetterwendisch und drehen sich rasch. Aus diesem Grund kann es jederzeit zu deutlichen Gegenbewegungen kommen. Diese könnten sogar ausgeprägte Formen annehmen, wenn sich herauskristallisieren sollte, dass die Jahrzehnte lang ignorierten Ungleichgewichte zu einem Problem werden. Gerade dann werden viele gleichzeitig versuchen, aus ihren gleichgerichteten Positionen auszusteigen. Fragt sich nur, ob die Märkte dann noch genügend liquide sein werden.

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